Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Natur kennt keine Grenzen: Biodiversitätsmanagement in Naturschutzgebieten

13.09.2012
Ein internationales Forschungsprojekt soll helfen, wichtige ökologische Lebensräume in den Natura 2000 Gebieten Südosteuropas zu schützen. Die TU Wien ist einer der führenden Forschungspartner.
Europaschutzgebiete sind wichtig, um die Artenvielfalt Europas zu erhalten. Wenn diese Gebiete allerdings nicht richtig organisiert und geführt werden, verlieren sie einen großen Teil ihres Nutzens. Das internationale Forschungsprojekt BeNatur untersucht daher, wo derzeit die Probleme liegen, und durch welche Regelungen Europas Naturschutzgebiete ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen besser gerecht werden können. Eine umfangreiche Studie dazu wurde nun im Rahmen einer internationalen Konferenz an der TU Wien präsentiert.

Natura 2000 Schutzgebiet- und was nun?

Die EU hat schon 1992 festgelegt, welche Arten und Lebensräume besonders schützenswert sind. Diese Richtlinien bilden die Grundlage von "Natura 2000", einem umfassenden Netzwerk von Schutzgebieten. Wenn man eine Region zum Schutzgebiet erklärt, ist aber zunächst noch nicht viel erreicht: Wie man das Bestreben, Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume zu schützen nämlich in Gesetze, Verwaltungs- und Managementstrukturen umlegt, ist zunächst noch nicht klar.

Besonders in den Natura 2000 Schutzgebieten des südosteuropäischen Raumes gibt es Verbesserungsbedarf. Daher hat man das Projekt "BeNatur" ins Leben gerufen: In diesem internationalen Forschungsprogramm wird untersucht, wie man die bestehenden Ziele und Direktiven am besten in konkrete Regelungen gießen und umsetzen kann. Untersucht wird dabei der südosteuropäische Raum von Italien über Österreich und den Balkan bis nach Griechenland. Ein ganz besonderes Augenmerk wird dabei auf Flüsse, Seen und Küstengebiete gelegt.

Gut für die Umwelt, gut für die Menschen

"Natura 2000 haben nicht nur eine wichtige ökologische Bedeutung, sondern auch eine wirtschaftliche und soziale", sagt Prof. Michael Getzner vom Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung der TU Wien. Schutzgebiete können für eine Region einen großen Mehrwert bringen, wenn sie sich etwa für nachhaltigen Tourismus nutzen lassen und für neue Arbeitsplätze sorgen.
"In vielen Natura 2000 ist allerdings das nötige Verständnis für Planung und Management noch nicht gegeben", meint Denise Zak (TU Wien). "Wenn man ein Naturschutzgebiet leitet ohne zu wissen, welche Möglichkeiten es gäbe und wie viel Geld dafür erforderlich wäre, dann kann man die möglichen Vorteile auch nicht nutzen." Trainingsangebote für Schutzgebiets-Verwaltungen sind daher ein wichtiger Teil des BeNatur-Projektes.

In Österreich werden die Natura 2000 Gebiete vergleichsweise gut geführt. Größere Probleme gibt es weiter im Osten - und ganz besonders dort, wo sich Naturschutzgebiete über Staatsgrenzen hinweg erstrecken. "Dort fehlen oft nach wie vor länderübergreifende Konzepte für diese Gebiete", kritisiert Denise Zak.

Natur, Mensch, Wirtschaft

Das Forschungsteam der TU Wien rund um Prof. Michael Getzner trat mit Behörden und Schutzgebiets-Managern aus ganz Südosteuropa in Kontakt um ein genaueres Bild vom aktuellen Zustand zu erhalten. Analysiert wurden rechtliche, organisatorische, ökologische und sozioökonomische Fragen. "Die rechtliche Umsetzung ist mittlerweile zum Großteil erfolgt, im organisatorischen Bereich gibt es große Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten", "Die rechtliche Umlegung ist mittlerweile zum Großteil erfolgt, in der tatsächlichen Umsetzung und der Organisation gibt es enorme Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten“, sagt Denise Zak.

Der "Pandabär-Effekt": Sind manche Arten wichtiger als andere?

Im Bereich Ökologie wäre vor allem eine effizientere Dauerbeobachtung (Monitoring) der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten wünschenswert. "Manchmal beschränkt man sich hier auf einzelne, spezielle Arten, die besonders populär sind, auch wenn andere Spezies ökologisch genauso wichtig sind. Manchmal gibt es sogar ein angemessenes Monitoring, doch die Daten werden nicht entsprechend weitergeleitet und bleiben in der Schublade liegen", so Zak. Das Projekt BeNatur soll dazu beitragen, die Vernetzung zwischen den einzelnen Naturparks und auch die Informationsflüsse an politische Stellen zu verbessern.

Aus der Analyse der derzeitigen Situation lassen sich folgende Forderungen ableiten:

Der Storch wurde mittlerweile zu einem der Symboltiere des Artenschutzes. (Copyright: BeNatura)

• In jedem Natura 2000 Gebiet sollten eigene SchutzgebietsbetreuerInnen für das Management verantwortlich sein.

• Es müssen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten (Seminare, Kurse) für SchutzgebietsbetreuerInnen und Verwaltung angeboten werden, die spezifisch auf die Natura 2000 Fragestellungen eingehen.

• In jedem Staat sollte ein Natura 2000 Kompetenzzentrum eingerichtet werden, das den Nationalen und internationalen Wissensaustausch und Förderschienen koordinieren soll • Es sollten Standards für die einheitliche Entwicklung von Managementplänen und Qualitätsstandards für das Management ausgearbeitet werden.

• Es müssen Konzepte, Indikatoren und Mechanismen zur regelmäßigen Erfolgskontrolle des Managements ausgearbeitet und umgesetzt werden.

Insgesamt ist das Programm BeNatur nicht nur für jene da, die sich mit der Verwaltung und Regulierung von Natura 2000 Gebieten beschäftigen. Das langfristige Ziel ist, ganz allgemein das Bewusstsein für die Bedeutung von Naturschutz und Biodiversität zu fördern.

Be-Natura im Web:
http://www.be-natur.it/
Bilderdownload: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2012/naturschutzgebiete/

Rückfragehinweise:

Mag. Denise Zak
Department für Raumentwicklung,
Infrastruktur- und Umweltplanung
Fachbereich für Finanzwissenschaft
und Infrastrukturpolitik
Technische Universität Wien
Resselgasse 5, 1040 Wien
T: +43-1-58801-280316 bzw. 0650/4312347
denise.zak@tuwien.ac.at

Prof. Michael Getzner
Department für Raumentwicklung,
Infrastruktur- und Umweltplanung
Technische Universität Wien
Fachbereich für Finanzwissenschaft
und Infrastrukturpolitik
Resselgasse 5, 1040 Wien
T: +43-1-58801-280320
michael.getzner@tuwien.ac.at

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht BAM-Forschungsprojekt will Mikroplastik im Wasser genauer nachweisen
21.06.2018 | Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

nachricht Ausdehnung von Ackerflächen reduziert CO2-Aufnahme
20.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics