Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mondfische in der Ostsee: Anzeiger für einströmendes Nordseewasser

11.12.2015

Thünen-Institut bittet Fischer und Angler um Meldung exotischer Fische in der Ostsee

Ein neuer Salzwasser-Einstrom hat wieder Mondfische aus dem Kattegat in die westliche Ostsee gespült. Das Auftreten der Exoten fällt damit zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres mit einem massiven Einstrom großer Mengen salz- und sauerstoffhaltigen Wassers ins größte Brackwassermeer der Welt zusammen.


Junger Mondfisch aus der Mecklenburger Bucht, dem Thünen-Institut für Ostseefischerei von einem Fischer zur Verfügung gestellt für wissenschaftliche Untersuchungen und Entnahme von Genproben

(© Annemarie Schütz, Thünen-Institut)


Erwachsener Mondfisch an der Wasseroberfläche im tropischen Atlantik

(© Kristina Barz, Thünen-Institut)

Junge Mondfische sind am letzten Wochenende gleich zweimal gesichtet worden. Am Freitag hatte der Fischer Frank Warnke mit dem Kutter SO1 „CHRISTIANE“ ein totes Exemplar in seinem Schleppnetzfang aus der Mecklenburger Bucht. Am Samstag wurde ein Exemplar am Rostocker Strand gefunden. Die Fische sind rund 2 Wochen nach einem starken Salzwasser-Einstrom Mitte November verendet.

„Die Tiere wurden wahrscheinlich mit dem Einstromwasser im November aus dem südlichen Kattegat durch den Großen Belt in die Mecklenburger Bucht gespült“, vermutet Dr. Uwe Krumme, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. „Hier können die Tiere kurze Zeit überleben, aber dann setzen ihnen Nahrungsmangel, verringerter Salzgehalt und die niedrigen Temperaturen zu“.

Der Mondfisch, lateinisch Mola mola, wird auch Klumpfisch genannt und wirkt mit dem hochrückigen und seitlich zusammengedrückten Körper wie ein schwimmender Kopf. Mondfische treiben mit den Strömungen unterhalb der Wasseroberfläche, tauchen aber auch regelmäßig mehrere Hundert Meter in die Tiefe. Mit ihrem schildkrötenartigen Schnabel fressen sie hauptsächlich Flügelschnecken oder Quallen, aber auch Tintenfische und kleinere Fische.

Ein Weibchen legt bis zu 300 Millionen Eier. Der Mondfisch ist eigentlich eine Hochseeart, die in allen tropischen und subtropischen Meeren unserer Erde anzutreffen ist. Die Tiere gelangen mit dem Golfstrom auch bis in die Nordsee.

Die Ostsee hängt am Tropf der Nordsee. Durch die Flachwassergebiete des dänischen Insel-Archipels gelangt frisches Salzwasser nur bei seltenen Wetterlagen in die abgeschottete Ostsee. Nur wenn auf eine starke Ostwindphase (Ausstrom) unmittelbar starke Westwindphasen folgen, kann salz- und sauerstoffreiches Frischwasser einströmen.

Diese Einstromereignisse belüften die tiefen Becken der Ostsee und versorgen die Bodenlebewesen dort mit dem lebenswichtigen Sauerstoff. Nach Jahren der Stagnation ereignete sich im Dezember 2014 der größte Salzwassereinstrom seit 60 Jahren. Bereits kurz nach Weihnachten 2014 gingen Mondfische Fischern in die Netze und wurden an Stränden gefunden.

Der diesjährige November-Einstrom ist laut ersten Abschätzungen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung (IOW) ungefähr halb so stark wie der letztjährige und wird den Zustand der Ostsee weiter verbessern – und wieder treten Mondfische gehäuft auf.

Da Mondfische nur träge Schwimmer sind, steht ihr Auftreten in der Ostsee mit dem Transport größerer Wassermassen in Verbindung. Mondfische sind ansonsten im vergangenen Jahr und auch in den Jahren davor nicht vermehrt aufgetreten, sie könnten daher als wichtige Indikatorart für Salzwassereinströme gelten.

Mit knapp 10 kg Gesamtgewicht und 60 cm Durchmesser handelt sich bei den Mondfischen aus diesem Dezember um Jungtiere, denn ein erwachsener Mondfisch kann mehr als 1000 kg auf die Waage bringen und einen Durchmesser von 3 m erreichen. Mondfische sind damit die größten Knochenfische der Welt.

Die Fische besitzen ein stark verknorpeltes Skelett als gewichtssparende Anpassung an ein Leben im ozeanischen Freiwasser. Fischereilich sind sie nicht von Bedeutung. Der Einstrom trieb anderen Fischern deutlich schmackhaftere Exoten ins Netz. Dokumentiert ist bisher in der Kieler Förde ein Thunfischartiger, ein polnischer Fischer vor Swinemünde fing einen Schwertfisch.

Das Thünen-Institut für Ostseefischerei ruft Fischer, Angler und Strandbesucher zur Mitarbeit bei dem Nachweis weiterer seltener Fischarten der Ostsee auf. Falls Sie einen Exoten fangen oder finden, wenden Sie sich bitte an das Thünen-Institut für Ostseefischerei, of@ti.bund.de, Telefon 0381 8116-102. Benötigt werden folgende Informationen: Fangort, Fangdatum und Fanggerät sowie am besten der ganze Fisch zur eindeutigen Artbestimmung. „Lagern Sie das Tier nach Möglichkeit kühl“, rät Uwe Krumme. „Unsere Mitarbeiter können die Exemplare nach Rücksprache abholen.“ Fotos sollten eine Größenreferenz enthalten sowie den Fisch von möglichst vielen verschiedenen Perspektiven zeigen.

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wer über den Klimawandel redet, muss auch über Mikroben reden
19.06.2019 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

nachricht Einsparung von Treibhausgasemissionen bei Wurstverpackungen
19.06.2019 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics