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Die Krux mit dem Kraxeln. Klettern beeinflusst die Vegetation: Negative Folgen für seltene Pflanzen

13.05.2011
Kletterer gelten als naturverbunden. In direktem Kontakt mit der Natur, mit ihrem Körper häufig an den eigenen Leistungsgrenzen und ständig auf der Suche nach einem wunderschönen Bergpanorama: so werden sie gemeinhin als Prototyp für den umweltbewussten Menschen angesehen.

Ganz unproblematisch ist die Ausübung ihrer Sportart jedoch nicht, wie jetzt Forscher der Universität Regensburg nachgewiesen haben. Die Biologen um PD Dr. Christoph Reisch und Frank Vogler vom Lehrstuhl für Botanik der Universität Regensburg konnten zeigen, dass das Klettern auch negative Folgen für die Verbreitung und die genetische Struktur von seltenen Pflanzen in Bergregionen haben kann.


Das seltene „Gelbe Hungerblümchen“ (Draba aozides)
Foto: Universität Regensburg

Weltweit nimmt die Begeisterung für das Klettern beständig zu. Dadurch steigt aber auch der Druck auf die Vegetation gerade in solchen Gebieten, die sich bei Kletterern großer Beliebtheit erfreuen. Dies gilt ebenfalls für den nördlichen Franken-Jura und die Schwäbische Alb, die beide zu den bedeutendsten Kletter-Regionen Deutschlands zählen. Beide Gebirge gehören zu den Hauptverbreitungsgebieten des seltenen gelben Hungerblümchens (Draba aozides), das auch als „Immergrünes Felsenblümchen“ bekannt ist und auf Kalksteinfelsen wächst. Um herauszufinden, ob das Klettern einen Einfluss auf die Verbreitung und die genetische Struktur der seltenen Pflanze hat, verglichen die Regensburger Biologen Reisch und Vogler die Pflanzenpopulationen auf insgesamt 16 Felsen, von denen acht beklettert werden, während die anderen acht bislang davon unberührt geblieben sind.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Pflanzenpopulationen auf den beiden Felstypen deutlich voneinander unterscheiden. So sind die Pflanzen auf den Kletterfelsen kleiner und weniger zahlreich als ihre Artgenossen auf den nicht bekletterten Felsen. Darüber hinaus konnten die Regensburger Forscher auch Auswirkungen des Kletterns auf die genetische Struktur der Populationen feststellen, denn die genetischen Unterschiede zwischen der oberen und der unteren Hälfte der Populationen waren auf den bekletterten Felsen signifikant niedriger. „Eine Veränderung, die auf die Ausbreitung von Samen und Pflanzenteilen durch Klettern zurückzuführen ist“, meint Reisch.

„Die mechanischen Belastungen durch das Klettern führen zu Veränderungen der Populationsstruktur “, erklärt Reisch. Zwar fördern Bergsteiger durch ihre Auf- und Abstiege die Verteilung der Pflanzensamen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die von den Forschern beobachteten genetischen Veränderungen langfristig die Fähigkeit der Pflanzen, in ihrer ursprünglichen Umgebung zu überleben, beeinträchtigen könnten.

Aufgrund ihrer relativen Unzugänglichkeit gehören die Felsmassive vor allem der Mittelgebirge zu den wenigen Ökosystemen, die in den letzten Jahrhunderten nur bedingt durch den Menschen in ihrer Entwicklung gestört wurden. Sie beheimaten zumeist eine große Bandbreite seltener und gefährdeter Pflanzenarten. „In Gebieten, die bei Kletterern besonders beliebt sind, ist es deshalb dringend erforderlich, unberührte Felsen zu erhalten, auf denen sich die einzelnen Pflanzenarten ohne äußere Einflüsse entwickeln können“, meint Reisch.

Die Ergebnisse der Regensburger Forscher sind vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Applied Ecology“ erschienen (DOI: 10.1111/j.1365-2664.2011.01992.x).

Ansprechpartner für Medienvertreter:
PD. Dr. Christoph Reisch
Universität Regensburg
Lehrstuhl für Botanik
Tel.: 0941 943-3131
Christoph.Reisch@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

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