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Immer weniger Platz für Afrikas Menschenaffen

26.09.2012
Eine erste den gesamten afrikanischen Kontinent übergreifende Studie belegt, dass die Lebensräume dieser Tiere in den letzten Jahren dramatisch geschrumpft sind.

In den vergangenen 30 Jahren nahm die Anzahl der in Afrika lebenden Menschenaffen stetig ab. Gründe dafür sind die kommerzielle Jagd auf die Tiere, die Zerstörung ihrer Lebensräume und Krankheiten.


Die zunehmende Zerstörung ihrer Habitate, die Buschwildjagd und der illegale Handel mit Menschenaffen als Haustiere bedrohen das Überleben der afrikanischen Menschenaffen.
© Von oben nach unten: Hjalmar Kühl/ WCF/ Jessica Junker

Die jetzt von der Kommission für Artenerhalt der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) erstellte A.P.E.S. Datenbank (http://apes.eva.mpg.de), an der auch ein Forscherteam am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie mitgewirkt hat, vereint die Erhebungen von über 60 Standorten und vermittelt einen Überblick über die Habitate der Menschenaffen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent.

Diese Informationen werden einen entscheidenden Beitrag zur Ausrichtung weltweiter politischer Entscheidungen und der Verteilung von Spendengeldern leisten. Darüber hinaus können aktuelle und zukünftige Bedrohungen vorhergesagt und abgemildert werden. Zu diesen Bedrohungen gehören neben der Lebensraumzerstörung auch große Infrastrukturvorhaben, Ressourcenverwertungsprojekte, der steigende Jagddruck und die Folgen des Klimawandels.

Die Studie wurde von 47 Wissenschaftlern und Naturschützern durchgeführt, die gemeinsam über 15.000 Aufenthaltsorte von Schimpansen, Gorillas und Bonobos in einer Datenbank zusammengetragen haben. Anhand der Ergebnisse schätzten sie die Verteilung geeigneter Lebensraumbedingungen für Menschenaffen über den gesamten afrikanischen Kontinent in den letzten 20 Jahren und fanden heraus: Insgesamt gingen den Menschenaffen mehr als 200.000 Quadratkilometer Lebensraum verloren, eine Fläche von etwa vier Fußballfeldern pro Tag verteilt über die letzten 20 Jahre.

Es gibt jedoch teils drastische Unterschiede zwischen den Arten. Während mehr als 50 Prozent der Lebensräume von Östlichen Gorillas im Laufe der Zeit unbrauchbar geworden sind, ist das nur bei etwa 10 Prozent der Schimpansenhabitate der Fall. Gründe dafür sind den Autoren zufolge unterschiedliche ökologische Bedingungen, wie z. B. Nahrungspräferenzen oder eine stärkere Bedrohung durch Wilderer aufgrund der Verhaltensweisen und Sozialstrukturen verschiedener Menschenaffenarten.

Die Regionen mit dem größten Verlust an geeigneten Menschenaffenhabitaten sind die Regenwaldgebiete des Kongobeckens und der Westafrikanische Küstenwald in Liberia. Wichtig zu wissen ist aber, dass in anderen Gebieten, die keinen so starken Rückgang vermelden, ein großer Teil der Lebensräume bereits vor den 1990er- Jahren zerstört wurde, wie etwa in Ost- und Westafrika. Noch besorgniserregender ist die Erkenntnis, dass der Verlust geeigneter Habitate in den zentralafrikanischen Waldgebieten, die man heute als die verbleibende Hochburg der Menschenaffen betrachtet, besonders schwerwiegend gewesen zu sein scheint. Sogar diese riesigen und einst abgelegenen Waldgebiete sind nun von Holz- und Bergwerksstraßen durchzogen und wurden in Folge von Menschen besiedelt.

“Diese Studie zeigt, dass die Bedrohungen für afrikanische Menschenaffen mit der Zeit in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet zunehmen. Sie verdeutlicht die dringende Notwendigkeit zur Verstärkung der Erhaltungsmaßnahmen, die auch Strafverfolgungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen beinhalten sollten. Ein zunehmendes und nachhaltiges Engagement aller lokalen und internationalen Interessenträger an den Erhaltungsbemühungen sind für das Überleben der Menschenaffen unerlässlich”, sagt Inaoyom Imong von der Wildlife Conservation Society in Nigeria und Doktorand in der Abteilung Primatologie am Max-Planck- Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig.
“Dies ist die erste Studie, die die Verteilung der Menschenaffenhabitate und deren Veränderungen im Laufe der Zeit für den gesamten afrikanischen Kontinent untersucht”, sagt Jessica Junker, ebenfalls Doktorandin am MPI-EVA und Erstautorin der Studie. “Es ist auch die erste Studie, die Daten aus den 22 Heimatländern der Menschenaffen zusammenfasst, um eine Brücke zwischen lokalen Bemühungen und globalen Verteilungsmustern der Menschenaffen zu schlagen. Wir hoffen, dass unser Modell zusammen mit einer Reihe anderer georeferenzierter Daten zu menschlichen Aktivitäten, Landnutzung, Topografie und Artenschutz Fördereinrichtungen, Industrie und Politikern bei der Entscheidungsfindung helfen wird, wenn es darum geht, prioritäre Schutzgebiete einzurichten, Forschungslücken zu schließen sowie potentielle Wildtierkorridore und zukünftige Beobachtungsflächen zu planen.“

“Noch einmal weist eine Standort übergreifende Analyse auf die zunehmend ernste Lage der afrikanischen Menschenaffen hin”, sagt Fiona Maisels von der Wildlife Conservation Society. “Die Bedrohungen, denen diese Arten ausgesetzt sind, nehmen rasant zu: Die Buschfleischjagd nimmt weiterhin zu, ebenso die Umwandlung der Habitate von Wald in Palmölplantagen und andere Monokulturen. Sofortige Aufmerksamkeit ist erforderlich um sicherzustellen, dass die nationale und regionale Landnutzungsplanung von Anfang an auch Tier- und Artenschutzmaßnahmen beinhaltet. Auch die Strafverfolgung ist wesentlich um die großen Menschenaffen und ihre Lebensräume für die Zukunft zu schützen und zu erhalten.“

Alle Daten sind über das A.P.E.S.-Portal verfügbar, einer Initiative der Sektion Menschenaffen (SGA) innerhalb der Primate Specialist Group und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, des World Conservation Monitoring Centre innerhalb des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP WCMC, Cambridge, Großbritannien), der Arcus Foundation und des Jane Goodall Instituts sowie zahlreicher Tierschützer, Spender, Wissenschaftler und Experten.

Die Studie wurde von der Arcus Foundation und der Max-Planck-Gesellschaft finanziell unterstützt; die Regierungen und nationalen Behörden der afrikanischen Heimatländer der Menschenaffen stimmten der Datenerfassung zu.

Ansprechpartner

Jessica Junker
Abteilung für Primatologie
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-805
Email: jessica_junker@­eva.mpg.de
Sandra Jacob
Pressebeauftragte
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-122
Email: jacob@­eva.mpg.de

Originalveröffentlichung
Jessica Junker, Stephen Blake, Christophe Boesch, Geneviève Campbell, Louwrens du Toit, Chris Duvall, Atanga Ekobo, Gilles Etoga, Anh Galat-Luong, Joel Gamys, Jessica Ganas-Swaray, Sylvain Gatti, Andrea Ghiurghi, Nicolas Granier, John Hart, Josephine Head, Ilka Herbinger, Thurston Cleveland Hicks, Bas Huijbregts, Inaoyom S. Imong, Noëlle Kuempel, Sally Lahm, Jeremy Lindsell, Fiona Maisels, Matthew McLennan, Laura Martinez, Bethan Morgan, David Morgan, Felix Mulindahabi, Roger Mundry, Kouamé Paul N'Goran, Emmanuelle Normand, Anne Ntongho, David Tiku Okon, Charles-Albert Petre, Andrew Plumptre, Hugo Rainey, Sébastien Regnaut, Crickette Sanz, Emma Stokes, Adama Tondossama, Sandra Tranquilli, Jacqueline Sunderland-Groves, Peter Walsh, Ymke Warren, Elizabeth A. Williamson, Hjalmar S. Kuehl
Recent decline in suitable environmental conditions for African great apes
Diversity and Distributions. Online-Veröffentlichung am 23. September 2012, DOI: 10.1111/ddi.12005

Jessica Junker | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/6362115/Menschenaffen_Datenbank

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