Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heringe im Wasser zweimal wertvoller als im Netz

03.04.2012
Meer droht Zusammenbruch durch Überfischung kleiner Fische

Die Welt fischt viel zu viele kleine Fische wie Heringe, Sardellen oder Makrelen, die anderen Fischen als Beute und Aquakulturen als Futtermittel dienen. Zu diesem Schluss kommt eine Gruppe internationaler Meeresforscher im Bericht "Little Fish, Big Impact".

Lässt man diese Fische im Meer, sind sie elf Mrd. Dollar wert, holt man sie heraus, jedoch nur noch die Hälfte, so die Schätzungen der Experten. "Manchmal sind Fische im Wasser wertvoller als wenn man sie fischt", sagt Ellen K. Pikitch, die Sprecherin der Forschergruppe.

Kollaps droht

"Futterfische fressen das kleine Zooplankton, das wiederum das pflanzliche Plankton der Meere frisst. Somit sind sie ein wichtiges Glied zum Transport von Sonnenlicht in Energie auf höherer Stufe, da sie selbst Futter für große Fische, jedoch auch Vögel und Meeressäuger wie Wale, Robben, Seehunde und Seelöwen sind", erklärt Rainer Froese vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel http://geomar.de im pressetext-Interview. Fällt dieser Übergang aus, betrifft dies die gesamte Energieumwandlung. "Wer große Fische will, darf kleine nicht wegfischen", betont Froese.

Vom Besonderen Schutz dieser Öko-Dienstleister ist die Welt jedoch weiter entfernt denn je: Die Fangzahlen boomen weltweit, von einem Anteil von acht Prozent vor 50 Jahren auf derzeit 37 Prozent, zeigen die aktuellen Zahlen. Wie der Bericht ausführt, gibt es bereits eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die Überfischung von Futterfischen zum Zusammenbruch ganzer Populationen größerer Fische und anderer Räuber geführt hat. "Derartige Fälle werden zunehmen, wenn die Fänge von Futterfisch nicht eingeschränkt werden", warnt Pikitch.

Gammelfischerei und Fischvernichtung

Futterfische werden meist zu Pellets verarbeitet, die man früher vorrangig in der Hühner- oder Schweinemast einsetzte. Heute kommt man davon immer mehr ab. "Kritiker bezeichnen die Industriefischerei als 'Gammelfischerei', weil dabei ein hochwertiges Protein in ein niederwertiges umgewandelt wird", erklärt Froese. Zu hinterfragen sei jedoch auch der heutige Boom der Verfütterung von Futterfischen in Aquakulturen, in der vor allem Lachse gezüchtet werden. "Diese Fischproduktion verbraucht fünfmal mehr Futterfische als sie erzeugt."

Der eindringliche Appell des Forscherteams: Die Fänge von Futterfischen müssen dringend zurückgeschraubt werden und besseres Fischereimanagement ist nötig. In manchen Fischereizonen sei sogar die Halbierung des Fangs erforderlich, um Populationen sowohl der Fische als auch ihrer natürlichen Fressfeinde aufrecht zu erhalten. "Überfischung heißt, dass man langfristig durch Reduktion der Fänge mengenmäßig mehr fangen könnte. Alternativ werden die Fischbestände immer kleiner, während der Aufwand für den Fang wächst", ergänzt der Kieler Experte.

PDF-Download des Berichts unter: http://bit.ly/HIWKlp

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mikroplastik – überall und in großen Mengen
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Forscher-Team entwickelt recyclebare Kunststoffe
03.07.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mister Raney bekommt Konkurrenz - Ein neuer Katalysator auf Nickel-Basis nutzt Nano-Strukturen

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

16.07.2018 | Physik Astronomie

Rostocker Forscher testen neue Generation von Offshore-Windenergie-Anlagen

16.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics