Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gegen Straßenschmutz im Regenwasser

21.09.2018

Autos verschmutzen nicht nur die Luft, sondern auch die Straßen, auf denen sie fahren. Abrieb von Reifen und Bremsen oder Verlust von Öl – wenn es regnet, gelangen Schadstoffe von den Straßen ins Abwasser. Wie dieses bestmöglich gereinigt werden kann, erforschen Wissenschaftler der Hochschule OWL im Rahmen eines vom NRW-Umweltministerium geförderten Projektes. Die Untersuchungen finden an der Bundesstraße 64 in Höxter statt.

Wenn Regen auf versiegelte Flächen fällt, wäscht er von diesen Verunreinigungen ab, bevor er im Abflusssystem verschwindet. Auf Straßen handelt es sich bei den Verunreinigungen nicht nur um Laub oder Staub, sondern auch um Partikel, die nicht natürlichen Ursprungs sind: Abrieb von Bremsen oder von Reifen, Öl oder metallische Teilchen, die beispielsweise von rostenden Leitplanken stammen.


Filtration der Wasserproben im Labor: Maximilian Wagner studiert Umweltingenieurwesen und schreibt im Rahmen des Forschungsprojektes seine Bachelorarbeit.

Foto: Hochschule OWL/Katharina Thehos

All diese Partikel gelangen mit dem Regenwasser in den Straßenablauf. Dort wird versucht, sie mit Filtern oder durch Einrichtungen, in denen sie sich absetzen, aus dem Wasser zu eliminieren – bisher sind die Ergebnisse jedoch nicht zufriedenstellend:

„Wir haben in einem inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojekt Abscheider untersucht, mit denen das Wasser behandelt wird. Dazu haben wir Messungen in Straßenabläufen durchgeführt und mit Labordaten verglichen. Dabei fällt auf, dass die Abscheider im Einsatz an der Straße nicht so gut arbeiten wie sich aus dem Verhalten im Labor erwarten ließ“, sagt Professor Joachim Fettig vom Fachgebiet Wassertechnologie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Er und sein Team bearbeiten jetzt ein Folgeprojekt mit dem Titel „Erfassung und weitergehende Charakterisierung der Fraktion AFS-fein im Zu- und Ablauf von dezentralen Anlagen zur Behandlung des Niederschlagswassers von Verkehrsflächen“.

Dabei geht es darum, die Eigenschaften der Schmutz-Partikel genauer zu verstehen, um diese besser als bisher aus dem Wasser abscheiden zu können. Das Projekt wird seit Mai 2018 für zwei Jahre mit 160.000 Euro vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Die Wissenschaftler arbeiten an einem Versuchsstand an der Bundesstraße 64 im Stadtgebiet Höxter. Dort entnehmen sie bei Regen automatisiert Proben aus dem abfließenden Wasser. „Die vorhandenen Partikel analysieren wir anschließend mit unterschiedlichen Messmethoden, beispielsweise hinsichtlich ihrer Größe und Dichte“, so Fettig, der auch Sprecher des Forschungsschwerpunktes „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz“ der Hochschule OWL ist. Die betrachteten Partikel, die im Projektnamen als „Fraktion AFS-fein“ benannt sind, sind abfilterbare Stoffe (AFS), die kleiner als 63 Tausendstel eines Millimeter sind.

Die Forscher sammeln über einen Zeitraum von zwei Jahren Daten bei mehreren Dutzend Regengüssen. Neben Metallen und organischen Verunreinigungen steht dabei auch das Thema Mikroplastik im Fokus. „Mikroplastik wird aktuell stark diskutiert, allerdings vor allem im Bereich der Kläranlagen. Der Nachweis im Straßenwasser ist nicht nur für uns neu, sondern allgemein Pionierarbeit“, sagt Fettig.

Die Wissenschaftler der Hochschule OWL kooperieren in diesem Gebiet mit der Hochschule Rhein-Main, in deren Labors die Mikroplastik-Analysen stattfinden. Das Projekt in Höxter zeichnet sich zudem durch zwei weitere Besonderheiten aus: Zum einen verfolgt es den zeitlichen Verlauf des Regens und geht damit der Frage nach, ob bzw. inwieweit das am Anfang eines Regengusses fallende Wasser am stärksten verschmutzt wird.

Zum anderen bringen die Wissenschaftler die Wasserverunreinigungen mit Verkehrsdaten in Verbindung. Hierzu haben sie ein Messsystem installiert, das erfasst, wie viele Fahrzeuge – getrennt nach PKW, LKW und Bussen – den Versuchsstand passieren.

Forschungsschwerpunkt „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz“

Der Forschungsschwerpunkt „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz“ der Hochschule OWL befasst sich mit der Gewässerreinhaltung und Gewässergütebestimmung, der Wassermengenwirtschaft, der Gewässer- und Auenökologie sowie der Gewässerentwicklung. Zusätzlich berücksichtigen die Forscherinnen und Forscher wasserwirtschaftliche Aspekte der Geotechnik, Abfallwirtschaft und Deponietechnik. Dabei kommen Methoden der Modelltechnik und der modernen Datenverarbeitung zur Anwendung. Ein Schwerpunkt liegt auf der interdisziplinären Forschung. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Fachgebieten der beiden Höxteraner Fachbereiche Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik sowie Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. www.hs-owl.de/fb8/forschung

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Kontakt: Professor Dr. Joachim Fettig, Telefon 05271 687-7851, E-Mail joachim.fettig@hs-owl.de

Katharina Thehos | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ohne Kunststoff zur Mikroplastik-Jagd: „Rocket“ verbessert Erfassung besonders kleiner Partikel
22.10.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Artenvielfalt kann Ökosysteme auch destabilisieren
18.10.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: memory-steel – ein neues Material zur Verstärkung von Bauwerken

Ein neues, an der Empa entwickeltes Baumaterial steht kurz vor der Markteinführung: Mit «memory-steel» lassen sich nicht nur neue, sondern auch bestehende Betonstrukturen verstärken. Erhitzt man das Material (einmalig), spannt es sich wie von selber vor. Das Empa-Spin-off re-fer AG präsentiert das Material mit Formgedächtnis nun in einer Vortragsreihe.

Bislang wurden die Stahl-Armierungen in Betonbauwerken meist hydraulisch vorgespannt. Dazu sind Hüllrohre für die Führung der Spannkabel, Anker zur...

Im Focus: memory-steel - a new material for the strengthening of buildings

A new building material developed at Empa is about to be launched on the market: "memory-steel" can not only be used to reinforce new, but also existing concrete structures. When the material is heated (one-time), prestressing occurs automatically. The Empa spin-off re-fer AG is now presenting the material with shape memory in a series of lectures.

So far, the steel reinforcements in concrete structures are mostly prestressed hydraulically. This re-quires ducts for guiding the tension cables, anchors for...

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer FIT auf der MEDICA & COMPAMED: Von Elektrobenetzung bis Telemedizin

23.10.2018 | Messenachrichten

memory-steel – ein neues Material zur Verstärkung von Bauwerken

23.10.2018 | Architektur Bauwesen

Quantenkommunikation auf Glasfaserbasis - Interferenz mit Lichtquanten unabhängiger Quellen

23.10.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics