Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Filter eliminieren gefährliche Feinstaubpartikel bei direkteinspritzenden Benzinern nahezu vollständig

10.10.2012
Aktuelle Messungen belegen: Partikelfilter für Benziner mit Direkteinspritzung reduzieren die Anzahl ultrafeiner Partikel nahezu vollständig - Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der ökologische Verkehrsclub VCD fordern schnelle Markteinführung der gesundheitsschützenden und kostengünstigen Technik - Die gesundheitsgefährdenden Partikelemissionen müssen nicht nur auf dem Rollenprüfstand, sondern auch im realen Fahrbetrieb vermieden werden

Moderne Benzinmotoren mit Direkteinspritzung sparen Sprit, doch ihr hoher Ausstoß an ultrafeinen Partikeln, ähnlich denen aus Diesel-Motoren, macht sie auch zu einer Gefahr für die menschliche Gesundheit. Darauf hatten die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) und der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) bereits 2011 nach eigenen Untersuchungen aufmerksam gemacht. Heute, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin, erläuterten die beiden Verbände anhand neuer Messergebnisse, wie sich die gefährlichen Teilchen durch den Einsatz einer bezahlbaren Filtertechnik für Benzinmotoren um über 99 Prozent reduzieren lassen.

"Die ultrafeinen Partikel aus Verbrennungsmotoren führen zu schweren Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems, weil sie noch tiefer in die Lunge eindringen und auch in den Blutkreislauf gelangen", erklärt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. "Unsere Messungen zeigen, dass eine nahezu vollständige Minderung des Partikelausstoßes durch einfache technische Maßnahmen möglich ist. Nicht akzeptabel sind erneute Versuche von verschiedenen Automobilherstellern, nur in bestimmten Testzyklen die Grenzwerte einzuhalten, diese im realen Fahrbetrieb aber um ein Vielfaches zu übertreffen."

Der TÜV Nord hatte im Auftrag von DUH und VCD die Emissionen eines BMW 116i in verschiedenen Messzyklen ermittelt: Weil der "Neue Europäische Fahrzyklus" (NEFZ), in dem heute alle zulassungsrelevanten Schadstoffe gemessen werden, als nicht hinreichend realitätsnah gilt, ermittelte der TÜV Nord die Daten zusätzlich im ADAC-Autobahntest und im Messzyklus "Worldwide harmonized Light vehicles" WLTP, der als neuer weltweiter Zyklus eingeführt werden soll. Zunächst wurden die Schadstoffemissionen im serienmäßigen Fahrzeug gemessen. Der Ausstoß lag in allen drei Tests unter dem Grenzwert Euro 6/I, der ab 2014 gilt, aber mindestens um das Dreifache oberhalb des Wertes, der ab 2017 eingehalten werden muss und der dem heutigen Stand von Diesel-Pkw entspricht.

Anschließend wurde das Fahrzeug mit einem Partikelfilter ausgestattet. In allen drei Messzyklen wurde der Grenzwert Euro 6/II, der ab 2017 verbindlich wird, deutlich unterschritten.

Aus Sicht des internationalen Verkehrsexperten Axel Friedrich sprechen die Testergebnisse für sich: "In allen Tests liegt der Partikelausstoß des Fahrzeuges mit Filter um über 99 Prozent niedriger als beim Fahrzeug ohne Filter. Die Tests zeigen auch, dass der Filter den Verbrauch und den CO2-Ausstoß nicht erhöht. Das beweist das Potenzial dieser Technik, die bei Großserienproduktion deutlich weniger als 50 Euro kostet. Partikelfilter haben den Vorteil, dass sie unter allen Verkehrsverhältnissen und Temperaturen wirken." In einer dritten Testreihe wurden die Emissionen des BMW gemessen, nachdem er - ausgestattet mit dem Filter - 8.000 km auf der Straße unterwegs war. Bei zwei der drei Testzyklen sank die Zahl der Partikel noch einmal deutlich.

Der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen: "Der Filter ist die kostengünstigste und effektivste Technik, Partikel in allen Betriebszuständen beinahe vollständig zu reduzieren. Beim Diesel wurden die Filter nach einem langen Abwehrkampf mit der Autoindustrie inzwischen zum Standard. Wir befürworten die Technik der Direkteinspritzung aus Gründen des Umweltschutzes, denn sie senkt den Kraftstoffausstoß und damit die Emission des Treibhausgases CO2 deutlich." Lottsiepen forderte die Automobilindustrie auf, das Problem der ultrafeinen Partikel schnell zu lösen, statt für einen Gewinn von wenigen Euro die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu gefährden. "Die EU-Kommission ist aufgerufen, Zulassungstests für Pkw so zu definieren, dass die Emissionen in allen realistischen Betriebs- und Verkehrssituationen gemessen werden", so der VCD-Experte weiter.

In einer weiteren Untersuchung des TÜV Nord wurde ein B-Klasse Pkw mit Direkteinspritzung von Mercedes (B 180) untersucht. Der Stuttgarter Hersteller hatte zuvor angekündigt, die ab 2017 geltenden Grenzwerte mit Hilfe von "innermotorischen Maßnahmen" ohne Filter einhalten zu können. Tatsächlich werden die Werte in verschiedenen Testzyklen eingehalten. Bei einem durchgeführten Test mit der Außentemperatur von minus sieben Grad Celsius, wie sie in den Wintermonaten häufig ist, wird der Grenzwert um ein Vielfaches überschritten. Diese hohen Partikelemissionen sind deshalb besonders problematisch, weil es in der kalten Jahreszeit z. B. durch Inversionswetterlagen zu besonders hohen Ansammlungen von Partikeln in der Umgebungsluft der Innenstädte kommt, was die Gesundheitsgefahren noch einmal erhöht.

Die EU hatte im letzten Jahr einen Grenzwert für die Partikelanzahl festgelegt. Dieser Wert beträgt 6 x 1011 Partikel pro Kilometer und entspricht damit den Anforderungen, die bereits seit einem Jahr für Diesel-Pkw gelten. Der Wert für Benziner mit Direkteinspritzung muss jedoch erst ab 2017 unterschritten werden.

Zwischen 2014 und 2017 dürfen Benziner zehnmal mehr Partikel emittieren als Dieselfahrzeuge. "Das von der Autolobby durchgesetzte Verschmutzungsprivileg für Benzin-Direkteinspritzer-Pkw ist ein Skandal. Wir fordern die Automobilhersteller auf, keine Modelle zu konstruieren und auf den Markt zu bringen, welche die geltenden Abgasstandards für Dieselmotoren nicht in allen Betriebszuständen einhalten. Eine mangelhafte gesetzliche Regelung befreit die Autoindustrie nicht von ihrer Verantwortung, vorhandene Technik zum Schutz der Gesundheit einzusetzen", so Jürgen Resch abschließend. Die Messergebnisse aus dem Jahr 2012 sowie die Ergebnisse der Untersuchung aus dem Vorjahr finden Sie unter http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=2942

Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel. 030 2400867-0, Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de
Gerd Lottsiepen, Verkehrspolitischer Sprecher Verkehrsclub Deutschland VCD e.V., Rudi-Dutschke-Straße 9, 10969 Berlin, Tel. Tel.

030 280351-11, E-Mail: gerd.lottsiepen@vcd.org

Dr. Axel Friedrich, Internationaler Verkehrsberater, Mobil: 0152 294 83857, E-Mail: axel.friedrich.berlin@gmail.com

Anja Smetanin, Pressesprecherin Verkehrsclub Deutschland VCD e.V., Rudi-Dutschke-Straße 9, 10969 Berlin, Tel. 030 280351-12, E-Mail:

anja.smetanin@vcd.org

Daniel Eckold, Pressesprecher Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel. 030 2400867-22, Mobil: 0151 55017009,

E-Mail: eckold@duh.de

Daniel Eckold | DUH
Weitere Informationen:
http://www.duh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Schiffsemissionen reduzieren – aber wie?
14.05.2020 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wenn jedes Teilchen zählt: IOW entwickelt umfassende Verfahrensleitlinie zur Mikroplastik-Extraktion aus Umweltproben
08.05.2020 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird

Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden, hat 2019 zusammen mit seinem Team topologische 2D-Polymere vorhergesagt. Nur ein Jahr später konnten diese Materialien von einem italienischen Forscherteam synthetisiert und deren topologische Eigenschaften experimentell nachgewiesen werden. Für die renommierte Fachzeitschrift Nature Materials war das Anlass, Thomas Heine zu einem News and Views Artikel einzuladen, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Unter dem Titel "Making 2D Topological Polymers a reality" beschreibt Prof. Heine, wie aus seiner Theorie Praxis wurde.

Ultradünne Materialien sind als Bausteine für nanoelektronische Bauelemente der nächsten Generation äußerst interessant, da es viel einfacher ist, Schaltungen...

Im Focus: When predictions of theoretical chemists become reality

Thomas Heine, Professor of Theoretical Chemistry at TU Dresden, together with his team, first predicted a topological 2D polymer in 2019. Only one year later, an international team led by Italian researchers was able to synthesize these materials and experimentally prove their topological properties. For the renowned journal Nature Materials, this was the occasion to invite Thomas Heine to a News and Views article, which was published this week. Under the title "Making 2D Topological Polymers a reality" Prof. Heine describes how his theory became a reality.

Ultrathin materials are extremely interesting as building blocks for next generation nano electronic devices, as it is much easier to make circuits and other...

Im Focus: Mikroroboter rollt tief ins Innere des Körpers

Mit einem Leukozyten als Vorbild haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart einen Mikroroboter entwickelt, der in Größe, Form und Bewegungsfähigkeit einem weißen Blutkörperchen gleicht. In einem Labor simulierten sie dann ein Blutgefäß – und es gelang ihnen, den Mikroroller durch diese dynamische und dichte Umgebung zu steuern. Der Roboter hielt dem simulierten Blutfluss stand und brachte damit das Forschungsgebiet rund um die zielgenaue Medikamentenabgabe einen Schritt weiter: Es gibt keinen besseren Zugangsweg zu allen Geweben und Organen im menschlichen Körper als den Blutkreislauf.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart haben einen winzigen Mikroroboter entwickelt, der einem weißen...

Im Focus: Rolling into the deep

Scientists took a leukocyte as the blueprint and developed a microrobot that has the size, shape and moving capabilities of a white blood cell. Simulating a blood vessel in a laboratory setting, they succeeded in magnetically navigating the ball-shaped microroller through this dynamic and dense environment. The drug-delivery vehicle withstood the simulated blood flow, pushing the developments in targeted drug delivery a step further: inside the body, there is no better access route to all tissues and organs than the circulatory system. A robot that could actually travel through this finely woven web would revolutionize the minimally-invasive treatment of illnesses.

A team of scientists from the Max Planck Institute for Intelligent Systems (MPI-IS) in Stuttgart invented a tiny microrobot that resembles a white blood cell...

Im Focus: Schnüffel-Roboter als Katastrophenhelfer

Wo Menschenleben gefährdet sind, kommen künftig neuartige Roboter zum Einsatz, die an der TU Dresden entwickelt werden

Wissenschaftler an der TU Dresden arbeiten seit Juni 2019 an künstlichen Helfern, die in einem Katastrophengebiet Gefahren erkennen, beseitigen und somit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

Erfolgreiche Premiere für das »Electrochemical Cell Concepts Colloquium«

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Techniker Krankenkasse, EuPD Research und Handelsblatt starten Bewerbung für die Sonderpreise "Gesunde Hochschule" im Rahmen des Corporate Health Award 2020

22.05.2020 | Förderungen Preise

Werkstattbericht #1: Head Mounted Displays (HMDs) – Schwerpunktpositionen und Drehmomente

22.05.2020 | Informationstechnologie

Biochemie-Absolvent der Universität Bayreuth hat Antigen für hochspezifischen Corona-Antikörpertest entwickelt

22.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics