Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energieholz hilft Artenvielfalt

26.09.2013
Abschlussveranstaltung des Forschungsprojektes „Biodiversität und Energieholz“ zeigt, wie die Nutzung Erneuerbarer Energien und der Schutz der Natur verknüpft werden können.

Den Erhalt der Artenvielfalt und den Klimaschutz miteinander zu verbinden – das war und ist die Idee des 6-jährigen Forschungsprojektes „Biodiversität und Energieholz“ der Naturstiftung David, welches gestern in Erfurt seinen Abschluss fand.

Rund 70 Fachleute aus Politik, Forschung und Verwaltung diskutierten im Thüringer Landtag die Projektergebnisse und die daraus abgeleiteten Vorschläge für die Umsetzung in die Praxis.

Um unter Naturschutz stehende Trockenrasen mit ihrem Artenreichtum langfristig zu erhalten, müssen diese entbuscht und anschließend beweidet werden. Zur Reduzierung der Kosten für die Pflege dieser Flächen ist es sinnvoll, das geerntete Strauchwerk als Hackschnitzel energetisch zu nutzen. Im Rahmen des Projektes wurden seit dem Jahr 2007 in Thüringen und Brandenburg insgesamt 37 Naturschutzflächen entbuscht und das geerntete Holz als Hackschnitzel verkauft. Dabei wurden unterschiedliche Ernte- und Hackverfahren getestet. Jeder einzelne Arbeitsschritt wurde umfassend ökonomisch bilanziert, um Einspar- und Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Die Qualität der Hackschnitzel wurde ebenso untersucht wie die Auswirkungen des Technikeinsatzes in den sensiblen Lebensräumen sowie die Treibhausgasbilanz. Ein weiteres Teilprojekt beschäftigte sich mit der Abschätzung der auf der freizustellenden Fläche stockenden Gehölzmenge – um damit vorab Holz- und Energieertrag kalkulieren zu können.

"Die Ergebnisse des Projektes sind insgesamt sehr positiv“, so Projektleiter Dr. Dierk Conrady bei der Abschlussveranstaltung. "Durch die Hackschnitzelnutzung ließen sich die Kosten für die Landschaftspflege reduzieren – im Durchschnitt um 25 Prozent." Es konnten keine negativen Auswirkungen des Technikeinsatzes festgestellt werden – allerdings besteht weiterer Optimierungsbedarf bei der Beräumung der Naturschutzflächen von holzigem und teilweise dornigem Restmaterial. Sehr positiv ist die Klimabilanz: Mit dem Landschaftspflegeholz einer etwa 4 Hektar großen durchschnittlich verbuschten Fläche können insgesamt gut 80.000 Liter Heizöl und damit rund 200 Tonnen CO2 eingespart werden – der zusätzliche CO2-Ausstoss für das Ernten, Hacken sowie den Transport zum Heizkraftwerk liegt im konkreten Fall hingegen nur bei 3,8 Tonnen CO2. Auch die Qualität der Hackschnitzel ist in der Regel sehr gut: "Trockenrasen sind oft nach Süden ausgerichtet – damit ist das Strauchwerk einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Bei längerer Lagerung ist der Wassergehalt des geernteten Holzes gering, was sich positiv auf den Energiegehalt auswirkt", so Dr. Conrady.

"Die Projektergebnisse müssen nun Eingang in die Praxis finden", fordert Adrian Johst, Geschäftsführer der Naturstiftung David. Konkret sollte überlegt werden, ob Fördermittel für die Entbuschung erst dann ausgereicht werden, wenn vorab eine energetische Verwendung geprüft worden sei. Adrian Johst verweist ferner darauf, dass das Thüringer Waldgesetz dem Erhalt der offenen Lebensräume noch oft entgegensteht: "Ist eine Fläche zu stark zugewachsen, wird sie als Wald deklariert. Um die Fläche freistellen zu können, ist ein sehr hoher bürokratischer Aufwand erforderlich. Wenn die im Projekt aufgezeigten Synergien zwischen Naturschutz und Klimaschutz tatsächlich genutzt werden sollen, ist hier eine Vereinfachung dringend erforderlich – so wie dies im Land Brandenburg bereits realisiert wird!“

Das Forschungsprojekt „Biodiversität und Energieholz“ (FKZ: 03KB020) wurde und wird im Rahmen der Klimaschutzinitiative der Bundesregierung mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung“ finanziert. Weitere Finanzierungspartner sind der Freistaat Thüringen (Förderprogramm Entwicklung Natur und Landschaft – ENL), das Land Brandenburg (Förderprogramm Integrierte Ländliche Entwicklung – ILE) und der NaturSchutzFonds Brandenburg. Träger des Projektes ist die Naturstiftung David. Die ökologischen Begleituntersuchungen erfolgten durch die Hochschule Anhalt (Vegetation) und die Fachhochschule Erfurt (Fauna). Die Entwicklung effektiver Verfahrensketten wurden durch das Forsttechnische Ingenieur- und Sachverständigenbüro Findeisen & Partner durchgeführt. Die Hackschnitzelqualität untersuchte die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), die Treibhausgasbilanzierung erfolgte durch das Deutsche Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH (DBFZ) in Leipzig.

Umfassende und weiterführende Informationen zu den Projektergebnissen sind zu finden unter www.naturstiftung.de/energieholz

Das Förderprogramm
Im Juni 2008 startete das im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative mit insgesamt 48 Millionen Euro unterstützte Förderprogramm zur Optimierung der energetischen Nutzung von Biomasse. Nach fünfjähriger Laufzeit werden 90 Projekte bzw. 225 Einzelprojekte mit rund 41.6 Millionen Euro gefördert. Im Fokus der Förderung stehen insbesondere Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur praxistauglichen Weiterentwicklung wettbewerbsfähiger Technologien, systemflexibler Anlagenkonzepte und Produkte für eine nachhaltige und effiziente Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse, hier vor allem aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Jährlich findet eine große Statuskonferenz der Fördernehmer statt, auf der die Forschungsergebnisse vorgestellt werden. Das DBFZ ist für die wissenschaftliche Begleitung des Förderprogramms zuständig. Mit der fachlichen und administrativen Koordination desselben hat das BMU den Projektträger Jülich (PtJ) beauftragt. Stichtag für die Einreichung neuer Projektskizzen beim PtJ ist der 22. November 2013.
Kontakt
DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH
Torgauer Straße 116, 04347 Leipzig
Programmbegleitung des BMU-Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“
Diana Pfeiffer – Projektkoordinatorin
Telefon: +49 (0) 341 2434-554
E-Mail: diana.pfeiffer@dbfz.de
Bianca Stur – Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 (0) 341 2434-439
E-Mail: bianca.stur@dbfz.de
Kontakt Naturstiftung David
Naturstiftung David
Trommsdorffstraße 5,
99084 Erfurt
Dr. Dierk Conrady
Telefon: 0171-4391923
E-Mail: dierk.conrady@naturstiftung-david.de
Adrian Johst
Telefon: 0179-5110449
E-Mail: adrian.johst@naturstiftung-david.de
Forschung für die Energie der Zukunft – DBFZ
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz zum bestehenden, vor allem aber auch zu einem zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

Weitere Informationen:

http://www.naturstiftung.de/energieholz
http://www.energetische-biomassenutzung.de
http://www.dbfz.de

Paul Trainer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Umweltressourcen nachhaltig nutzen
17.07.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Mikroplastik – überall und in großen Mengen
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Pflanzenmütter kommunizieren mit ihren Embryonen über das Hormon Auxin

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus wird zum Internetstar

17.07.2018 | Architektur Bauwesen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics