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Grünt es so grün? - Naturschutz in Frankfurt

16.04.2002


Ein Viertel der in Hessen noch vorhandenen Magerrasen wachsen am Berger Hang.


Mehr als zehn Prozent der in Hessen noch vorhandenen Sandmagerrasen befinden sich im NSG Schwanheimer Düne


  • Status quo und Perspektiven der Frankfurter Naturschutzgebiete
  • Erfolge und Defizite halten sich die Waage

Zustand und Bedeutung für den Naturschutz aus überregionaler Sicht sowie die Zukunftsperspektiven der Frankfurter Naturschutzgebiete sind sehr unterschiedlich. Dieses Resümee zog Prof. Rüdiger Wittig bei der Präsentation von Ergebnissen einer breit angelegten Analyse und zweier im vergangenen Winter abgehaltener Workshops. Aus regionaler oder besser gesagt großstädtischer Sicht habe jedoch bisher keines seine Berechtigung völlig verloren; einige der ’spektakulären’ Ergebnisse:

  • In Frankfurt gibt es noch mindestens sechs wildwachsende Orchideen-Arten, die Mehrzahl davon im NSG Berger Hang.
  • Ein Viertel der in Hessen noch vorhandenen gemähten, basenliebenden Magerrasen, die landesweit hochgradig gefährdet sind, wachsen in Frankfurt am Berger Hang.
  • Mehr als zehn Prozent der in Hessen noch vorhandenen hochgradig schutzwürdigen Sandmagerrasen befinden sich auf Frankfurter Gebiet im NSG Schwanheimer Düne.

Wittig erläuterte den Ausgangspunkt für die Untersuchungen. Eine Frankfurter Zeitung habe im vergangenen Jahr im Kontext der "urbanen Metropole Rhein Main" über mangelnde regionale Identität berichtet. Zwar sei das Rhein-Main-Gebiet sehr bekannt, die Identifikation der Bewohner oder Zuzugswilligkeit jedoch eher gering. Dies sei für sie als Initiatoren des Projekts die entscheidende Anregung gewesen, so Wittig, denn sie seien der Auffassung, dass das Wissen um die Besonderheiten einer Region, insbesondere Landschaft und Natur, genau diesem Mangel abhelfen könne und Identität, Verbundenheit, ja sogar Stolz auf diese Region erzeugen könne.

Das Wissen um den besonderen Wert der im Rhein-Main-Gebiet vorhandenen Natur nütze sowohl der Region durch Verbesserung des Images, aber auch der Natur durch größere Bereitschaft, sie zu schützen und zu pflegen. Dies habe jedoch eine Bestandaufnahme schützenswerter Natur erfordert. Da die Naturschutzgebiete das Rückgrat der Natur bildeten, seien sie im Hinblick auf überregionale und regionale Besonderheiten, aber auch im Hinblick auf Gefährdung des Fortbestandes dieser Besonderheiten untersucht worden.

Wittig stellte gemeinsam mit Dieter Küsters, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde bei der Stadt Frankfurt die Resultate im Detail vor. Es sei zu beklagen, so die Fachleute, dass aufgestellte Pflegepläne ausnahmslos nur unvollständig verwirklicht wurden. Besonders wünschenswert, so Wittig, sei es daher, die Zuständigkeit an eine Institution abzugeben, die die Betreuung als Haupt- und nicht als Nebenaufgabe ansieht. Denn bei der Pflege von Naturschutzgebieten zähle vor allem eines: Kontinuität. Bislang wird diese Aufgabe vom Forstamt Hofheim wahrgenommen, die diese Funktion naturgemäß nicht als Hauptaufgabe betrachte. Die Bewertung der Frankfurter Naturschutzgebiete:

Schwanheimer Düne
Relativ guter Zustand, große, überregionale hessenweite Bedeutung. Die Schmidt’sche Grube sollte auf jeden Fall dem Naturschutz voll überlassen werden (keine Angler). Die Streuobstwiesen auf armen Sandböden sollten in Sandrasen umgewandelt werden. Die Auswirkungen der Schafbeweidung sind zu dokumentieren; dies wurde leider im Jahr 2001 versäumt.

Berger Hang
Guter Zustand, überregionale hessenweite Bedeutung. Erweiterung nach Osten und auch um ein kleines Stück nach Norden und Westen ist dringend zu empfehlen, da dort sehr wertvolle Flächen lokalisiert sind. Ein wertvoller Biotoptyp - Kalkflachmoor - ist leider nach einem Eingriff verloren gegangen; Versuche zur Regeneration könnten sich indes als erfolgreich erweisen.

Enkheimer Ried
Überregionale Bedeutung wegen der Sumpfschildkrötenpopulation, die allerdings nicht autochthon ist. Botanisch schlechter Erforschungszustand.
Um mehr Akzeptanz bei der Bevölkerung zu erzielen, sollte das Gebiet besser einsehbar gemacht werden. Hier böte sich ein Aussichtshügel an, hier und da Blickmöglichkeiten vom Spazierweg aus.

Seckbacher Ried
Regionale Bedeutung; wissenschaftlich momentan sehr interessant wegen der dort laufenden Erprobung spezieller Pflegemaßnahmen (Beweidung durch Zebus!). Die Beweidung sollte unbedingt fortgeführt und weiterhin dokumentiert werden.

Riedwiesen von Niederursel
Regionale Bedeutung, unter anderem ornithologisch. Momentan sehr guter Zustand des ungenutzten Bereichs aufgrund erfolgreicher Pflegemaßnahmen wie Verstopfen der Entwässerungsgräben. Der Wiesenbereich ist dagegen im Hinblick auf das ursprüngliche Schutzziel nicht gut erhalten, da offensichtlich das Düngeverbot nicht eingehalten wird.

Mühlenbachtal
Regionale Bedeutung: Vorkommen des Riesen-Schachtelhalms; gefährdeter Biotoptyp. Pflegemaßnahmen dringend erforderlich. Dazu zählen Wiederherstellen von Feuchtgrünland am Bach und Trockenrasen am Hang durch Beweidung. Erhalt des Gebietes nur unter Mitwirkung (Akzeptanz der Pflegemaßnahmen!) der Anwohner sinnvoll und möglich.

Kontakt:
Prof. Rüdiger Wittig,
Institut für Botanik,
Telefon: 069 / 798-24747,
Fax: 069 / 798-24702,
E-Mail: r.wittig@em.uni-frankfurt.de

Pernille Jaeger | idw

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