Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie verändert der Mensch die Natur?

06.08.2007
Jülicher Forscher koordinieren großflächigen Freilandversuch über
15 Jahre

Ein Gebiet von der Größe Luxemburgs wird in den kommenden 15 Jahren zum Forschungsfeld: Im Einzugsgebiet der Rur werden Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich Daten erheben und analysieren, um die Einflüsse menschlichen Handelns auf die Natur zu verstehen.

Dazu zählen Auswirkungen des Klimawandels, aber auch direkte Eingriffe des Menschen in die Natur, wie Tagebaue oder Landnutzungsänderungen etwa der Fruchtwechsel vom Zuckerrübenacker zum Rapsfeld. Außerdem planen die Forscher Frühwarnsysteme für Unwetter und Hochwasser. TERENO (Terrestrial Environmental Observatoria) heißt das Projekt, an dem vier weitere Helmholtz-Zentren beteiligt sind. Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren wird es mit insgesamt zwölf Millionen Euro fördern.

Neben den Laboren des Forschungszentrums Jülich wird jetzt auch ein 2400 Quadratkilometer großes Gebiet rund um die Rur von Heinsberg bis zur Eifel zum Forschungsfeld: „Wir werden die Ersten sein, die eine so weiträumige und vielseitige Landschaft über einen langen Zeitraum beobachten“, erklärt Bogena vom Umweltinstitut des Forschungszentrums Jülich, Bereich Agrosphäre. Dabei untersuchen die Wissenschaftler verschiedenste Fragen: Wird beispielsweise der Boden durch die Erderwärmung trockener, so dass Landwirte ihre Felder zukünftig bewässern müssen?

Welche Auswirkungen haben die drei großen Tagebaue unserer Gegend, Hambach, Inden und Garzweiler, auf das Ökosystem? Und müssen wir demnächst häufiger mit Hochwasser und Unwettern rechnen?

Mit Radarstationen, Satelliten und Flugzeugen beobachten sie das großräumige Versuchsfeld. „Zusätzlich schauen wir uns drei Gebiete in der Rur-Region besonders intensiv an“, sagt Bogena: „Das sind das Einzugsgebiet der Kall-Talsperre, eine Ackerfläche bei Selhausen und das Wüstebach-Areal im Nationalpark Eifel.“ Dort wird der Fichtenwald, der lange Zeit zur Holzproduktion diente, in einen naturnahen Mischwald umgewandelt.

Diese Gebiete untersuchen die Forscher unter anderen mit Hilfe von zahlreichen meteorologischen, bodenkundlichen und hydrologischen Sensoren. „Im Zeitalter des Klimawandels interessiert uns natürlich auch, wieviel Kohlendioxid die unterschiedlichen ökologischen Systeme speichern oder abgeben. Wir messen den Kohlendioxidfluss über den Pflanzen und können dann die Bilanz für dieses Treibhausgas in der Landschaft an dieser Stelle berechnen“, sagt Bogena.

Zwölf Millionen Euro erhalten die Wissenschaftler für TERENO innerhalb der nächsten drei Jahre von der Helmholtz-Gemeinschaft. „Davon werden wir zum Beispiel zwei neue Wetterradarstationen bauen, eine auf der Sophienhöhe, eine kleinere in der Eifel“, so Bogena. Die Forscher werden diese Stationen mit der schon bestehenden in Bonn vernetzen, um so Regen noch genauer vorhersagen zu können. Auch die Vorhersage von Hochwasser wollen sie verbessern: „Über viele kleine Funkmessgeräte unter der Erde messen wir, wie feucht der Boden gerade ist. So können wir auch berechnen, wie viel Regen er noch aufnehmen kann und wie viel Wasser in die Flüsse gehen wird.“ Ein solches System warnt bereits rund sechs Stunden vor einer aufkommenden Hochwassergefahr - Zeit genug für die Betreiber der Rurtalsperre, um entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Neben dem Forschungszentrum Jülich beteiligen sich am TERENO-Projekt das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig/Halle, das Forschungszentrum Karlsruhe, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und das GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit bei München. Die Wissenschaftler nehmen außer dem Gebiet rund um die Rur zwei weitere große Landschaftsräume in Deutschland unter die Lupe: Den stark industriell geprägten Großraum Leipzig/Halle, sowie die Alpenvorlandregion. Hier werden beispielsweise in einem Experiment Bodenproben aus höheren, kühleren Lagen in tiefere, wärmere verfrachtet, um so den Einfluss der globalen Klimaerwärmung auf das Bodenleben zu untersuchen. Die Daten aller Experimente laufen im Forschungszentrum Jülich zusammen. Von hier können sie Wissenschaftler weltweit abrufen und mit eigenen Messungen vergleichen.

Pressekontakt:
Annette Stettien, Wissenschaftsjournalistin, Unternehmenskommunikation, Forschungszentrum Jülich Tel. 02461 61-2388/-8031, Fax 02461 61-4666,

E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de, b.schunk@fz-juelich.de

Dr. Angela Lindner, Leiterin
Unternehmenskommunikation, Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich Tel. 02461 61-4661, Fax 02461 61-4666, E-Mail: a.lindner@fz-juelich.de

Dr. Angela Lindner | Forschungszentrum Jülich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Berichte zu: Hochwasser Luft- und Raumfahrt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Umweltressourcen nachhaltig nutzen
17.07.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Mikroplastik – überall und in großen Mengen
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics