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Viele Küken des Großen Brachvogels überleben derzeit die Aufzuchtzeit nicht

22.06.2007
Neuartiges Schutzprojekt zur Rettung dieser Vogelart gestartet

In diesen Wochen überleben wieder viele Küken des stark gefährdeten Großen Brachvogels ihre ersten Lebenswochen nicht. Nur 9 Brutpaare dieser größten Watvogelart mit dem markanten bis zu 17 cm langen Schnabel gibt es in ganz Hessen noch. Der Große Brachvogel (Numenius arquata) wird mittlerweile auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands als "stark gefährdet" geführt. Jedes nicht aufgewachsene Küken gefährdet den Fortbestand dieser Vogelart.

Die Deutsche Wildtier Stiftung organisiert deshalb zusammen mit dem Naturschutzfonds Wetterau in Hessen ein völlig neuartiges Schutzprojekt: Im letzten Rückzugsraum des Großen Brachvogels in Hessen werden vier Flutrinnen und vier Flutmulden gebaut, damit der Vogel künftig geschützte Brutgebiete hat und der Nachwuchs genügend Nahrung findet. Die Flutrinnen sollen die Füchse daran hindern, die Küken zu fressen. In den Flutmulden finden der Große Brachvogel und andere Wiesenbrüter Nahrung. Wenn sich dieses innovative Schutzprojekt bewährt, soll es auch in anderen Regionen in Deutschland angewendet werden und so den Großen Brachvogel in unserem Land vor dem Aussterben bewahren.

Der Große Brachvogel kann etwa 30 Jahre alt werden. Kaum eine andere Vogelart ist so standorttreu: Er wechselt sein Brutgebiet auch dann nicht, wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. Und das wird ihm zum Verhängnis.

Als Bodenbrüter baut der Große Brachvogel sein Nest in Bodenmulden im feuchten Grünland. Frühestens Ende März legt das Weibchen zwei bis fünf Eier und brütet etwa vier Wochen lang. Fünf Wochen lang dauert die Aufzucht. Viele Küken überleben diese Phase nicht. Denn Gelege und Jungtiere fallen nicht nur den natürlichen Fressfeinden zum Opfer, sondern werden beim Mähen vernichtet.

"Im Wetteraukreis konnten die Landwirte in den vergangenen Jahren davon überzeugt werden, ihre Wiesen erst dann zu mähen, wenn die Kükenaufzucht abgeschlossen ist. Dieser wichtige Schritt allein reicht jedoch noch nicht aus, um den Bestand des Großen Brachvogels zu stabilisieren und zu vergrößern", erklärt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, anlässlich der Vereinbarung des Schutzprojektes mit dem Naturschutzfonds Wetterau.

Denn eine weitere Gefahr ist der Fuchs. Für ihn ist ein Gelege am Boden oder gar ein hilfloses Küken ein gefundenes Fressen. Er folgt damit seinem natürlichen Jagdtrieb. Das Problem: aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ist der Bestand des Großen Brachvogels dramatisch geschrumpft. Deshalb gefährdet jedes geraubte Küken den Fortbestand dieser Vogelart.

Füchse meiden das Wasser. Das ist die Grundidee für die Flutrinnen, die den Fuchs von den Nestern fernhalten sollen. Diese Flutrinnen sind flache, acht Meter breite, mit Wasser gefüllte Gräben, die sich in Form eines abgerundeten Rechtecks um die Feuchtwiesen ziehen. Gespeist werden sie aus dem im Winter und Frühjahr hoch anstehenden Grundwasser.

Zusätzlich werden Flutmulden, ähnlich kleiner Tümpel, in der Nähe der Brutplätze angelegt. Sie dienen dem Großen Brachvogel und anderen seltenen Wiesenbrütern wie Bekassine, Kiebitz und Uferschnepfe als Nahrungsquelle. Nachdem die Jungvögel die Nester verlassen haben, trocknen die Mulden und Rinnen im Sommer wieder aus. So können die Landwirte problemlos ihr Heu ernten und es wird verhindert, dass sich dort hochwüchsige Gräser und Kräuter oder gar Gehölze ansiedeln. Bei der Wahl seines Nistplatzes ist der Brachvogel nämlich sehr eigen: Er baut sein Nest nur in offenes weit überschaubares Gelände.

Pressekontakt
Deutsche Wildtier Stiftung: Birgit Radow, Geschäftsführerin, Billbrookdeich 210, 22113 Hamburg, Telefon: 040 73339-1880, Fax: 040 7330278, B.Radow@DeWiSt.de, http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

Birgit Radow | idw
Weitere Informationen:
http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

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