Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weiden und Pappeln gegen vergiftete Böden

06.03.2002


Stadt Wien und Boku patentieren Verfahren zur Bodenfilterung

Die Wiener Universität für Bodenkultur hat gemeinsam mit der Stadt Wien ein neues Verfahren zur Reinigung von belasteten Böden patentiert. Das Verfahren, bei dem Weiden und Pappeln zur Bodenreinigung eingesetzt werden, wurde gemeinsam mit Forschern der Universität von Georgia innerhalb der vergangenen drei Jahre konzipiert, entwickelt und getestet und heute, Dienstag, vorgestellt. Die neue Technologie ist darüber hinaus erheblich kostengünstiger als das bisherige Abtragen ganzer Erdschichten.

"Bei der Phytosanierung, so der Terminus technicus für den Einsatz von Weiden und Pappeln zur Bodensanierung, entziehen die Pflanzen dem Boden die Schadstoffe und ernähren durch Wurzelausscheidungen den wurzelnahen Boden", so Walter Wenzel, Professor am Institut für Bodenforschung und Miterfinder des Verfahrens. Das Verfahren eigne sich nicht nur zur aktiven Bodenreinigung, sondern auch zur Prävention. Diese findet vor allem in der Nähe von Autobahnen und Straßen eine Anwendung, erklärt der Forscher. "Die speziellen vom Forschungsteam entdeckten Weiden können dem Boden ungewöhnlich hohe Mengen an Schwermetallen entziehen und dieses in den Blättern ablagern", so Wenzel. Eine spezielle Geo-Schicht, die vor der Pflanzung am Boden aufgetragen wurde, sorgt für ein besseres Recycling der mit Schwermetallen angereicherten Blätter. "Dies ist übrigens noch Gegenstand weiterer Forschungen", so der Wissenschaftler.

Herkömmliche Methoden wie die Abtragung von verseuchten Böden oder die Bodenwäsche sind mit rund 1,6 Mio Euro pro Hektar wesentlich teurer als die Phytosanierung, die etwa 55.000 Euro pro Hektar kostet. Geeignet ist die Phytosanierung für die Reinigung von Schwermetallen wie Blei, Zink, Cadmium und Zink. "Insbesondere Cadmium ist am Rande von stark befahrenen Straßen und in landwirtschaftlichen Böden ein Problem, weil es vom Boden kaum gebunden wird und so leicht ins Grundwasser oder in die Nahrungskette kommt", so die Projektkoordinatorin Marion Jaros von der Wiener Umweltanwaltschaft . "Die entdeckten Bäume können in ihrem Laub Konzentrationen bis 380 Milligramm pro Kilogramm speichern. In normalen Pflanzen findet man weniger als 0,5 Milligramm Cadmium pro kg Blattmasse", so Wenzel.

In Europa gibt es mehr als 1,4 Mio. ausgewiesene Standorte mit Schwermetallverunreinigungen. Viele dieser Böden befinden sich in ehemaligen Ostblock-Ländern. Das Marktpotenzial der neuen Erfindung schätzen die Experten für 2002 auf 2,7 bis 7,7 Mio. Euro. Ein jährlicher Zuwachs von zehn Prozent erscheint plausibel. Das Projekt wurde von den Magistratsabteilungen 22, 45 und 48 mitinitiiert und vom Wissenschaftsministerium und dem FWF gefördert. In Wien ist die Anwendung des Verfahrens für die vorbeugende Reinigung von Bodenfiltern an der A23 geplant.

Wolfgang Weitlaner | pte.monitor
Weitere Informationen:
http://www.boku.ac.at
http://www.magwien.gv.at/wua/wua.htm

Weitere Berichte zu: Cadmium Pappeln Phytosanierung Reinigung Schwermetall Weiden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Schadstoff-Emissionen auf See verringern
15.07.2019 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Jährlich mehr als 5000 Tonnen Plastik in die Umwelt freigesetzt
12.07.2019 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Beschleunigerphysik: Alternatives Material für supraleitende Hochfrequenzkavitäten getestet

Supraleitende Hochfrequenzkavitäten können Elektronenpakete in modernen Synchrotronquellen und Freien Elektronenlasern mit extrem hoher Energie ausstatten. Zurzeit bestehen sie aus reinem Niob. Eine internationale Kooperation hat nun untersucht, welche Vorteile eine Beschichtung mit Niob-Zinn im Vergleich zu reinem Niob bietet.

Zurzeit ist Niob das Material der Wahl, um supraleitende Hochfrequenzkavitäten zu bauen. So werden sie für Projekte wie bERLinPro und BESSY-VSR eingesetzt,...

Im Focus: Künstliche Intelligenz löst Rätsel der Physik der Kondensierten Materie: Was ist die perfekte Quantentheorie?

Für einige Phänomene der Quanten-Vielteilchenphysik gibt es mehrere Theorien. Doch welche Theorie beschreibt ein quantenphysikalisches Phänomen am besten? Ein Team von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und der amerikanischen Harvard University nutzt nun erfolgreich künstliche neuronale Netzwerke für die Bildanalyse von Quantensystemen.

Hund oder Katze? Die Unterscheidung ist ein Paradebeispiel für maschinelles Lernen: Künstliche neuronale Netzwerke können darauf trainiert werden Bilder zu...

Im Focus: Artificial neural network resolves puzzles from condensed matter physics: Which is the perfect quantum theory?

For some phenomena in quantum many-body physics several competing theories exist. But which of them describes a quantum phenomenon best? A team of researchers from the Technical University of Munich (TUM) and Harvard University in the United States has now successfully deployed artificial neural networks for image analysis of quantum systems.

Is that a dog or a cat? Such a classification is a prime example of machine learning: artificial neural networks can be trained to analyze images by looking...

Im Focus: Was die Kraftwerke der Zelle in Form hält

Ein Team aus Deutschland und der Schweiz um Professor Oliver Daumke vom MDC hat untersucht, wie ein Protein der Dynamin-Familie die innere Membran der Mitochondrien verformt. Die Ergebnisse, die auch Einblicke in erbliche Erkrankungen des Sehnervs liefern, sind im Journal „Nature“ veröffentlicht.

Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen. Hier wird Energie in Form chemischer Verbindungen wie ATP gewonnen. Um dieser Aufgabe optimal nachgehen zu...

Im Focus: Knobeln auf dem Quanten-Schachbrett

Physiker der Universität Innsbruck schlagen ein neues Modell vor, mit dem die Überlegenheit von Quantencomputern gegenüber klassischen Supercomputern bei der Lösung von Optimierungsaufgaben gezeigt werden könnte. Sie demonstrieren in einer aktuellen Arbeit, dass schon wenige Quantenteilchen genügen würden, um das mathematisch schwierige Damenproblem im Schach auch für größere Schachbretter zu lösen.

Das Damenproblem ist eine schachmathematische Aufgabe, die schon den großen Mathematiker Carl Friedrich Gauß beschäftigt hat, für die er aber erstaunlicher...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auswandern auf Terra-2?

15.07.2019 | Veranstaltungen

Hallo Herz! Wie kommuniziert welches Organ mit dem Herzen?

12.07.2019 | Veranstaltungen

Schwarze Löcher und unser Navi im Kopf: Wissenschaftsshow im Telekom Dome in Bonn

11.07.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Auswandern auf Terra-2?

15.07.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Beschleunigerphysik: Alternatives Material für supraleitende Hochfrequenzkavitäten getestet

15.07.2019 | Physik Astronomie

Verfahren zum Patent angemeldet: Katalysator-Herstellung in einem Schritt

15.07.2019 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics