Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jagd nach Fisch wird erfolgloser

05.03.2002


Viele Meeresfische vom Aussterben bedroht – Aussichten werden düsterer

Umweltschützer rufen weltweit zum Stopp von Fischkäufen auf: Grund dafür ist das Verschwinden vieler Speisefische aus den Ozeanen. Die Meere der Welt werden von immer größeren Fischfangflotten heimgesucht. Greenpeace hat vergangenen Woche dazu geraten, nur noch heimische Zuchtfische wie Karpfen und Forellen sowie Heringe und Makrelen zu kaufen. Alle anderen Arten sind zunehmend bedroht, das gilt auch für Tiere der Tiefsee.

Die Liste "fish&facts", die von Greenpeace Deutschland vorgestellt wurde, listet die 35 häufigsten Speisefische und ihre Bedrohung auf. Auch Krustentiere zählen mittlerweile zu den bedrohten Arten. "Die Menschen glauben, dass die Meere leer sind, das stimmt nicht ganz. Das Problem der Überfischung bedeutet, dass auch mit größerem Aufwand nicht mehr Fische in den Netzen der Fischer landen", so Michael Stachowitsch, Meeresökologe an der Universität Wien. "Wir kennen das Problem im Nord-Atlantik seit mehr als einem halben Jahrhundert", so der Wissenschaftler. Als besonders problematisch für die Umwelt stuft der Forscher aber die Fangmethoden ein. "Die seichten Küstengewässer sind die biologisch produktivsten Lebensräume, die von einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen bewohnt werden. Dort gibt es auch die größte Zahl an Fischen. In diesen Bereichen werden Meeresböden durch Fischereigeräte förmlich umgepflügt. Dadurch werden die Lebensräume einfach zerstört."

Das größte Problem sieht der Forscher darin, dass einmal zerstörte Meeresböden nur langsam wieder besiedelt werden. "In manchen Gebieten der oberen Adria und der Nordsee wird jeder Quadratmeter mehrmals im Jahr durchpflügt. Die Meeresböden sehen hinterher aus wie Schipisten. Das ist ungefähr so, als würde man einen Wald abholzen, um die Rehe zu erlegen", so Stachowitsch. Am Boden finden sich Tiere, die in den Fischrestaurants als besondere Delikatesse angeboten werden: beispielsweise Jakobsmuscheln und Norwegische Hummer (Nephrops norvegicus), die als Scampi besonders begehrt sind.

"Das Schlimmste für den Fischbestand sind Überfischung, die Unmengen von Beifang und die physikalische Zerstörung des Lebensraumes vieler Tier- und Pflanzenarten", so der Forscher. Greenpeace hat in seiner Aussendung geschrieben, dass für ein Kilo Krabben fast fünf Kilo Beifang das Leben lassen muss. Dabei sei von Schleppnetzen, die kilometerlang sind und alles fangen, was in ihrer Umgebung schwimmt, gar keine Rede. Das "Fischereimassaker" findet aber nicht nur vor den Küsten Europas statt. "Aus der Fachliteratur kennen wir den drastischen Rückgang von Lachs vor der Küste von Neufundland", so Hubert Keckeis vom Institut für Ökologie an der Universität Wien. Das Problem sei global und nehme immer mehr an Ernst zu, so der Forscher.

Den Fischbeständen werde keine Chance zur Erholung gegeben. So gesehen gebe es das Fischmassaker weltweit, wie die Umweltschutzorganisation es betitelt. "In Staaten wie der mikronesischen Insel-Republik Kiribati gibt es zwei Mio. Quadratkilometer Meeresfläche und gerade einmal zwei Schnellboote zur Überwachung des gesamten Territoriums. Dort ist der Fisch-Piraterie Tür und Tor geöffnet", so Mindy Furrer, US-Peace-Corps-Volunteer zu pte. Das wissen auch die Einheimischen, aber mangels verfügbarer Mittel könne dagegen nichts unternommen werden. Das sei für die Inselbewohner deshalb tragisch, weil Fisch das Hauptnahrungsmittel darstellt.

Die EU-Kommission und das deutsche Verbraucherministerium drängen inzwischen auf eine nachhaltige Fischerei. Dabei sollen die Fangflotten verkleinert, Schutzgebiete eingerichtet und die Beifänge verringert werden. Dabei konnte sich die Kommission beim EU-Fischereirat allerdings nicht durchsetzen, der bereits die Fangquoten für das kommende Jahr festgelegt hat.

Wolfgang Weitlaner | pte.monitor
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.de
http://www.univie.ac.at/marine-biology
http://www.univie.ac.at/IECB

Weitere Berichte zu: Beifang Lebensräume Meeresböden Überfischung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Rettungsplan für das Weltmeer
16.08.2019 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Geplatzte Hoffnung: Keine Chance für Umwelt-entlastende Plastik-Zersetzung durch Bakterien
07.08.2019 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: "Qutrit": Komplexe Quantenteleportation erstmals gelungen

Wissenschaftlern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien ist es gemeinsam mit chinesischen Forschern erstmals gelungen, dreidimensionale Quantenzustände zu übertragen. Höherdimensionale Teleportation könnte eine wichtige Rolle in künftigen Quantencomputern spielen.

Was bislang nur eine theoretische Möglichkeit war, haben Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien nun erstmals...

Im Focus: Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

Der „Landau-Niveau-Laser“ ist ein spannendes Konzept für eine ungewöhnliche Strahlungsquelle. Er hat das Zeug, höchst effizient sogenannte Terahertz-Wellen zu erzeugen, die sich zum Durchleuchten von Materialen und für die künftige Datenübertragung nutzen ließen. Bislang jedoch scheiterten nahezu alle Versuche, einen solchen Laser in die Tat umzusetzen. Auf dem Weg dorthin ist einem internationalen Forscherteam nun ein wichtiger Schritt gelungen: Im Fachmagazin Nature Photonics stellen sie ein Material vor, das Terahertz-Wellen durch das simple Anlegen eines elektrischen Stroms erzeugt. Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) waren maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Ebenso wie Licht zählen Terahertz-Wellen zur elektromagnetischen Strahlung. Ihre Frequenzen liegen zwischen denen von Mikrowellen und Infrarotstrahlung. Sowohl...

Im Focus: A miniature stretchable pump for the next generation of soft robots

Soft robots have a distinct advantage over their rigid forebears: they can adapt to complex environments, handle fragile objects and interact safely with humans. Made from silicone, rubber or other stretchable polymers, they are ideal for use in rehabilitation exoskeletons and robotic clothing. Soft bio-inspired robots could one day be deployed to explore remote or dangerous environments.

Most soft robots are actuated by rigid, noisy pumps that push fluids into the machines' moving parts. Because they are connected to these bulky pumps by tubes,...

Im Focus: Crispr-Methode revolutioniert

Forschende der ETH Zürich entwickelten die bekannte Crispr/Cas-Methode weiter. Es ist nun erstmals möglich, Dutzende, wenn nicht Hunderte von Genen in einer Zelle gleichzeitig zu verändern.

Crispr/Cas ist in aller Munde. Mit dieser biotechnologischen Methode lassen sich in Zellen verhältnismässig einfach und schnell einzelne Gene präzise...

Im Focus: Wie schwingen Atome in Graphen-Nanostrukturen?

Innovative neue Technik verschiebt die Grenzen der Nanospektrometrie für Materialdesign

Um das Verhalten von modernen Materialien wie Graphen zu verstehen und für Bauelemente der Nano-, Opto- und Quantentechnologie zu optimieren, ist es...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gedanken rasen zum Erfolg: CYBATHLON BCI Series 2019

16.08.2019 | Veranstaltungen

Impfen – Kleiner Piks mit großer Wirkung

15.08.2019 | Veranstaltungen

Internationale Tagung zur Katalyseforschung in Aachen

14.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie synthetische Zellen schädliche Bakterien bekämpfen

19.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neuartiger Ventiltrieb spart 20% Treibstoff

19.08.2019 | Energie und Elektrotechnik

Deutschlandweit einziges Chinatron an der Uni Ulm: Wegbereiter des bionischen Baumstamms

19.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics