Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefsee-Fischerei bedroht Wissenschaft

18.02.2002


Industrie kennt keine Grenze bei der Ausbeutung der Ozeane

Mit Netzen, die tiefer gehen als 1,5 Kilometer und 60 Tonnen Fisch in nur 20 Minuten aus den Tiefen der Meere holen, rückt die Fischerei-Industrie den noch letzten lebenden Fischen an den Leib. Forscher befürchten, dass viele Arten ausgerottet werden, die kaum noch erforscht sind. Und Tiefsee-Riffe, die 5.000 Jahre für die Entstehung gebraucht haben, werden in wenigen Minuten zerstört. Das berichten Wissenschaftler beim Treffen der, das derzeit in Boston stattfindet.

"Nachdem die Fischerei in den flachen Gewässern fast überall am Rande des Abgrunds schwebt, greifen die neuen, noch schnelleren Fangflotten in die unbekannten Tiefen der Weltmeere", so Callum Roberts, Ozean-Ökologe der HarvardUniversity. "40 Prozent aller Fischereigründe befinden sich bereits in der Tiefsee, tiefer als der Kontinentalschelf", so der Wissenschaftler. "Die neuen Technologien sind so effektiv, dass sie nicht nur ernten, sondern im wahrsten Sinn des Wortes abbauen."

"Die neuen Fischereiflotten sind schneller, größer und sie können in Gewässern fischen, die vor hundert Jahren noch zu gefährlich gewesen wären", so die Fischerei-Expertin Yvonne Sadovy von der Universität Hongkong. Zunehmende Nachfrage ließe die Fisch-Trawler auch in die entlegensten Gebiete unseres Planeten reisen. Biologen warnen jedoch davor, die Tiefsee ebenso auszubeuten wie die flachen Schelfgebiete, denn, so befürchten Experten, die Tiefseefische würden extrem langsam nachwachsen. Der Granatbarsch (Hoplosthetus atlanticus), ein häufig auf den Speisekarten von Luxusrestaurants angebotener Fisch, der in Tiefen zwischen 750 und 1.200 Metern lebt, vermehrt sich erst ab einem Alter von 20 Jahren. Extensive Tiefsee-Fischerei vor den Küsten Neuseelands und Australiens haben die Fische in den Gewässern in den vergangenen zehn Jahren um 80 Prozent reduziert. Das gleiche gelte auch für den Nordatlantik.

"Was Jahrtausende zum Wachsen gebraucht hat, ist mit einem Schlag zerstört", so Callum Roberts. Es werde Jahrhunderte brauchen, um sich davon zu erholen. Die Wissenschaftler sind besonders besorgt darüber, dass alle zwei Wochen neue Spezies in der Tiefsee entdeckt werden, die bisher unbekannt waren. "Das gilt insbesondere für die hydrothermalen unterseeischen Öffnungen, wo riesige Würmer und Garnelen in absoluter Finsternis leben", so der Forscher. "Da die Erforschung der Tiefsee erst vor rund 25 Jahren begonnen hat, müssen die Lebensräume vor der Ausbeutung geschützt werden", so Cyndy Van Dover. Die Schaffung von internationalen Unterwasser-Schutzgebieten, wo Fischerei unter allen Umständen verboten werden soll, sei ein dringendes Anliegen. "Ohne marine Schutzgebiete werden die Ozeane nämlich bald recht leer sein", meint Roberts.

Wolfgang Weitlaner | pte.monitor
Weitere Informationen:
http://www.aaas.org

Weitere Berichte zu: Callum Gewässer Tiefsee Tiefsee-Fischerei

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Rettungsplan für das Weltmeer
16.08.2019 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Geplatzte Hoffnung: Keine Chance für Umwelt-entlastende Plastik-Zersetzung durch Bakterien
07.08.2019 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hamburger und Kieler Forschende beobachten spontanes Auftreten von Skyrmionen in atomar dünnen Kobaltfilmen

Seit ihrer experimentellen Entdeckung sind magnetische Skyrmionen – winzige magnetische Knoten – in den Fokus der Forschung gerückt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hamburg und Kiel konnten nun zeigen, dass sich einzelne magnetische Skyrmionen mit einem Durchmesser von nur wenigen Nanometern in magnetischen Metallfilmen auch ohne ein äußeres Magnetfeld stabilisieren lassen. Über ihre Entdeckung berichten sie in der Fachzeitschrift Nature Communications.

Die Existenz magnetischer Skyrmionen als teilchenartige Objekte ist bereits vor 30 Jahren von theoretischen Physikern vorhergesagt worden, konnte aber erst...

Im Focus: Hamburg and Kiel researchers observe spontaneous occurrence of skyrmions in atomically thin cobalt films

Since their experimental discovery, magnetic skyrmions - tiny magnetic knots - have moved into the focus of research. Scientists from Hamburg and Kiel have now been able to show that individual magnetic skyrmions with a diameter of only a few nanometres can be stabilised in magnetic metal films even without an external magnetic field. They report on their discovery in the journal Nature Communications.

The existence of magnetic skyrmions as particle-like objects was predicted 30 years ago by theoretical physicists, but could only be proven experimentally in...

Im Focus: Physicists create world's smallest engine

Theoretical physicists at Trinity College Dublin are among an international collaboration that has built the world's smallest engine - which, as a single calcium ion, is approximately ten billion times smaller than a car engine.

Work performed by Professor John Goold's QuSys group in Trinity's School of Physics describes the science behind this tiny motor.

Im Focus: Die verschränkte Zeit der Quantengravitation

Die Theorien der Quantenmechanik und der Gravitation sind dafür bekannt, trotz der Bemühungen unzähliger PhysikerInnen in den letzten 50 Jahren, miteinander inkompatibel zu sein. Vor kurzem ist es jedoch einem internationalen Forschungsteam von PhysikerInnen der Universität Wien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie der Universität Queensland (AUS) und dem Stevens Institute of Technology (USA) gelungen, wichtige Bestandteile der beiden Theorien, die den Verlauf der Zeit beschreiben, zu verbinden. Sie fanden heraus, dass die zeitliche Abfolge von Ereignissen echte Quanteneigenschaften aufweisen kann.

Der allgemeinen Relativitätstheorie zufolge verlangsamt die Anwesenheit eines schweren Körpers die Zeit. Das bedeutet, dass eine Uhr in der Nähe eines schweren...

Im Focus: Quantencomputer sollen tragbar werden

Infineon Austria forscht gemeinsam mit der Universität Innsbruck, der ETH Zürich und Interactive Fully Electrical Vehicles SRL an konkreten Fragestellungen zum kommerziellen Einsatz von Quantencomputern. Mit neuen Innovationen im Design und in der Fertigung wollen die Partner aus Hochschulen und Industrie leistbare Bauelemente für Quantencomputer entwickeln.

Ionenfallen haben sich als sehr erfolgreiche Technologie für die Kontrolle und Manipulation von Quantenteilchen erwiesen. Sie bilden heute das Herzstück der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

GAIN 2019: Das größte Netzwerktreffen deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler startet in den USA

22.08.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz auf der MS Wissenschaft

22.08.2019 | Veranstaltungen

Informatik-Tagung vom 26. bis 30. August 2019 in Aachen

21.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

5G macht die Produktion smarter

23.08.2019 | Informationstechnologie

Wärmekraftmaschinen in der Mikrowelt

23.08.2019 | Physik Astronomie

Auf dem Prüfstand: Automatisierte Induktionsthermographie zur Oberflächenrissprüfung von Schmiedeteilen

23.08.2019 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics