Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler fordern bessere Vernetzung - Neue Vorschläge internationaler Experten zur Rettung der biologischen Vielfalt

11.10.2006
Um die bestehenden Konventionen zur Erhaltung der Biodiversität konsequenter umsetzen zu können, muss das vorhandene Wissen besser vernetzt und effektiver in die Politik eingespeist werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gruppe von international bekannten Experten, die Anfang Oktober im Leipziger Umweltforschungszentrum (UFZ) verschiedene Optionen und Lösungsansätze zur Gestaltung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik diskutiert hatten.

In ihren Empfehlungen fordern sie die Einrichtung eines Mechanismus, der sowohl den Austausch zwischen den verschiedenen Arten von wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Wissen verbessern als auch dieses Wissen besser auf den Beratungsbedarf der Politik abstimmen soll.

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass das Problem des Rückganges der Artenvielfalt im Vergleich zum Klimawandel wesentlich komplexer sei. So seien die vielfältigen Querverbindungen zu anderen Umweltproblemen sowie zu wirtschaftlichen und sozialen Fragen ebenso zu berücksichtigen wie die jeweils lokalen Ausprägungen des Problems. Deshalb seien auch die relevanten Wissensbestände sehr viel diverser und schlössen auch ein traditionales, lokal verankertes Wissen mit ein. Von daher könnten nicht einfach Erfolgsrezepte und Modelle aus dem Bereich der Klimaforschung und -politik (wie das Modell des IPCC, also des Intergovernmental Panel on Climate Change) übernommen und direkt auf das Feld der Biodiversität übertragen werden. Was im Bereich Biodiversität konkret fehle, sei ein geeigneter Mechanismus, um Experten weltweit zu mobilisieren, ihr Wissen zu bündeln und Wissenschaftler und Politiker an einen Tisch zu bringen, so Jeff McNeely, einer der Teilnehmer am Leipziger Workshop und wissenschaftlicher Direktor der internationalen Naturschutzorganisation IUCN. Die Teilnehmer fordern daher, dass man die Pluralität von kulturell unterschiedlichen Sichtweisen auf die Biodiversität anerkennen und einen Dialog zwischen diesen Wissensformen fördern müsse. Dieser Austausch könne nicht nur zu einem besseren Verständnis, sondern auch zu besseren Entscheidung zum Nutzen der Biodiversität beitragen.

Inzwischen verdichtet sich weltweit der Konsens darüber, dass im Bereich der Biodiversität Bedarf besteht, den Dialog zu intensivieren und Vertreter von Wissenschaft, Politik und Nicht-Regierungsorganisationen an einen Tisch zu bringen. Die französische Regierung hatte einen 18-monatigen Konsultationsprozess ins Leben gerufen, der in die Gründung eines neuen internationalen Mechanismus zur wissenschaftlichen Expertise münden soll ("International Mechanism of Scientific Expertise on Biodiversity" (IMoSEB). In einem Brief an das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature hatten führende Vertreter der Forschung die Zersplitterung der Forschung kritisiert und für den zunehmenden Fatalismus gegenüber dem dramatischen Verlust der Artenvielfalt verantwortlich gemacht.

... mehr zu:
»Artenvielfalt »Biodiversität »UFZ

Die Empfehlungen des Leipziger Workshops werden in die weitergehenden IMoSEB-Verhandlungen sowie in verschiedene andere Prozesse auf verschiedenen Ebenen einfließen (u.a. auf EU-Ebene und in die Ramsar-Konvention zum Schutz der Feuchtgebiete). In vielen Fragen, wie ein entsprechender Mechanismus konkret ausgestaltet wird und welche Rolle er im bestehenden Institutionengefüge einnehmen soll, besteht noch weiterer Diskussions- und Beratungsbedarf.

Das Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Die Wissenschaftler entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern. Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Biodiversität UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Lichtverschmutzung macht Fische mutig
21.09.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Gegen Straßenschmutz im Regenwasser
21.09.2018 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kupfer-Aluminium-Superatom

Äußerlich sieht der Cluster aus 55 Kupfer- und Aluminiumatomen aus wie ein Kristall, chemisch hat er jedoch die Eigenschaften eines Atoms. Das hetero-metallische Superatom, das Chemikerinnen und Chemiker der Technischen Universität München (TUM) hergestellt haben, schafft die Voraussetzung für die Entwicklung neuer, kostengünstiger Katalysatoren.

Chemie kann teuer sein. Zum Reinigen von Abgasen beispielsweise benutzt man Platin. Das Edelmetall dient als Katalysator, der chemische Reaktionen...

Im Focus: Hygiene im Handumdrehen – mit neuem Netzwerk „CleanHand“

Das Fraunhofer FEP beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Prozessen und Anlagen zur Reinigung, Sterilisation und Oberflächenmodifizierung. Zur Bündelung der Kompetenzen vieler Partner wurde im Mai 2018 das Netzwerk „CleanHand“ zur Entwicklung von Systemen und Technologien für saubere Oberflächen, Materialien und Gegenstände ins Leben gerufen. Als Partner von „CleanHand“ präsentiert das Fraunhofer FEP im Rahmen der Messe parts2clean, vom 23.-25. Oktober 2018, in Stuttgart, am Stand der Fraunhofer-Allianz Reinigungstechnik (Halle 5, Stand C31), das Netzwerk sowie aktuelle Forschungsschwerpunkte des Institutes im Bereich Hygiene und Reinigung.

Besonders um die Hauptreisezeiten gehen vermehrt Testberichte und Studien über die Reinheit von europäischen Raststätten, Hotelbetten und Freibädern durch die...

Im Focus: Hygiene at your fingertips with the new CleanHand Network

The Fraunhofer FEP has been involved in developing processes and equipment for cleaning, sterilization, and surface modification for decades. The CleanHand Network for development of systems and technologies to clean surfaces, materials, and objects was established in May 2018 to bundle the expertise of many partnering organizations. As a partner in the CleanHand Network, Fraunhofer FEP will present the Network and current research topics of the Institute in the field of hygiene and cleaning at the parts2clean trade fair, October 23-25, 2018 in Stuttgart, at the booth of the Fraunhofer Cleaning Technology Alliance (Hall 5, Booth C31).

Test reports and studies on the cleanliness of European motorway rest areas, hotel beds, and outdoor pools increasingly appear in the press, especially during...

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fachkonferenz "Automatisiertes und autonomes Fahren"

25.09.2018 | Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bisher unbekannter Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke entdeckt

25.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Suche nach Grundwasser im Ozean - Neues deutsch-maltesisches Forschungsprojekt gestartet

25.09.2018 | Geowissenschaften

Auf dem Weg zur Prothese der Zukunft

25.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics