Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Botanische Gärten weiten Engagement im Naturschutz aus

09.05.2006


Der Sandkrokus ist ein Beispiel für eine Pflanzenart, die an ihrem Naturstandort zwar ausgestorben ist, die aber durch eine Erhaltungskultur - im Botanischen Garten der Uni Würzburg -gerettet werden konnte. Foto: Gerd Vogg


Die Leiter und Kustoden der sechs Botanischen Gärten in Bayern trafen sich am 3. Mai an der Uni Würzburg. Hier beschlossen sie Maßnahmen, mit denen sie verstärkt zur Erhaltung bedrohter Pflanzenarten im Freistaat beitragen wollen. Mit dabei waren Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Umwelt und der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Unterfranken.


Bayern beherbergt insgesamt 2.763 einheimische Gefäßpflanzenarten (Stand 2003). 43 Prozent davon seien in ihrem Fortbestand bedroht, sagt Gerd Vogg, Kustos des Würzburger Botanischen Gartens. Hier habe der Freistaat eine große internationale Verantwortung, weil einige dieser Pflanzen außer in Bayern sonst nirgends vorkommen.

In Unterfranken gilt das zum Beispiel für das Apenninen-Sonnenröschen, den Faserschirm oder das Karlstadter Steinbrech-Habichtskraut. Letzteres wurde erst 2001 von dem Karlstadter Arzt und Hobby-Botaniker Franz Dunkel als neue Art beschrieben. Alle drei Pflanzenarten wachsen nur auf den so genannten Mainfränkischen Trockenrasen, die wegen ihrer seltenen Pflanzen- und Tierarten von höchster Bedeutung sind. Der Botanische Garten der Uni Würzburg hat darum eine eigene Abteilung, die den typischen Pflanzen dieses seltenen Biotoptyps gewidmet ist.


Botanische Gärten sind seit jeher Orte der Artenvielfalt - alleine in der Würzburger Einrichtung am Dallenberg wachsen etwa 10.000 Pflanzenarten. In ihren Sammlungen befinden sich auch viele Arten, die an den Wildstandorten stark bedroht, manchmal sogar schon ausgestorben sind. Darum scheinen die Botanischen Gärten geradezu dafür prädestiniert, in Sachen Umweltbildung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den regionalen Arten- und Lebensraumschutz eine wichtige Rolle zu übernehmen. Dass sie dies künftig tun sollen, wurde bei dem Treffen in Absprache mit den Naturschutzbehörden festgelegt. Für 2007 ist bereits eine bayernweite Ausstellung "Botanischer Artenschutz in Bayern" geplant.

Kontrovers diskutiert wurde, ob Erhaltungskulturen von stark bedrohten Pflanzen in Botanischen Gären mit einer anschließenden Wiederansiedlung in der freien Natur für die Arterhaltung sinnvoll sind. "Gerade bei der Kultur von komplizierten Wildpflanzen besitzen Botanische Gärten ja langjährige Fachkompetenz", sagt Vogg.

Beispiel: Unter Voggs Vorgänger Uwe Buschbom wurde in Würzburg erfolgreich der Sandkrokus (Romulea limbarae) kultiviert. Diese kleine, blau blühende Pflanze wächst nur am Monte Limbara auf Sardinien. Von dort hatte Buschbom vor über 25 Jahren einige Exemplare mitgebracht - zu einer Zeit, als die Pflanze noch nicht gefährdet war.

2003 konnten die Würzburger dann dazu beitragen, das an seinem natürlichen Standort durch den Bau einer Hubschrauber-Landefläche inzwischen ausgestorbene Gewächs zu retten: Der Würzburger Garten war der einzige Ort, an dem diese Art überlebt hatte. Für eine langfristige Erhaltungskultur und ein Wiederansiedlungsprojekt am Naturstandort überließ man dem Botanischen Garten Brest, der sich nun vor Ort um die Erhaltung dieser Art kümmert, einige Exemplare des Sandkrokus.

Allerdings gebe es neben solch erfolgreichen Projekten auch Beispiele, bei denen eine langfristige Sicherstellung des Vorkommens in der Natur fehlschlug. Bei der Tagung war es deshalb die Meinung aller Teilnehmer, dass blinder Aktionismus auf diesem Gebiet fehl am Platze sei. Erhaltungskulturen und Wiederansiedlungsprojekte sollten immer gemeinsam mit den regionalen Naturschutzbehörden geplant, koordiniert und wissenschaftlich begleitet werden.

Weitere Informationen: Dr. Gerd Vogg, T (0931) 888-6239, Fax (0931) 888-6207, E-Mail: vogg@botanik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Botanische Erhaltungskultur Gärten Pflanzenart

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Kein Seemannsgarn: Hochseeschifffahrt soll schadstoffärmer werden
11.12.2019 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

nachricht Forschungsgruppe unter Göttinger Leitung untersucht Kohlenstoffsenken und Landnutzung auf Java
10.12.2019 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Im Focus: Highly charged ion paves the way towards new physics

In a joint experimental and theoretical work performed at the Heidelberg Max Planck Institute for Nuclear Physics, an international team of physicists detected for the first time an orbital crossing in the highly charged ion Pr⁹⁺. Optical spectra were recorded employing an electron beam ion trap and analysed with the aid of atomic structure calculations. A proposed nHz-wide transition has been identified and its energy was determined with high precision. Theory predicts a very high sensitivity to new physics and extremely low susceptibility to external perturbations for this “clock line” making it a unique candidate for proposed precision studies.

Laser spectroscopy of neutral atoms and singly charged ions has reached astonishing precision by merit of a chain of technological advances during the past...

Im Focus: Ultrafast stimulated emission microscopy of single nanocrystals in Science

The ability to investigate the dynamics of single particle at the nano-scale and femtosecond level remained an unfathomed dream for years. It was not until the dawn of the 21st century that nanotechnology and femtoscience gradually merged together and the first ultrafast microscopy of individual quantum dots (QDs) and molecules was accomplished.

Ultrafast microscopy studies entirely rely on detecting nanoparticles or single molecules with luminescence techniques, which require efficient emitters to...

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Verbesserte Architekturgläser durch Plasmabehandlung – Reinigung, Vorbehandlung & Haftungssteigerung

11.12.2019 | Architektur Bauwesen

Beleuchtung von Höhlen vertreibt Fledermäuse – die Farbe des Lichts spielt nur untergeordnete Rolle

11.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

„Daten sind Macht“: be top Magazin mit neuer Ausgabe

11.12.2019 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics