Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Signal zum Aufatmen

16.03.2006


Die Luftqualität in den Städten Gießen und Wetzlar hat sich im Zeitraum von 1970 bis 2005 deutlich verbessert. Das hat eine Forschungsgruppe der FH Gießen-Friedberg ermittelt, die von dem Biologen Prof. Dr. Ulrich Kirschbaum geleitet wird. Flechten dienten dem Team dabei als Bioindikatoren zur Bestimmung der Luftgüte.



Weil Flechten empfindlich auf Schadstoffe in der Luft reagieren, ist ihr Wachstum sehr aufschlussreich für Ökologen. Am Vorkommen der unterschiedlichen Arten lässt sich ablesen, ob die Atemluft an einem Standort dauerhaft sauber ist.



Die aktuelle wissenschaftliche Studie der FH Gießen-Friedberg wurde finanziell unterstützt vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Gießen und Wetzlar wurden als Untersuchungsorte gewählt, weil für diese beiden mittelhessischen Städte umfassende Flechtenkartierungen aus früheren Jahrzehnten vorliegen. So kann man die heutige Ergebnisse mit den Werten aus den Jahren 1970, 85 und 95 vergleichen und Erkenntnisse über die Entwicklung der lufthygienischen Situation gewinnen.

Prof. Kirschbaums Team teilte beide Stadtgebiete in Messflächen von jeweils einem Quadratkilometer Ausdehnung ein. Überall dort wurde der Flechtenbewuchs an frei stehenden Laubbäumen untersucht. Während 1970 in beiden Städten nur jeweils fünf verschiedene Flechtenarten, die allesamt sehr robust sind, nachgewiesen wurden, stieg der Bestand in Wetzlar und Gießen bis zum Jahr 2005 auf jeweils rund 50 - zum Teil sehr empfindliche - Arten an. Bei der Erhebung der Daten und deren Auswertung verfuhr man nach den standardisierten Kriterien einer bundesweit gültigen VDI-Richtlinie. So konnte für jede Fläche ein Index ermittelt werden, dessen Spektrum von "sehr hoher" bis "sehr geringer" Luftgüte reicht.

In Wetzlar, speziell im industriellen Nordwesten der Stadt, war 1970 die Belastung der Luft mit Schadstoffen (vor allem Schwefeldioxid) noch so stark, dass dort in manchen Messflächen eine "Flechtenwüste", d.h. keinerlei Flechtenvegetation, festgestellt wurde. Seit 1985 ist dort nun eine schrittweise Verbesserung der Luftgüte zu beobachten: 1995 wurde überwiegend die mittlere Stufe erreicht, und im Jahr 2005 ist eine Tendenz von der mittleren zur hohen Qualität zu erkennen.

Für Gießen ermittelte die Forschungsgruppe eine ähnliche Entwicklung der Belastungssituation. Die Luftgütewerte steigen im untersuchten Zeitraum kontinuierlich an. Die "Rückeinwanderung" empfindlicher Flechtenarten verläuft hier allerdings langsamer als in Wetzlar. Den nahe liegenden Schluss, dass die Vegetation in Gießen einer höheren Schwefeldioxid-Konzentration ausgesetzt ist, widerlegt die Studie allerdings. Der Unterschied besteht vielmehr darin, dass die Luft in Wetzlar verstärkt Kalkstäube enthält, die das toxische Schwefeldioxid neutralisieren. Dadurch verliert es an Gefährlichkeit für Mensch, Tier und Pflanze.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-giessen.de/

Weitere Berichte zu: Flechten Flechtenarten Luftgüte Schwefeldioxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik im Fisch
07.11.2018 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

nachricht Ohne Kunststoff zur Mikroplastik-Jagd: „Rocket“ verbessert Erfassung besonders kleiner Partikel
22.10.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Emulsionen masschneidern

15.11.2018 | Materialwissenschaften

LTE-V2X-Direktkommunikation für mehr Verkehrssicherheit

15.11.2018 | Informationstechnologie

Daten „fühlen“ mit haptischen Displays

15.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics