Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozonloch verschwindet erst in 60 Jahren

09.12.2005


FCKW baut sich nur langsam in der Stratosphäre ab



Nach jüngsten Ergebnissen eines Forscherteams der Geophysical Fluid Dynamics Laboratory in Princeton wird es wesentlich länger dauern, als bisher angenommen, bis das Ozonloch über der Antarktis wieder geschlossen ist. Wenn die jetzige "Erholungsrate" beibehalten wird, wird frühestens in 50 bis 60 Jahren das Ozonloch verschwunden sein, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

... mehr zu:
»Antarktis »FCKW »Ozonloch »Stratosphäre


Die Gründe dafür sind die großen Mengen von FCKW, die sich langfristig in der Stratosphäre halten, erklären die Forscher um John Austin, die beim jährlichen Treffen der American Geophysical Union in San Francisco die Ergebnisse präsentierten. Andere Experten sind nach verschiedenen Modellberechnungen zu ähnlichen Daten gekommen. Eine ausgedünnte Ozonschicht in der Antarktis bedeutet, dass mehr UV-Licht ungeschützt auf die Erdoberfläche fällt. Das erhöht beispielsweise das Hautkrebs- und andere Krankheitsrisiken.

"Wir blicken nun auf einen Zeitpunkt um 2065", erklärt Austin. Das sei immerhin rund 15 Jahre später als bisher angenommen. Die Produktion von FCKW wurde im Montrealer Protokoll 1987 verboten. Dennoch sind auch danach immer noch viele alte Kühlschränke, Feuerlöscher, Klimaanlagen und andere Geräte im Umlauf. "Wahrscheinlich geben diese Geräte immer noch genug FCKW ab", meint Dale Hurst von der National Oceanic and Atmospheric Administrations Global Monitoring Division in Boulder/Colorado. Nach Messungen, die Hurst von niedrig fliegenden Flugzeugen über die USA und Kanada aus gemacht hat, befindet sich immer noch ein großer Teil von FCKW in der Luft. "Dabei dachten wir, dass dies längst verschwunden wäre", so Hurst.

Auch das Team um Austin kam zu ähnlichen Ergebnissen. In ihren Computermodellen wurde eine deutliche Verlangsamung des Ozonabbaus erkennbar. Um 2065 wird sich das Ozonloch über der Antarktis auf jene Werte vor 1980 einpendeln, beim kleineren Ozonloch über der Arktis wird dies in etwa 25 Jahren der Fall sein. "Der Aufbau der Ozonschicht liegt nicht mehr in unseren Händen, da die FCKW verboten sind", meint der Experte Paul Newman vom NASA Goddard Space Center in Greenbelt/Maryland. Das Ozonloch über der Antarktis wird nach jüngsten Messungen 24,3 Mio. Quadratkilometer groß sein und seine größte Ausdehnung zwischen September und Oktober haben. Als einzige positive Nachricht meinen die Forscher sei die Tatsache zu werten, dass das Ozonloch um zwei Mio. Quadratkilometer kleiner sei als im Rekordjahr 1998. Allerdings ist es signifikant größer als 2004. Die neuen Erkenntnisse werden beim kommenden Treffen der World Meteorological Organization im Jahr 2006 diskutiert werden.

"Die Vorhersagen der Forscher sind deutlich nachvollziehbar", erklärt der Klimaexperte Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur in Wien gegenüber pressetext, der betont, dass der FCKW-Stopp zu den großen Erfolgen der Umweltpolitik zählte. "Allerdings gibt es immer noch eine FCKW-Produktion und auch die Freisetzung aus Mülldeponien", so der Wissenschaftler. "Im Vergleich zur Klimaänderung passiert diese Stabilisierung verhältnismäßig schnell", gibt Formayer zu bedenken. "Was allerdings klar mit hineinspielt ist die Tatsache, dass eine Erwärmung der Troposphäre zu einer Abkühlung der Stratosphäre führt, die damit den Prozess der Ozonvernichtung unterstützt", erklärt der Experte abschließend. Formayer hat gemeinsam mit Helga Kromp-Kolb das "Schwarzbuch Klimawandel" publiziert. (pte berichtete http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=050416005 )

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com
http://www.boku.ac.at

Weitere Berichte zu: Antarktis FCKW Ozonloch Stratosphäre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Kohlenstoffbilanz im tropischen Regenwald des Amazonas
11.11.2019 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Absinkende Luftpakete mitverantwortlich für Hitzewellen
08.11.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Antibiotikum gegen Problemkeime in Sicht

Internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Gießen entdeckt neuen Wirkstoff gegen gramnegative Bakterien – Darobactin attackiert die Erreger an einem bislang unbekannten Wirkort

Immer mehr bakterielle Erreger von Infektionskrankheiten entwickeln Resistenzen gegen die marktüblichen Antibiotika. Typische Krankenhauskeime wie Escherichia...

Im Focus: Machine learning microscope adapts lighting to improve diagnosis

Prototype microscope teaches itself the best illumination settings for diagnosing malaria

Engineers at Duke University have developed a microscope that adapts its lighting angles, colors and patterns while teaching itself the optimal...

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Datenübertragung mit Ultraschall am Handy: neue Methode zur Nahfeldkommunikation

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Rasante Entstehung von Antibiotikaresistenzen im Behandlungsalltag

21.11.2019 | Medizin Gesundheit

Gesundheits-App als Fitness-Coach für Familien

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics