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Island - zwischen Walfang und Walbeobachtung

23.08.2001


Gestern, 22. August 2001, endete der dreitägige Islandbesuch der Bundesministerin Renate Künast. Nicolas Entrup, Sprecher der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS), begleitete die deutsche Delegation und zieht positive Bilanz über die Gespräche vor Ort, die vorwiegend das Thema "Walfang versus Walschutz" aber auch die Fischereipolitik im Allgemeinen zum Inhalt hatten.

"Die Ministerin machte deutlich, dass Deutschland gerade in der Walbeobachtung die künftige Nutzung der Wale sieht, nicht in der Tötung", berichtet Entrup. Nach Beendigung des Walfangs in Island (1989) entwickelte sich in Island eine der am rasantesten anwachsenden Walbeobachtungsindustrien Europas. Suchten im Jahr 1991 gerade einmal 100 Personen die Begegnung mit den Meeressäugern, so erfreuten sich im vergangenen Jahr etwa 44.000 Menschen an dem Naturschauspiel. Ein der Internationalen Walfangkommission (IWC) 1999 vorgelegtes Dokument der WDCS belegt, dass die aus der Walbeobachtung erwirtschafteten Einnahmen jenen aus Walfangzeiten zwischen 1986 und 1989 gleich kommen und diese seit vergangenem Jahr sogar übertreffen. Die Einnahmen aus der Saison 2000 werden mit etwa 18 Millionen DM beziffert. Der Walboom auf der Insel aus Feuer und Eis ist für die regionale aber auch nationale Ökonomie ein kaum noch wegzudenkender Faktor.

"Die Ministerin setzte ein positives Zeichen, als Sie gemeinsam mit dem isländischen Fischereiminister Dienstag Nachmittag an einem Walbeobachtungsausflug teilnahm und dabei einige Zwergwale beobachten konnte", berichtet Entrup. Vor Husavik, die Walbeobachtungsmetropole im Norden Islands, kann man in den Sommermonaten zahlreiche Walarten, darunter Buckelwale, Finnwale und Zwergwale beobachten. "Die in isländischen Gewässern vorkommenden nördlichen Zwergwale sind jene Walart, die jährlich zu Hunderten von norwegischen Walfängern getötet werden", fügt Entrup hinzu.

Bei der im Juli stattfindenden Tagung der IWC wurde der Beitritt Islands unter Vorbehalt gegenüber dem kommerziellen Walfangverbot abgelehnt. Island, das auch die Anhang I - Listung einiger Walarten im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) nicht anerkennt und sich somit das Recht auf kommerziellen Handel mit Walprodukten vorbehält, zieht die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs in Erwägung. Das isländische Meeresforschungsinstitut empfiehlt der Regierung, jährlich 250 Zwergwale und 200 Finnwale zu töten. Entrup sieht darin "eine Empfehlung, die nicht nur den grausamen Tod Hunderter Wale zur Folge hätte, sondern auch dem Image Islands enorm schadet".

Im Herbst sollen die bilateralen Verhandlungen fortgesetzt werden.

Nicolas Entrup | ots
Weitere Informationen:
http://www.walfang.org/

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