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Messung der Artenvielfalt mittels Flechten

22.02.2005


Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in der Schweiz hat herausgefunden, dass Flechten ein idealer Indikator für Artenvielfalt sind.



Obwohl Forscher immer wieder neue Arten entdecken, ist die genaue Anzahl nicht bekannt. Wir wissen jedoch, dass Arten mit alarmierender Geschwindigkeit aussterben, ein Phänomen, dessen Ursache oft in den Handlungen der Menschen gesehen wird.



Die schwindende Artenvielfalt könnte drastische Auswirkungen auf das empfindliche Gleichgewicht der ökologischen Systeme und deren Bewohner haben. In einem Versuch, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben mehr als 150 Länder 1992 auf dem Erdgipfel in Rio das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity) unterzeichnet. In jüngerer Zeit wurde in Europa eine eigene Strategie zum Schutz der Artenvielfalt aufgestellt, die sich um die Erkennung und Verhinderung der Verringerung der Artenvielfalt bemüht.

Bei einem im Rahmen des EESD-Programms geförderten Projekt wurde das Potenzial unterschiedlicher Arten als Indikatoren für Artenvielfalt untersucht. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat sich dabei insbesondere den Flechten gewidmet. Flechten bilden eine Symbiose aus Algen und Pilzen. Aus evolutionsgeschichtlicher Sicht gibt es sie bereits seit Millionen von Jahren. Sie kommen auf der ganzen Erde in zahlreichen verschiedenen Ökosystemen vor.

In der Abschlussanalyse zeigte sich, dass Flechten sich im Gegensatz zu anderen Arten ideal als Indikatoren für Artenvielfalt eignen. Dies hat mehrere Gründe. Aufgrund ihrer Stellung im Ökosystem geben Flechten Informationen über die Verschiedenartigkeit zahlreicher anderer Arten - von Pflanzen und Insekten bis hin zu kleinen Wirbeltieren wie z.B. Vögeln. Der Bezug zur Artenvielfalt im Boden ist hingegen nur schwach ausgeprägt.

Flechten können das ganze Jahr über gut beobachtet werden. Da sie sich nicht fortbewegen können, können sie auch relativ kurzfristig untersucht werden. Bei anderen Arten ist das nicht so einfach. Schmetterlinge machen zum Beispiel lange Ruheperioden durch, während Vögel im Winter in andere Gebiete ziehen. Zu guter Letzt stellte sich noch heraus, dass Flechten auch Aufschluss über die Kontinuität der Landnutzung geben können, indem sie durch wichtige Anzeichen die Fragmentierung von Arten in Bezug auf abrupte Veränderungen bei der Landnutzung setzen.

Die WSL hat eine umfangreiche Datenbank zusammengestellt, in der mehrere Hundert Flechtenarten enthalten sind. Diese wurden aus über einhundertsechzigtausend Exemplaren gewonnen, die unter Nutzung eines genormten Protokolls in acht europäischen Ländern gesammelt wurden. In dieser Datenbank finden sich auch Informationen zur Landnutzung. Software-Tools zur statistischen Auswertung sind ebenfalls verfügbar.

Christoph Scheidegger | ctm
Weitere Informationen:
http://www.wsl.ch

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