Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmilzt das Eis an den Polen?

29.05.2001


Satelliten-Mission CryoSat soll klären, ob die Eismassen der Erde zu- oder abnehmen. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung treffen sich am 28. und 29. Mai mit 25 deutschen Kollegen zur Projektvorbereitung in Bremerhaven

... mehr zu:
»Eismasse »Polar »Satellit

In letzter Zeit verwirren immer wieder Meldungen im Zusammenhang mit der befürchteten Klimakatastrophe: "Die Eismassen der Erde schmelzen." Viele Wissenschaftler im In- und Ausland, die sich näher mit diesem Thema beschäftigen, zweifeln diese Vermutung an, da es nur unzureichende direkte Beobachtungen von Veränderungen der Eismassen gibt. Aufgrund der gewaltigen Größe der Arktis und Antarktis lassen sich flächendeckende Beobachtungen der Eiskörper nur von Satelliten aus durchführen. Diese konnten aber bisher lediglich die Ausdehnung des Eises, nicht aber seine Dicke bestimmen.

Präzise Informationen über den gesamten Eisvorrat der Erde erhoffen sich die Wissenschaftler von dem Satelliten CryoSat der ESA (European Space Agency), der im Jahr 2003 in Betrieb gehen soll. Um ihre Vorstellungen zum Verlauf der Mission und der anschließenden Auswertung zu definieren, treffen sich 25 deutsche Wissenschaftler der Universitäten Dresden, Freiburg, Trier, Darmstadt, Münster, München und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR, Oberpfaffenhofen) sowie Vertreter der ESA heute und morgen im Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Mit klaren Vorgaben wird es den deutschen Wissenschaftlern möglich sein, maßgeblichen Einfluss auf die internationale Mission zu nehmen.


Keine verlässliche Aussage über globale Eismenge
Tatsächlich zeigen Daten amerikanischer Wettersatelliten, dass die Ausdehnung des Meereises in der Arktis in den letzten dreißig Jahren an den Rändern um etwa neun Prozent abgenommen hat. Meereis ist jedoch nur eine ein bis vier Meter dicke Schicht gefrorenen Meerwassers, die den Arktischen Ozean und den Südozean rund um den antarktischen Kontinent bedeckt. Beobachtungen der Flächenausdehnung ermöglichen noch keine Aussagen über das Volumen. Dazu ist zusätzlich die Bestimmung der Mächtigkeit nötig. Dickenmessungen des Meereises wurden bisher in der Arktis nur sehr sporadisch von Bord militärischer Atom-U-Boote durchgeführt. Obwohl auch diese räumlich begrenzten Messungen eine Dickenabnahme seit den fünfziger Jahren andeuten, lassen sie keine Aussagen über die gesamten Eismassen zu. In der Antarktis hat die Meereis-Bedeckung in den letzen dreißig Jahren leicht zugenommen. Über die Mächtigkeit und damit das Gesamtvolumen gibt es auch hier bis heute keine Informationen.

Eispanzer der Antarktis bleibt unbekannte Größe
Im Gegensatz zum Meereis besteht das Landeis Grönlands und des antarktischen Kontinents aus Gletschereis, das sich aus gefallenem Schnee gebildet hat. Dieses Eis ist bis zu vier Kilometer mächtig und teilweise mehrere hunderttausend Jahre alt. Es beinhaltet 95 Prozent der Süßwasservorkommen der Erde. Ein Abschmelzen würde zu einem Meeresspiegelanstieg von mehr als sechzig Metern führen. Bekannt ist jedoch, dass die Fläche dieser Eismassen weitgehend konstant ist. Volumenänderungen sind unbekannt.


Neuartiges Satellitenradar kann Eisdicke messen
Um eine bessere Abschätzung der gesamten Meer- und Landeismassen zu ermöglichen, wurde die Radaraltimeter-Mission CryoSat konzipiert. Dies ist die erste Mission im sogenannten "Earth Opportunity Missions" Programm der ESA, welches mit relativ kleinen und kostengünstigen Satelliten begrenzte, rein wissenschaftliche Probleme lösen soll. Mit Radaraltimetern kann man die Höhen der Erdoberfläche bestimmen. Dabei werden Radarwellen zur Erde ausgestrahlt und die Laufzeit bis zu ihrer Reflexion zum Satelliten zurück gemessen. Der Satellit CryoSat hat ein neuartiges Radaraltimeter (SIRAL: Synthetic Aperture Interferometric Radar Altimeter) an Bord, mit dem eine Messgenauigkeit von ein bis drei Zentimetern bei der Dicke des Meereises und für die Höhe der Landeismassen angestrebt wird. Diese sehr hohe räumliche Auflösung würde es beispielsweise ermöglichen, einzelne Eisschollen zu unterscheiden. Außerdem kann dieses Altimeter die stark geneigten Ränder der Eisschilde genau erfassen, die sich bislang nur unzureichend von Satelliten aus vermessen ließen. CryoSat wird der erste Satellit mit diesem Messinstrument sein.

Erste gesicherte Erkenntnisse in fünf bis acht Jahren
CryoSat soll Ende 2003 gestartet werden. Für die Dauer der Mission von drei bis sechs Jahren werden dann Beobachtungen der Zu- oder Abnahme der Eisdicken vorliegen. CryoSat wird von der Astrium GmbH in Friedrichshafen am Bodensee gebaut. Deutsche Wissenschaftler waren maßgeblich bei Planung, Konzeption und Durchsetzung der Mission beteiligt. Die weiteren Vorbereitungen werden von einer internationalen wissenschaftlichen Leitungsgruppe durchgeführt, zu der auch Professor Dr. Heinz Miller, Professor Dr. Peter Lemke und Dr. Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung gehören. Um die CryoSat-Daten regelmäßig mit Messdaten aus den Polargebieten zu vergleichen und ihre Genauigkeit zu kontrollieren, sind Expeditionen unerlässlich. Aufgrund der logistischen Möglichkeiten des Alfred-Wegener-Instituts mit Landstationen, Forschungsflugzeugen und dem Eisbrecher Polarstern werden deutsche Gruppen wichtige Funktionen im Rahmen der Gesamtmission übernehmen. Die jetzt in Bremerhaven stattfindenden Diskussionen werden außerdem zu einer Koordination der zukünftigen Forschungsprojekte mit CryoSat-Daten beitragen.

Dr. Claudia Müller | idw

Weitere Berichte zu: Eismasse Polar Satellit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Meeresschutzgebiete nicht sicher - Grundschleppnetzfischerei gefährdet viele Arten
21.12.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen: Forscher der Zuse-Gemeinschaft liefern Lösungen
20.12.2018 | Zuse-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Im Focus: Nanocellulose for novel implants: Ears from the 3D-printer

Cellulose obtained from wood has amazing material properties. Empa researchers are now equipping the biodegradable material with additional functionalities to produce implants for cartilage diseases using 3D printing.

It all starts with an ear. Empa researcher Michael Hausmann removes the object shaped like a human ear from the 3D printer and explains:

Im Focus: Roter Riesenvollmond in den Morgenstunden des 21. Januar

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Frühaufsteher sind diesmal im Vorteil: Wer am Morgen des 21. Januar 2019 vor 6:45 Uhr einen Blick an den Himmel wirft, kann eine totale Mondfinsternis bestaunen. Dann leuchtet der sonst so strahlende Vollmond zwischen den Sternbildern Zwillingen und Krebs glutrot.

Um das Finsternis-Spektakel in seiner gesamten Länge zu verfolgen, muss man allerdings sehr früh aus dem Bett: Kurz nach 4:30 Uhr beginnt der Mond sich langsam...

Im Focus: Atomarer Mechanismus der Supraschmierung aufgeklärt

Das Phänomen der sogenannten Supraschmierung ist bekannt, es war jedoch auf atomarer Ebene bislang nicht zu erklären: Wie entsteht die extrem niedrige Reibung beispielsweise in Lagern? Forscherinnen und Forscher der Fraunhofer-Institute IWM und IWS entschlüsselten gemeinsam einen universellen Mechanismus der Supraschmierung bei bestimmten diamantähnlichen Kohlenstoffschichten in Verbindung mit organischen Schmierstoffen. Auf dieser Wissensbasis ist es nun möglich, Designregeln für supraschmierende Schicht-Schmierstoff-Kombinationen zu formulieren. Die Ergebnisse präsentiert ein Artikel der Zeitschrift Nature Communications, Ausgabe 10.

Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität ist, Reibung zu minimieren. Diesem wichtigen Vorhaben widmen sich...

Im Focus: Elucidating the Atomic Mechanism of Superlubricity

The phenomenon of so-called superlubricity is known, but so far the explanation at the atomic level has been missing: for example, how does extremely low friction occur in bearings? Researchers from the Fraunhofer Institutes IWM and IWS jointly deciphered a universal mechanism of superlubricity for certain diamond-like carbon layers in combination with organic lubricants. Based on this knowledge, it is now possible to formulate design rules for supra lubricating layer-lubricant combinations. The results are presented in an article in Nature Communications, volume 10.

One of the most important prerequisites for sustainable and environmentally friendly mobility is minimizing friction. Research and industry have been dedicated...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung zu Antibiotikaresistenzen

15.01.2019 | Veranstaltungen

Lasersymposium Elektromobilität in Aachen

11.01.2019 | Veranstaltungen

Die Rolle des Menschen in der digitalisierten Arbeitswelt

10.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Multiple Sklerose: Hilfe zur zellulären Selbsthilfe

15.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Tagung zu Antibiotikaresistenzen

15.01.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

15.01.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics