Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erhöhter Quecksilbereintrag in die Antarktis

08.02.2001


... mehr zu:
»Antarktis »Arktis »Polar »Quecksilber
Die Polregionen der Erde sind die letzten großflächigen "Reinraumgebiete" unserer Erde. Dennoch lassen sich giftige und langlebige Substanzen in Luft- und Schneeproben der Arktis und Antarktis als Spuren
des menschlichen Handelns nachweisen. Aus den stark industrialisierten, gemäßigten Breiten werden diese Schadstoffe vornehmlich über den Luftpfad herantransportiert und reichern sich dann an den Kältepunkten unserer Erde an.
Forschern des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht GmbH gelang es jetzt erstmalig, sogenannte "atmosphärische Quecksilbereinbrüche" in der Antarktis nachzuweisen. Dieses vor kurzem erst in der kanadischen Arktis beobachtete Phänomen führt vermutlich zu einem verstärkten Eintrag von Quecksilber aus der Atmosphäre in die polaren Ökosysteme.
In Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie der Universität Jena konnte gezeigt werden, dass kurz nach Beginn des antarktischen Frühlings die Konzentration des Quecksilbers in der Luft deutlich unter den Jahresmittelwert, bis an die Nachweisgrenze der Messmethode, absinkt. Es wird angenommen, dass über eine Kette von atmosphärenchemischen Reaktionen das gasförmige Quecksilber aus der Luft entfernt und in die darunter liegenden Schnee,- Eis- und Meeresoberflächen eingetragen wird.
Da dieser Vorgang mit der Intensität der Sonneneinstrahlung gekoppelt ist, sind verstärkte Quecksilbereinträge insbesondere in der sensiblen Periode des antarktischen Frühlings zu erwarten, wenn das Ökosystem nach der langen Polarnacht wieder erwacht. Nach der Deposition kann das Quecksilber in die Nahrungskette gelangen, wo es sich stark anreichert und in das hochgiftige Methylquecksilber umgewandelt wird.
Die GKSS-Forscher haben im Januar 2000, also im antarktischen Sommer, Messgeräte an der deutschen Forschungsstation Neumayer installiert. Das Messprogramm steht jetzt kurz vor dem Abschluss, und der erste, in der Antarktis gemessene, Jahresgang der atmosphärischen Quecksilberkonzentrationen liegt den Geesthachter Analytikern im Institut für Küstenforschung vor. Eine erste, vorsichtige Abschätzung ergibt, dass im Zeitraum von Mitte August bis Mitte November etwa 40 Tonnen Quecksilber aus der Atmosphäre in das Gebiet der Antarktis eingetragen werden.
Eine Erklärung für dieses bislang nur in der Arktis beobachtete Phänomen könnte sein, dass Chlor- und Brom-Atome an chemischen Reaktionen mit bodennahem Ozon beteiligt sind und die daraus entstehenden Bromoxid-Moleküle mit dem Quecksilber in der Luft reagieren, so dass dieses in eine weniger flüchtige und besser deponierbare Form überführt wird.
In den Anrainerstaaten der Arktis haben ähnliche Ergebnisse dazu geführt, dass in einer internationalen Kooperation Messstellen für atmosphärisches Quecksilber nördlich des Polarkreises in Kanada, Alaska, Norwegen und in Kürze auch Russland eingerichtet werden bzw. wurden.
Die Antarktisstation Neumayer wird vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ganzjährig betrieben und ist hinsichtlich ihrer technischen Infrastruktur und des etablierten Messprogramms zur Zeit wohl die bedeutendste Beobachtungsplattform für luftchemische Untersuchungen in der Antarktis. In diesen Wochen wird dort der Abschluss der GKSS-Quecksilbermessungen vorbereitet. In Zusammenarbeit mit der Universität Jena werden weitere luftchemische Untersuchungen durchgeführt, die auch Messungen an Bord des Polarflugzeugs POLAR 4 des AWI beinhalten, um so erstmalig Informationen über die vertikale und horizontale Verteilung des Quecksilbers in der Antarktis zu erhalten.

Weitere Informationen erhalten Sie:
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
- Institut für Küstenforschung -
Dr. Ralf Ebinghaus
Tel.: 04152-87 2354
Fax: 05152-87 2332
E-Mail: ralf.ebinghaus@gkss.de

Hans-Friedrich Christiansen | idw

Weitere Berichte zu: Antarktis Arktis Polar Quecksilber

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Umweltressourcen nachhaltig nutzen
17.07.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Mikroplastik – überall und in großen Mengen
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics