Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Weg zu sauberen Gewässern

10.06.2008
Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutierten über Strategien zur Reinhaltung unserer Gewässer

Die meisten Seen, Flüsse und Küstengewässer sind derzeit in keinem guten ökologischen Zustand: Ein zu hoher Nährstoffgehalt führt zu einem starken Algenwachstum - man spricht von Eutrophierung. Zersetzen sich diese Algen, wird massiv Sauerstoff verbraucht. Das Gewässer beginnt zu "kippen" - es stinkt und die Fische sterben. Zudem verursachen die Algen eine Trübung des Wassers, wodurch sich viele Arten aufgrund des Lichtmangels nicht entwickeln können.

Wie kann man hier entgegenwirken? Darüber diskutierten Anfang Juni Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung beim "1. Dialog am Müggelsee", den das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei ins Leben gerufen hat. Dr. Horst Behrendt vom IGB stellte fest: "Die Reduzierung von Stickstoff und Phosphor ist unser erstes Ziel. Wir müssen jedoch zunächst die Verursacher identifizieren, um effektive Handlungsstrategien zu entwickeln." Die Havel trage beispielsweise nur drei bis vier Prozent der Stickstofffracht der Elbe bei. Eine Reduktion des Stickstoffeintrags in die Havel habe daher nur sehr geringe Auswirkungen auf die Belastung der Küstengewässer.

Für Dr. Volker Mohaupt vom Umweltbundesamt (UBA) ist der Hauptverursacher klar: "64 Prozent der Stickstoffeinträge der Elbe stammen aus der Landwirtschaft. Hier brauchen wir strengere Richtlinien." Mohaupt führte als Vorbild die dänische Düngeverordnung an: "Will ein Landwirt mehr Mineraldünger ausbringen als die Düngeverordnung zulässt, muss er dafür das Dreifache des Weltmarktpreises zahlen. Somit ist das Überdüngen wirtschaftlich unattraktiv."
... mehr zu:
»Alge »Gewässer »Nährstoff

Doch auch Klärwerke leiten Nährstoffe in die Gewässer. Jede weitere Verschärfung der Grenzwerte für den Nährstoffeintrag erfordert neue technologische Verfahren, die eine Erhöhung der Wassergebühren zur Folge haben können, wie Norbert Schmidt vom Vorstand der Berliner Wasserbetrieben betonte.

Neben einer Optimierung des Kläranlagenbetriebes können durch gezielte Revitalisierung von Bächen und Flüssen Nährstoffe verstärkt zurückgehalten und zugleich die biologische Vielfalt gefördert werden. Prof. Peter Krebs, der sich an der TU Dresden mit Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt, forderte daher neue integrierende Ansätze bei der Abwassereinigung, welche die natürlichen Leistungen der Gewässer mit einbeziehen.

Allgemein gültige Grenzwerte können Wissenschaftler nicht immer angeben, sondern sie sollten gewässerspezifisch festgelegt werden. Wird etwa zuviel Nitrat in belasteten Seen entfernt, kann es zu einer verstärkten Freisetzung von Phosphor aus den Sedimenten und zu Blaualgenblüten kommen. Daher wird überlegt, Nitrat gezielt zum Management von Seen einzusetzen - wobei eine zu hohe Nitratkonzentration wiederum die Artenvielfalt verringert. Allerdings kann es ökologisch und ökonomisch Vorteile bringen, den Nitratgehalt des Abwassers auf einem bestimmten Niveau beizubehalten.

Diese vielschichtigen Zusammenhänge machen es den Entscheidungsträgern nicht leicht. Norbert Schmidt von den Berliner Wasserbetrieben hatte sich vom Dialog am Müggelsee schnelle und klare Ergebnisse gewünscht. "Doch die Zusammenhänge sind komplex. Ich als Manager muss einsehen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht von heute auf morgen zu bekommen sind und nur Entscheidungshilfen bieten, aber keinen eindeutigen Weg vorzeichnen." IGB-Direktor Prof. Klement Tockner stellte fest: "Wir wollen die Diskussion und den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik fördern, um möglichst gute Handlungsstrategien zu entwickeln - zum Nutzen für Mensch und Natur."

Gesine Wiemer

Kontakt:
Prof. Dr. Gunnar Nützmann
Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Tel.: (030) 641 81 661
E-Mail: nuetzmann@igb-berlin.de

Gesine Wiemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Alge Gewässer Nährstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ohne Kunststoff zur Mikroplastik-Jagd: „Rocket“ verbessert Erfassung besonders kleiner Partikel
22.10.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Artenvielfalt kann Ökosysteme auch destabilisieren
18.10.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was die Zelle entarten lässt

23.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Zukunft der Energieversorgung: Kombinierter Energiespeicher als Schlüsseltechnologie

23.10.2018 | Energie und Elektrotechnik

Ein Gespenst am Südhimmel

23.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics