Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfurter Deklaration Urbio 2008

27.05.2008
Die Internationale Konferenz Urban Biodiversity and Design - Implementing the Convention on Biological Diversity in towns and cities (Urbio 2008_ Biologische Vielfalt und nachhaltige Stadtgestaltung) hat am 23. Mai 2008 in Erfurt eine Deklaration verabschiedet, in der die Politik auffordern, die Biologische Vielfalt in Städten ebenso in das Arbeitsprogramm der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) aufzunehmen wie den Klimawandel. Die Wissenschaftler haben in Erfurt ein internationales Netzwerk für Bildung und Forschung "Urbio" gegründet.

Im Erfurter Kaisersaal hatten sich mehr als 400 Wissenschaftler aus 50 Ländern der Erde in einer viertägigen Tagung mit fünf Arbeitsschwerpunkten befasst: 1. Biologische Vielfalt in Städten und ihre Bewertung; 2. Kulturelle Aspekte der Biologischen Vielfalt in Städten; 3. Soziale Aspekte der Biologischen Vielfalt in Städten; 4. Biologische Vielfalt in Städten und Klimawandel sowie 5. Gestaltung und Zukunft der Biologischen Vielfalt in Städten.

Die Tagung war im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Fachhochschule Erfurt mit Unterstützung des BfN und Mitteln des BMU vorbereitet worden. Der Urbio 2008- Organisator Dr. Norbert Müller, Stadtökologe und Naturschutzprofessor/ FH Erfurt, wurde vom CBD-Generalsekretär vom 26. - 29. Mai nach Bonn zur UN- Artenschutzkonferenz eingeladen, um die Deklaration und Ergebnisse dort direkt in die Verhandlungen einzubringen.

Nachfolgend Langfassung mit . Rückfragen Prof. Dr. Müller: 0179 5123761
Ergebnisse der Erfurter Artenschutzkonferenz Urbio 2008
Arbeitsschwerpunkte und Ergebnisse der Tagung
Die Tagung umfasste 5 Arbeitsschwerpunkte mit 20 thematischen Symposien (120 Vorträge und 110 Posterpräsentationen) sowie 5 Fachexkursionen (1. Tagungsstadt Erfurt, 2. und 3. UNESCO Weltkulturerbe Ilmpark Weimar und Wartburg, 4. Hauptstadt Berlin, 5. Nationalpark Hainich)

1. Biologischen Vielfalt in Städten und ihre Bewertung

Hier ging es um die Bewertung der Wildpflanzen -und -tiere und ihrer Lebensräume in Städten sowie der ökologischen Dienstleistungen der biologischen Vielfalt.

Städte weisen eine erstaunlich hohe Vielfalt auf, die mehr zu bieten hat als viele Schutzgebiete. Viele dieser Stadt-Arten werden aktiv von den Stadtbewohnern erlebt: Tauben, Eichhörnchen, Enten, Schwäne. Auch stark gefährdete Arten wie die Fledermäuse, Igel, Turmfalke, Eisvogel ("Kolibri Europas" hinter der Krämerbrücke in Erfurt) sind in unseren Städten heimisch geworden. Städte entwickeln sich häufig in Hotspots der Biologischen Vielfalt. Sie sind deshalb häufig selbst Hotspots der Biologischen Vielfalt - z.B. in Erfurt 1200 Pflanzenarten (im Umland nur 300 - 400), in Kapstadt 9500 Pflanzenarten, in Berlin 60 % aller in Deutschland vorkommenden Vogelarten.

2. Kulturelle Aspekte der Biologischen Vielfalt in Städten

Hier ging es um die Bewertung der vom Menschen geschaffenen Natur in Städten wie Zier- und Kulturpflanzen sowie Parkanlagen und Gärten. Beispielsweise weisen alte Parkanlagen eine deutliche höhere Vielfalt auf wie viele unser Wälder und landwirtschaftlichen Flächen. z. B.UNESCO Weltkulturerbe Ilm- Park. Zierpflanzen sind wie Kulturpflanzen das Ergebnis einer z. T. jahrhundertelangen Evolution und haben darum die gleiche Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt wie Nutzpflanzen -Beispiel in Erfurt gezüchtete Pfingstrosen (EF als altes Zentrum der Gartenkultur). In der Neuen Welt sind dagegen mit den europäischen Siedlern eingeführte Pflanzen z. B. Ahorn in Nordamerika eine große Gefahr für die biologische Vielfalt (Biologische Invasionen).

3. Soziale Aspekte der Biologischen Vielfalt in Städten

Hier wurde die Bedeutung der Biologischen Vielfalt in Städten für die Menschen unter-sucht. Die Nutzung von Natur in Städten ist weltweit von unterschiedlicher (Kleingärten, Naturerfahrungsräume, Ecocycles). Nur wenn Menschen Biologische Vielfalt als Bestandteil ihrer Lebensqualität unmittelbar nutzen und erleben können und als Wert schätzen, werden sie sich auch für deren Schutz einsetzen (vgl. Hintergrund der CBD).

Da die meisten Menschen in Städten leben, ist die biologische Vielfalt in Städten der Schlüssel für die Zukunft der globalen biologischen Vielfalt. Das lokale Engagement des einzelnen Stadtbewohners ist entscheidend. Nicht Fernsehsendungen über gefährdete Arten wie Eisbär Knut oder Tiger und Gorilla regen die Menschen zum Handeln an, sondern die Erfahrungen mit der Biologischen Vielfalt vor der Haustüre und in ihrem Garten (allgemein im Stadtumfeld).

Bisher wurde innerhalb des Arbeitsprogramms der CBD versäumt, dass Artenschutz nur dann erfolgreich ist, wenn die Menschen lokal zum Handeln aufgefordert werden und sie den Nutzen ihres Handelns auch direkt erleben. Vielfältige Aktionen eröffnen neue Wege der Bürgerbeteiligung: "Wiese statt Rasen", "Interkulturelle Gärten", Kunst in Industriebrachen (z.B. Zeche Zollverein), Industriewaldprojekte (Black Forrest), Naturerlebnisräume, Kleingärten, Entente Florale "Erfurt blüht",.

4. Biologische Vielfalt in Städten und Klimawandel

Städte nehmen mit bis zu 2°C erhöhter Jahresdurchschnittstemperatur den Klimawandel vorweg (Modellökosysteme für die Auswirkungen des Klimawandels auf die biolog. Vielfalt). Die Lage und Gestaltung von Grünflächen in Städten kann ganz wesentlich dieser Überhitzung entgegensteuern.

5. Gestaltung und Zukunft der Biologischen Vielfalt in Städten

Hier wurden "Best practise Projekte" aus verschiedene Ebenen der ökologischen Stadtgestaltung behandelt wie
- Stadtplanung für die biologische Vielfalt
- Schnellwachsende Städte - Herausforderungen für die Biodiversität
- Schrumpfende Städte - Chancen für die Biologische Vielfalt
- Ökologische Planung und Gestaltung für die biologische Vielfalt
- Einbeziehung der Stadtbewohner bei der Planung
Dieser größte Arbeitsbereich der Tagung setzte neue Maßstäbe für eine nachhaltige Stadtplanung unter den globalen Herausforderungen Verlust der globalen Artenvielfalt und Klimawandel. Der Globalisierung der Grüngestaltung in Städten mit weltweit der gleichen Pflanzenverwendung

Als erstes Ergebnis der Tagung wurde eine Deklaration verabschiedet, die an die Teilnehmer der COP 9 gerichtet ist und folgende zentrale Forderungen stellt:

Allgemeine Forderungen
Das öffentliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt in Städten muss geweckt werden.
Die Bildung auf dem Sektor biologische Vielfalt und Stadtgestaltung muss verstärkt gefördert werden.
Interdisziplinäre, langfristig angelegte Forschung zur biologischen Vielfalt in Städten ist zu fördern, um das Verständnis der Interaktionen zwischen Mensch, urbaner und globaler Biodiversität zu verbessern.
Der Dialog zwischen Forschern, Planern, Politikern und Bürgern muss intensiviert wer-den, um aktuelle Forschungsergebnisse in die Stadtgestaltung zu integrieren.
Folgende Institutionen sind aufgefordert, die genannten Maßnahmen umzusetzen:
Wissenschaftliche Einrichtungen, Netzwerke und Arbeitsgruppen sollen die internationale Zusammenarbeit verstärken und ausbauen, die sich mit dem Vergleich der biologischen Vielfalt in Städten und deren Auswirkungen auf das Umland beschäftigt.
Nationale und internationale Behörden und Institutionen sollen Forschung und "best practice" Methoden hinsichtlich biologischer Vielfalt und nachhaltiger Stadtgestaltung unterstützen und fördern.
Regierungen und Naturschutzbehörden sollen nationale Zentralstellen einrichten, die Informationen zur biologischer Vielfalt und Stadtgestaltung sammeln, koordinieren und überwachen (Monitoring).
Lokale Behörden sollen den Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt mit nach-haltiger Stadtentwicklung verbinden.
Weiteres Vorgehen:
Zur Umsetzung der vorgenannten Forderungen muss ein neues Arbeitsprogramm innerhalb der CBD eingerichtet werden.

Die Wissenschaftler haben in Erfurt ein internationales Netzwerk für Bildung und Forschung "Urbio" gegründet, das in 2 Jahren beim nächsten Treffen der Vereinten Natio-nen - der COP 10 in Japan - die Konferenz Urbio 2010 ausrichten soll, um die CBD zu unterstützen.

C. Weitere Informationen
Die wichtigsten ersten Ergebnisse der Tagung - Erfurt Deklaration Urbio 2008 und die 6 Plenarvorträge sind wie die Konferenzunterlagen über die Web Seite http://www.urbio2008.com bereits erhältlich.

Tagungsprogramm Urban Biodiversity & Design, Erfurt 2008

Die Konferenz gliederte sich in 5 Schwerpunkte
1: Untersuchung und Bewertung der biologischen Vielfalt in Städten
Symposium 1.1 - Ursprung und Entwicklung von Flora und Fauna in Städten
Symposium 1.2 -Nutzen unterschiedlicher städtischer Lebensräume für die biologische Vielfalt

Symposium 1.3 - Städtische Lebensräume und ökologische Dienstleistungen

Schwerpunkt 2: Kulturelle Bedeutung der biologischen Vielfalt in Städten
Symposium 2.1 - Bewertung von fremdländischen Pflanzen und Tieren in Städten
Symposium 2.2 - Kulturelle Einflüsse auf die biologische Vielfalt in Stadtwäldern

Symposium 2.3 - Bewertung historischer Parkanlagen und Gärten für die biologische Vielfalt

Schwerpunkt 3: Soziale Bedeutung der biologischen Vielfalt in Städten
Symposium 3.1 - Städtische Landwirtschaft, Gemeinschaftsgärten, Kleingärten und Nutzpflanzen
Symposium 3.2 - Menschliches Wohlergehen und die städtische Grünflächen / Grün in Städten
Symposium 3.3 - Naturerfahrung und Wildnisgebiete in Städten
Symposium 3.4 - Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung und beim Bewirtschaften von städtischen Grünflächen
Schwerpunkt 4: Biologische Vielfalt und der Klimawandel
Symposium 4.1 - Städtische Ökosysteme - in Erwartung des Klimawandels
Symposium 4.2 - Potential von städtischen Grünflächen bei der Milderung von klimati-schen Extrema
Schwerpunkt 5: Planung und Zukunft der biologischen Vielfalt in Städten
Symposium 5.1 - Von der Analyse biologischer Vielfalt zu Bewertung und Gestaltung
Symposium 5.2 - Städtische Biosphärenreservate und Masterpläne für biologische Vielfalt
Symposium 5.3 - Erhalt der ursprünglichen natürlichen Vegetation in Städten
Symposium 5.4 - Schrumpfende Städte - neue Chancen für die biologische Vielfalt
Symposium 5.5 - Schnell wachsende Städte - Herausforderungen für die biologische Vielfalt
Symposium 5.6 - Naturnahe Renaturierung und Gestaltung für die biologische Vielfalt im urbanen Raum
Symposium 5.7 - Ökologische Gestaltung und Management von Parks und Gärten
Symposium 5.8 - Lebende Wände und Dächer

Roland Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.urbio2008.com

Weitere Berichte zu: CBD Deklaration Klimawandel Stadtgestaltung biologische Vielfalt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von Seegurken lernen: umweltfreundliche Biolacke aus dem Meer?
06.07.2020 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Umweltfreundliche Kraftstoffe für die Schifffahrt: biogene Beimischkomponenten
03.07.2020 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Im Focus: Robuste Materialien in Schwingung versetzt

Kieler Physikteam beobachtet in Echtzeit extrem schnelle elektronische Änderungen in besonderer Materialklasse

In der Physik werden sie zurzeit intensiv erforscht, in der Elektronik könnten sie ganz neue Funktionen ermöglichen: Sogenannte topologische Materialien...

Im Focus: Excitation of robust materials

Kiel physics team observed extremely fast electronic changes in real time in a special material class

In physics, they are currently the subject of intensive research; in electronics, they could enable completely new functions. So-called topological materials...

Im Focus: Neues Verständnis der Defektbildung an Silizium-Elektroden

Theoretisch lässt sich das Speichervermögen von handelsüblichen Lithiumionen-Batterien noch vervielfachen – mit einer Elektrode, die auf Silizium anstatt auf Graphit basiert. Doch in der Praxis machen solche Akkus mit Silizium-Anoden nach wenigen Lade-Entlade-Zyklen schlapp. Ein internationales Team um Forscher des Jülicher Instituts für Energie- und Klimaforschung hat jetzt in einzigartiger Detailgenauigkeit beobachtet, wie sich die Defekte in der Anode ausbilden. Dabei entdeckten sie bislang unbekannte strukturelle Inhomogenitäten in der Grenzschicht zwischen Anode und Elektrolyt. Die Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen.

Silizium-basierte Anoden können in Lithium-Ionen-Akkus prinzipiell neunmal so viel Ladung speichern wie der üblicherweise verwendete Graphit, bei gleichem...

Im Focus: Ein neuer Weg zur superschnellen Bewegung von Flussschläuchen in Supraleitern entdeckt

Ein internationales Team von Wissenschaftern aus Österreich, Deutschland und der Ukraine hat ein neues supraleitendes System gefunden, in dem sich magnetische Flussquanten mit Geschwindigkeiten von 10-15 km/s bewegen können. Dies erschließt Untersuchungen der reichen Physik nichtlinearer kollektiver Systeme und macht einen Nb-C-Supraleiter zu einem idealen Materialkandidaten für Einzelphotonen-Detektoren. Die Ergebnisse sind in Nature Communications veröffentlicht.

Supraleitung ist ein physikalisches Phänomen, das bei niedrigen Temperaturen in vielen Materialien auftritt und das sich durch einen verschwindenden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz QuApps zeigt Status Quo der Quantentechnologie

02.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Guido Bonati ist neuer Chief Technology Officer und Leiter Forschung & Entwicklung bei FISBA AG

08.07.2020 | Unternehmensmeldung

Social Learning in der Firma und virtuelle Seminarräume für Mitarbeiter

07.07.2020 | Seminare Workshops

„Maschinen-EKG“ soll Umwelt schonen

07.07.2020 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics