Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nilgänse am Main, Sommerflieder am Bahngleis

08.05.2008
Frankfurter Forscher überwachen Artenvielfalt in städtischen Biotopen. Die natürliche Artenvielfalt ist dort oft verringert, während zugewanderte Tier- und Pflanzenarten sich stark vermehren.

Was passiert, wenn menschliche Besiedlung natürliche Biotope verändert, verdrängt oder zerstört? Im Rhein-Main-Gebiet wird die Frage von Biologen der Goethe Universität seit Jahren intensiv erforscht.

Ihre Ergebnisse, die sie in der neuen Ausgabe von "Forschung Frankfurt" präsentieren, geben Anlass zu Hoffnung und Sorge zugleich. So haben im Taunus und in den Frankfurter Naturschutzgebieten viele seltene, teilweise vom Aussterben bedrohte Arten überlebt. Gleichzeitig ist die natürliche Artenvielfalt in städtischen Biotopen oft verringert, während zugewanderte Tier- und Pflanzenarten sich stark vermehren.

In der Stadt verändern sich Artenzahlen und Lebensräume beständig. Um die Dynamik von Arten verstehen zu können, untersuchen Prof. Rüdiger Wittig und Prof. Georg Zizka vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität seit Jahren neben den Ansprüchen an den Standort auch das Ausbreitungsverhalten von Tieren und Pflanzen. So stellten sie beispielsweise fest, dass sich auf den Bahnhöfen des Rhein-Main-Gebietes der aus China stammende Sommerflieder überdurchschnittlich stark ausbreitet.

Stillgelegte Bahnanlagen werden von der Natur zurück erobert, allerdings entsteht ein gänzlich anderer Bewuchs als zuvor: Pionierpflanzen breiten sich aus und seltene Tierarten, wie die Mauereidechse, vermehren sich ungestört. Bleibt die Fläche über Jahrzehnte brach, verdrängt jdeoch ein relativ artenarmer Wald aus Birken und Robinien die Pioniervegetation mitsamt der Eidechsen.

Doch nicht nur in der Stadt ändert sich die Artenvielfalt durch menschliche Besiedlung. Die Lebensräume der alten, extensiv bewirtschafteten bäuerlichen Kulturlandschaft sind der Intensivlandwirtschaft, Siedlungsausweitung und Aufforstung gewichen. Interessanterweise handelt es sich hier um Lebensräume, die auf regelmäßige menschliche Pflege durch Mähen oder Beweiden angewiesen sind. Heute sind sie fast noch in Naturschutzgebieten zu finden, die es im Rhein-Main-Gebiet in größerer Zahl gibt.

Das europaweit bedeutende Naturschutzgebiet Mainzer Sand beheimatet 147 gefährdete, vom Aussterben bedrohte oder seltene Gefäßpflanzenarten. Aber auch die Frankfurter Naturschutzgebiete Schwanheimer Düne und der Berger Hang sind für den Artenschutz äußerst wertvoll. Im Enkheimer Ried lebt eine der letzten hessischen Populationen der Europäischen Sumpfschildkröte. Und auch in den für das Rhein-Main-Gebiet charakteristischen Streuobstwiesen wachsen viele schutzwürdige Pflanzenarten.

Der Klimawandel hat bereits jetzt zu Veränderungen im Artengefüge geführt und wird weitere nach sich ziehen. Insbesondere ist damit zu rechnen, dass Arten, die nur an eher kühlen Standorten konkurrenzfähig sind, erlöschen werden. Momentan gibt es unter den hessischen Farn- und Blütenpflanzen 13 Arten, die ausschließlich in schattigen Tälern, an Nordhängen und in den höchsten Bergregionen vorkommen. Sechs von ihnen sind noch im Taunus an wenigen Stellen anzutreffen, darunter der Alpendost.

Um die komplexen Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt und menschlichem Einfluss zu verstehen und den Erfolg von Naturschutzmaßnahmen zu überwachen und zu optimieren, führt die Forschungsgruppe von Prof. Georg Zizka am Forschungsinstitut Senckenberg seit 1985 langfristige Beobachtungen der Biodiversität ("Monitoring") im Frankfurter Stadtgebiet aus. Bei besonders tiefgreifenden städtebaulichen Maßnahmen, wie bei der Überbauung von Gleisflächen oder der Planungen für den Flughafenausbau, kommen detaillierte Begleituntersuchungen hinzu.

Insbesondere in Naturschutzgebieten sind Monitoring, Pflegemaßnahmen und Effizienzkontrollen essenziell. Nur mit einer umfassenden und aktuellen Kenntnis der Biodiversität lassen sich die große Vielfalt an Arten und Biotopen auch in Zukunft erhalten. Einen wesentlichen Beitrag dazu soll die von Prof. Wittig geleitete Kampagne "Biodiversitätsregion Frankfurt/Rhein-Main" leisten. Veranstalter dieser Kampagne ist das 2004 gegründete Frankfurter Netzwerk für Biodiversität, BioFrankfurt leisten, dessen Sprecher Prof. Bruno Streit ist.

Weitere Informationen:
Dr. Rüdiger Wittig, Tel. 069/798-24739; r.wittig@bio.uni-frankfurt.de, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Universität Frankfurt.

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de
http://www.biofrankfurt.de

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Biotop Naturschutzgebiet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Regenrückhaltebecken bringen Artenvielfalt in den besiedelten Raum
20.02.2020 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

nachricht Folgen des Klimawandels: Viele Pflanzenarten wohl stärker gefährdet als bisher angenommen
11.02.2020 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics