Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein neues Klima in Europa?

07.11.2000


... mehr zu:
»Klimamodell »Klimawandel
Die Jahresmitteltemperaturen in Europa werden sich im 21. Jahrhundert voraussichtlich weiter um 0.1 bis 0.4 Grad Celsius pro Jahrzehnt erhöhen. Diese Änderungen würden größere Auswirkungen auf die
ärmeren Regionen des südlichen und östlichen Europas haben als auf die reicheren Industrienationen im Norden, in denen der Klimawandel auch positive Folgen haben kann. Dies ist das Ergebnis einer Studie über den Klimawandel in Europa und seine Folgen sowie Anpassungsmöglichkeiten für die Europäische Union, die am 2.11.2000 am Jackson Environment Institute der University of East Anglia in Großbritannien vorgestellt wurde.

Aufgrund von Berechnungen mit mehreren Klimamodellen ist in den südlichen und östlichen Teilen Mitteleuropas mit stärkerer Trockenheit zu rechnen. Darunter werden insbesondere die Land- und Forstwirtschaft leiden. Landwirtschaftlich nutzbare Böden werden noch stärker dem Risiko der Bodendegradation und -erosion ausgesetzt sein. Die Wasserknappheit wird besonders im Mittelmeerraum zu häufigeren Waldbränden führen. Ansteigende Temperaturen, insbesondere die häufigeren sehr warmen Sommer, werden zum Verlust biologischer Vielfalt und zur Gefährdung ganzer Landschaftstypen führen, wie zum Beispiel von Feuchtgebieten oder der Tundra. Die Teilstudie über die europäischen Ökosysteme entstand unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, einem der 30 Mitautoren der 320 Seiten starken Studie.

Der Bericht macht über 50 Empfehlungen für Politik und Forschung in Europa. Die Autoren fordern die Politiker auf, nun erste Schritte zu einer Anpassung an die Klimaänderung zu machen und den Klimawandel bei der Überarbeitung der regionalen Politik der EU zu berücksichtigen. Auch die Direktiven für den Schutz von Grundwasser, Artenvielfalt und natürlichen Ökosystemen benötigen der Studie zufolge eine Revision. Solche Änderungen würden Europa dabei helfen, sich an die Klimaänderung vorausschauend anzupassen, negative Auswirkungen zu vermeiden und die positiven Möglichkeiten optimal zu nutzen. Unabhängig vom Erfolg bei den Klimaverhandlungen würden sie für Europa die negativen Auswirkungen des bereits jetzt ausgelösten Klimawandels mildern helfen.

Die Aussagen verschiedener Klimamodelle sind für einzelne Regionen weiterhin unterschiedlich und eine exakte "Klimavoraussage" ist nicht möglich. Trotzdem gibt es Trends in mehreren Klimamodellen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden. Zu diesen gehören außer den bisher genannten auch Auswirkungen auf den Tourismus an den Mittelmeerküsten im Sommer sowie auf den Ski-Tourismus in den Alpen, ein negativer Einfluss auf die menschliche Gesundheit durch die wärmebedingte Ausbreitung von Krankheitserregern oder ihrer Überträger sowie die Zunahme von Hochwasserereignissen in Gebieten, in denen die Wintermonate regenreicher ausfallen werden als bisher. Im Norden würden extrem kalte Winter schätzungsweise ab dem Jahr 2020 weniger häufig auftreten, wodurch der Energiebedarf verringert und die Bauindustrie länger im Jahr arbeiten könnte. Zu den denkbaren positiven in Nordeuropa gehören auch eine erhöhte Produktivität in Land- und Forstwirtschaft sowie verbesserte Wasserverfügbarkeit.


Hintergrundinformationen:

Der Bericht wurde durch das Umweltprogramm des Forschungsdirektorates der Europäischen Kommission gefördert. Er bildet die Grundlage für den europäischen Beitrag zum Dritten Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der gegenwärtig abgeschlossen wird und im Sommer 2001 veröffentlicht werden soll. Die Autoren haben alles öffentlich verfügbare Material verwendet und ihre eigene Auswertung hinzugefügt. Die Manuskripte wurden von 20 weiteren Experten begutachtet und anschließend überarbeitet. Eine Zusammenfassung der Studie "Assessment of the Potential Effects and Adaptations for Climate Change in Europe" (Summary and Conclusions) ist kostenlos unter folgender Adresse erhältlich: The Secretary, Jackson Environment Institute, School of Environmental Sciences, University of East Anglia, Norwich, UK NR4 7TJ; Tel.: + 44 1603 593895.

Weitere wissenschaftliche Informationen erhalten Sie gerne von:

Prof. Dr. Wolfgang Cramer
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Tel.: 0331 288 2521
E-Mail: Wolfgang.Cramer@pik-potsdam.de und

Prof. Martin Parry (Hrsg. der Studie)
University of East Anglia, Großbritannien
Tel.: 0044 1603 592318
E-Mail: parryml@aol.com.

Und so erreichen Sie die Pressestelle des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung:

Margret Boysen
Tel.: 0331 288 2507
Fax: 0331 288 2552
E-Mail: info@pik-potsdam.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Margret Boysen | idw

Weitere Berichte zu: Klimamodell Klimawandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Attraktive eingeschleppte Arten haben es leichter
07.04.2020 | Universität Wien

nachricht Wo bleibt das Plastik im Ozean?
30.03.2020 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Belle II liefert erste Ergebnisse: Auf der Suche nach dem Z‘-Boson

Vor ziemlich genau einem Jahr ist das Belle II-Experiment angelaufen. Jetzt veröffentlicht das renommierte Journal Physical Review Letters die ersten Resultate des Detektors. Die Arbeit befasst sich mit einem neuen Teilchen im Zusammenhang mit der Dunklen Materie, die nach heutigem Kenntnisstand etwa 25 Prozent des Universums ausmacht.

Seit etwa einem Jahr nimmt das Belle II-Experiment Daten für physikalische Messungen. Sowohl der Elektron-Positron-Beschleuniger SuperKEKB als auch der...

Im Focus: Belle II yields the first results: In search of the Z′ boson

The Belle II experiment has been collecting data from physical measurements for about one year. After several years of rebuilding work, both the SuperKEKB electron–positron accelerator and the Belle II detector have been improved compared with their predecessors in order to achieve a 40-fold higher data rate.

Scientists at 12 institutes in Germany are involved in constructing and operating the detector, developing evaluation algorithms, and analyzing the data.

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Im Focus: When ions rattle their cage

Electrolytes play a key role in many areas: They are crucial for the storage of energy in our body as well as in batteries. In order to release energy, ions - charged atoms - must move in a liquid such as water. Until now the precise mechanism by which they move through the atoms and molecules of the electrolyte has, however, remained largely unknown. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now shown that the electrical resistance of an electrolyte, which is determined by the motion of ions, can be traced back to microscopic vibrations of these dissolved ions.

In chemistry, common table salt is also known as sodium chloride. If this salt is dissolved in water, sodium and chloride atoms dissolve as positively or...

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zacken in der Viruskrone

07.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Auf der Suche nach neuen Antibiotika

07.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Belle II liefert erste Ergebnisse: Auf der Suche nach dem Z‘-Boson

07.04.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics