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GKSS gründet Institut für Küstenforschung

16.01.2001


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»Küstenforschung
Mit Wirkung zum 1. Januar 2001 ist im GKSS-Forschungszentrum das "Institut für Küstenforschung" gegründet worden. Diese Neugründung, sie fasst die bisherigen Institute der GKSS-Umweltforschung (Physikalische und
Chemische Analytik, Gewässerforschung) zusammen, ist das Ergebnis tiefgreifender, vorangegangener Struktur- und Positionierungsdiskussionen. Sie fanden statt nicht nur innerhalb des GKSS-Programmschwerpunktes "Wasser und Klima im Lebensraum Küste" sondern auch in der Diskussion mit anderen norddeutschen, Einrichtungen, wie dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, dem Institut für Ostseeforschung in Warnemünde und den Instituten für Meereskunde der Universitäten Hamburg und Kiel. Damit hat sich jetzt eines der größten Küstenforschungsinstitute entlang der Nordsee und der baltischen Küste etabliert.

Es ist das Ziel, die bestehenden Netzwerke weiter auszubauen und durch Nutzung der unterschiedlichen Kompetenzen, Synergieeffekte für die Forschung in Norddeutschland zu erzielen. So lässt sich, wie der Sprecher des neuen Instituts für Küstenforschung, Herr Prof. Dr. Hans von Storch betonte, die vorhandene Forschungsinfrastruktur, wie Messschiffe, Modellierungskompetenz oder Laboreinrichtungen in gemeinsamen Forschungsprojekten besser nutzen. Es solle ferner erreicht werden, die GKSS interne interdisziplinäre Kompetenz weiter zu bündeln und im Zusammenwirken mit norddeutschen Forschungseinrichtungen sowie im engen Kontakt mit den Überwachungsbehörden relevante Fragestellungen der Küstenregionen gemeinsam zu bearbeiten.

Die deutsche Küste wird nicht nur von regionalen Veränderungen beeinflusst, sondern auch zunehmend von europäischen Richtlinien und Regelungen. Die Lösungsansätze für diese Probleme können nicht mehr im Alleingang einzelner Institute bearbeitet werden. Das Institut für Küstenforschung bietet die Grundlage um bereits bestehende und notwendige nationale und europäische Zusammenarbeit weiter zu festigen und auszubauen. Wie bei anderen GKSS-Instituten auch, wird das neue Institut für Küstenforschung kollegial von, in diesem Falle, drei Institutsleitern geführt. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des neuen Instituts wurden in vier Themenkomplexe zusammengefasst:

- Zukunftsrelevante Stoffe in der Küstenregion,
- Anthroprogene und natürliche regionale Veränderungen,
- Monitoringverfahren für das Küstenmanagement,
- Prognose und Steuerung von Küstenprozessen.

Mit diesen Themen wird sich das neue Institut verstärkt in nationale und internationale Forschungsprogramme einbringen, mit dem Ziel, Lösungsansätze für Probleme zu liefern, welche durch die intensive weltweite Nutzung der Küstenregionen durch den Menschen erwartet werden.

Der Begriff "Küste" hebt sowohl auf das küstennahe Meer als auch auf die küstennahe Region ab. Die Bedeutung dieser Küste ist offensichtlich, da die biologische Produktion in den Meeren überwiegend in flachen Küstenmeeren stattfindet und etwa die Hälfte aller Menschen in einem Abstand von der Küste von 200 oder weniger Kilometern leben. Entsprechend intensiv ist die Nutzung durch Verkehr, Tourismus, Rohstoff- und Fischfang und Landwirtschaft und Industrie. Die Küste ist Quelle für einen hohen Bedarf an Trink- und Brauchwasser aber auch Sammelbecken von Abwässern und aller Art direkt oder diffus eingetragene Substanzen aus den Einzugsgebieten der Flüsse. Sturmfluten und Überschwemmungen schränken die Nutzung von Schwemmlandküsten und Ästuaren ein. Mögliche Klimaänderungen können gar einen ständigen Verlust von Küstenraum verursachen. Gleichzeitig sind der Küstenraum und seine Flüsse für den Naturhaushalt bedeutsame und artenreiche Ökosysteme und Quelle vieler vom Menschen genutzter Ressourcen.

Um die Qualität der Küstenregion langfristig zu sichern, sind vielfältige Maßnahmen notwendig, die in umfassenden Küstenmanagementplänen aufeinander abgestimmt werden müssen. Ein erfolgreiches Management zielt auf die langfristige wirtschaftliche Nutzung, den Erhalt der natürlichen Ressourcen, der Biodiversität sowie den Schutz vor Überschwemmungen im Angesicht vielfältiger natürlicher und anthropogener Belastungen, die beispielsweise von der Wirkung extremer Wettereignisse, über postglaziale Landsenkung, Deposition von Schadstoffen, regionale anthropogene Klimaänderungen oder Schiffsunfälle bis zum Bau von Pipelines oder zur Vertiefung von Fahrwassern reichen.

Gerade wegen der vielfältigen wirtschaftlichen Nutzungen ist die Küste auch Ort zahlreicher gesellschaftlicher Interessengegensätze und Konflikte, die im demokratischen Entscheidungsprozeß entschieden werden. Die Aufgabe der Wissenschaft ist, Wissen für den Entscheidungsprozeß bereitzustellen und Öffentlichkeit und Politik zu beraten. Die Naturwissenschaften sind aufgefordert, Wissen über den Zustand, die derzeitigen und vergangenen Veränderungen, die Dynamik und Empfindlichkeit der Küste gegenüber Nutzung, Unfällen und Maßnahmen zu schaffen und zu vervollständigen. Dies setzt die analytischen Fähigkeiten voraus, den ökologische Zustand überhaupt messtechnisch zuverlässig und finanziell vertretbar bestimmen zu können. Zielgerechtes Planen erfordert ferner die Fähigkeit, zusammen mit Sozial- und Kulturwissenschaftlern plausible Szenarien für zukünftige Entwicklungen entwickeln zu können.

Hans-Friedrich Christiansen | idw

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