Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abenteuer Afrika: Wo die Wiesenweihen schlafen…!

06.06.2012
Was die Forschungspreisträgerin der Deutschen Wildtier Stiftung, Dr. Christiane Trierweiler, über den seltenen Greifvogel herausgefunden hat

Wovon ernähren sich „Mathilde“ und „Merel“ in Marokko? Wo übernachten „Franz“ und „Klaus-Dieter“? Dr. Christiane Trierweiler reiste mit Miniatursendern gekennzeichneten Wiesenweihen hinterher, um in Nordafrika Antworten auf all die vielen offenen Fragen zu finden.

Fragen, die sich am Schreibtisch hinterm Computer nicht beantworten lassen. Die Forschungspreisträgerin der Deutschen Wildtier Stiftung hat jetzt ihren Abschlussbericht über die seltenen Greifvögel vorgelegt, von denen es in Deutschland nur noch knapp 500 Brutpaare gibt.

Die grazilen Greife stehen auf der Roten Liste und sind als „stark gefährdet“ eingestuft. Hinter den nüchternen Forschungsergebnissen dieses zweijährigen Projektes verbirgt sich eine spannende Abenteuerreise im Geländewagen durch den Osten Marokkos. Dr. Trierweiler sagt: „Selbst High Tech Satellitensender sind heute nicht in der Lage, Fernglas und Notizblock zu ersetzen.“ Wiesenweihen waren früher in Deutschland weit verbreitet. Jetzt im Juni brüten die letzten ihrer Art, viele haben ihren Horst in Getreidefeldern. Das wird dem Nachwuchs oft zum Verhängnis, denn Nester und Brut werden während der Getreideernte zerstört! Was in Deutschland passiert, ist hinreichend dokumentiert.

„Doch ihre geheimnisvolle Abwesenheit in Afrika hat mich schon immer beschäftigt“, sagt die Forscherin. Wenn sich die seltenen Greifvögel im Herbst aus Deutschland verabschieden, hat Dr. Christiane Trierweiler ihnen oft wehmütig nachgeschaut. „Erst die Deutsche Wildtier Stiftung hat es mir durch den Forschungspreis ermöglicht, den Wiesenweihen nach Nordafrika hinterher zu reisen und meine Arbeit mit detaillierten Computeranalysen zur Rast und Überwinterung finanziert“, betont sie. Und so machte sich Dr. Trierweiler, zusammen mit einem Team von Mitarbeitern, in einem kleinen Geländewagen auf die rund 3000 Kilometer lange Reise in den Osten Marokkos zu den seltenen Greifvögeln.

Feldforschung in Afrika ist nichts für Schreibtischhocker. Christiane Trierweiler erlebte Sandstürme und Hitzerekorde, aber auch Regenfluten und nächtelange Unwetter, die ihre Forschungsarbeit erschwerten. Duschen ist Luxus, denn Trinkwasser ist wertvoll. Die abgelegenen Gebiete Ost-Marokkos werden nicht vom Mobilfunknetz abgedeckt. Wenn möglich hat die 34jährige die Koordinaten des Camps per SMS nach Hause geschickt. „Sicher ist sicher…!“

Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Die Wiesenweihen „Franz“ und „Klaus-Dieter“, aus Brandenburg und den Niederlanden, die die Forscherin schon seit Jahren per Sender verfolgt, verrieten ihr, wo sie in Marokko schlafen. „Gleich hinter einer unübersichtlichen Straßenbiegung lag diese paradiesische kleine Senke, wo sich die Schlafplätze befinden.“ Und noch ein Geheimnis haben ihr die Vögel am nächsten Morgen preisgegeben: In den unverdaulichen Nahrungsresten, die im Gewölle hervorgewürgt werden, fand sie Knochen und Federn. „Anhand der Gewölle konnte ich die Nahrungsgewohnheiten der Wiesenweihen analysieren“, sagt sie. „Es stellte sich heraus, dass die Vögel während der Rast in Marokko hauptsächlich Lerchen und andere Kleinvögel fangen.“ Diese Nahrung liefert den Weihen Energie, die sie dringend brauchen. Denn in Marokko haben die grazilen Greife ihr Ziel, die Sahelzone, noch lange nicht erreicht. Ein 2000 Kilometer langer Flug über Wüsten- und Steppengebiete liegt noch vor ihnen.

Dr. Trierweiler hat mit ihrer Feldforschung widerlegt, dass Wiesenweihen „Nomaden“ sind. „Sie sind vielmehr standorttreu und konzentrieren sich in wenigen ausgewählten Gebieten.“ Das ist eine wichtige Erkenntnis, wenn es um nachhaltige Schutzmaßnahmen in der Region geht. Würde man Teilgebiete unter Schutz stellen, wären die Überlebenschancen für Wiesenweihen erhöht. Durch die Forschung von Dr. Christiane Tierweiler ist es nun möglich, konkrete Empfehlungen zum Schutz während des kompletten Jahreszyklus zu geben.

Lesen Sie mehr über die spannende Forschungsreise von Frau Dr. Trierweiler auf: www.DeutscheWildtierStiftung.de

Eva Goris | idw
Weitere Informationen:
http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Umweltressourcen nachhaltig nutzen
17.07.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Mikroplastik – überall und in großen Mengen
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics