Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zahnarzt-Imagestudie 2010

24.09.2010
Gutes Zeugnis für Zahnärzte – Patienten wünschen heute jedoch mehr zusätzliche Kostenberatung als Fachberatung in der Praxis: Patientenforschung mit 60.000 Befragungen und 1.000 Praxisanalysen im 11-Jahrestrend. Prof. Dr. Gerhard F. Riegl von der Hochschule Augsburg, Fakultät für Wirtschaft, legt jüngste Studienergebnisse vor.

Steigende Gesundheitskosten und immer neue Reformvorschläge wecken die Fragen: Wo bleibt der Patient und welche Qualitäten werden heute geboten? In einer aktuellen Qualitäts- und Zufriedenheitsmessung erzielen Zahnärzte mit einem Notendurchschnitt von 1,5 einen Spitzenruf bei Patienten (1 = exzellent/sehr gut), der sich in den vergangenen elf Jahren noch um 6 Prozent verbesserte.

Zugleich haben jedoch Patienten noch beachtliche Zusatzwünsche und sehen Verbesserungsbedarf bei Zahnärzten, zum Beispiel 47 Prozent beim ersten Eindruck am Empfang. 72 Prozent der Patienten sind nach ihren Praxisbeurteilungen inzwischen bei ihrem idealen Zahnarzt angekommen, denn sie vergeben die maximalen 4 und 5 Qualitäts-Sterne als Praxisbeurteilungen, 1999 waren dies erst 58 Prozent.

Zu diesen Feststellungen kommt eine neue Imagestudie über Zahnärzte, die jetzt von Prof. Dr. Gerhard Riegl, Marketingdozent an der Hochschule Augsburg und wissenschaftlicher Leiter der Patientenforschung mit 60.000 Befragten über mehrere Jahre auf der Basis von Benchmarking-Analysen mit 1.000 Praxen, als Ideen- und Zukunftswerk für Zahnmediziner vorgelegt wurde. „Die Ergebnisse zeigen, wie Praxisteams ihre Patienten trotz der Ausnahmesituation bei Zahnarztbesuchen sofort zu Gewinnern machen können und dabei selbst in der Gunst der Patienten aufsteigen“, betont Riegl. Nachhaltig gute Zahnmedizin muss verstanden werden als Gemeinschaftswerk von Zahnarzt und Patient und erfordert eine nachhaltige Patientenorientierung. Der Autor dieses lesefreundlich gestalteten Basiswerks möchte mit dieser Enquete innovative Impulse für den künftig erwarteten Qualitäts- und Vergütungswettbewerb setzen.

Immer wieder taucht die Frage auf: Warum hat „Pfusch“ in der Zahnmedizin heute überhaupt noch eine Chance? Die Forschungsergebnisse von Prof. Riegl und seine Gespräche mit Experten zeigen, dass gerade viele der fachlich besten Zahnärzte immer noch ihre positive Selbstdarstellung für allzu nebensächlich halten und vergeblich hoffen, dass sich „Pfuscher“ irgendwann von selbst totlaufen werden.

Junge Patienten sind zahnarztwechselfreudiger als ältere

Zahnärzte sind zwar momentan im Leistungswettbewerb noch gut aufgestellt, was auch die von 5,5 auf 5,7 Jahre gestiegene durchschnittliche Praxiszugehörigkeit der Patienten belegt (65 Prozent sind schon über 5 Jahre in ihrer Praxis). Bei ihrem ersten Hauszahnarzt sind immerhin noch 45 Prozent aller Patienten. Aber mit den jüngeren Patienten unter 30 Jahren wächst eine bindungslosere Generation nach, denn sie sind nur noch zu 23 Prozent beim ersten Hauszahnarzt. Die Menschen gehen heute 13 Prozent häufiger zum Zahnarzt als vor 11 Jahren (bezogen auf die 27 Prozent Regelmäßigbesucher, die zweimal oder öfter pro Jahr ihren Zahnarzt aufsuchen). Im Durchschnitt nehmen Patienten heute einen Weg von 7,1 Kilometern zu ihrem Zahnarzt in Kauf, hoch Zufriedene fahren im Schnitt 1.600 Meter weiter zu ihrem Geheimtipp-Zahnarzt als nicht Topzufriedene.

Ganzheitliche Sozialanamnesen bei Patienten auch via Social Media

Zahnärzte wurden in den vergangenen Jahren für Patienten immer besser, aber die Ansprüche der Praxisbesucher sind punktuell noch schneller gestiegen. Auf Termine in der Praxis müssen heute 29 Prozent der Patienten über zwei Wochen warten, vor elf Jahren waren dies noch 34 Prozent. Die meisten Patienten (43 Prozent) verabreden sich bereits von Termin zu Termin.

Die Wartezeiten in der Praxis haben sich nach Angaben der Patienten auf durchschnittlich 11,7 Minuten verkürzt, während sie vor 11 Jahren noch bei 17,2 Minuten lagen. Dennoch gibt es heute 29 Prozent weniger voll zufriedene Patienten beim Praxisservice als 1999. Bemängelt wird z.B., wenn Prophylaxe und zahnärztliche Routinekontrolle nicht bei einem Termin möglich sind. In größeren Praxen gibt es mehr Kritik an der Organisation als in kleinen Praxen.

Prophylaxeerfolge machen im Notfall Implantate attraktiver

Insgesamt können Zahnärzte ihre Patienten immer mehr zur Prophylaxe für den Erhalt natürlicher Zähne motivieren und steigern damit die Zahngesundheit sowie den besonderen Liebhaberwert von schönen, gesunden Zähnen auf 94 Prozent in der Patientenschaft. Im Endeffekt begünstigt diese hohe Wertschätzung für natürliche Zähne im Notfall den künftigen Einsatz von Implantaten, denn immer weniger Patienten wollen ihre lang gepflegten, gesunden Zähne für Brückenkonstruktionen beschleifen lassen.

98 Prozent aller Patienten sind heute grundsätzlich für Implantate aufgeschlossen, die unter 30-Jährigen schon zu 95 Prozent. Auch 92 Prozent der Hauszahnärzte befürworten diese Methode und 29 Prozent implantieren selbst mit steigender Tendenz. Die übrigen Hauszahnärzte kooperieren mit Implantologen, z.B. mit Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen. Dabei wählen Patienten nach Aussagen der Hauszahnärzte nur zu 22 Prozent den Implantologen selbst aus (Basis: Mehrfachnennungen bei Implantologenwahl von 112 Prozent).

Mehr Kostenberatung als Fachberatung beim Zahnarzt erwünscht

Fachliche Beratung ist die viertbeste von 19 Kernleistungen der Zahnärzte aus Patientensicht (nach 1. Hygienequalität, 2. fachlicher Behandlungsqualität und 3. Patientenfreundlichkeit). Inzwischen wünschen jedoch 90 Prozent der Patienten vor allem zusätzliche Beratungen zu Kosten und Finanzierungen, z. B. zu Teilzahlungen, Erstattungen, Preisunterschieden usw. Nur noch vier Prozent der Patienten glauben an eine für sie ausreichende Regelversorgung. 43 Prozent sind von vornherein bereit, etwas drauf zu legen. Bei fachlicher Beratung gibt es im Gegensatz zur Kostenberatung nur rund 30 Prozent der Patienten Zusatzwünsche, z. B. zu Angstabbau, Haltbarkeit, Materialunterschiede.

Mehr Internetnutzung, aber nicht direkt zur Zahnarztsuche

21 Prozent der Patienten nutzen heute das Internet bei zahnmedizinischen Fragen, z. B. zur Bestätigung, Aufklärung oder Identifizierung mit ihrem Zahnarzt. Aber nur zwei Prozent würden ihren neuen Zahnarzt im Internet oder über Suchmaschinen auswählen. Dagegen ist die Weiterempfehlung des besten Hauszahnarztes von Mensch zu Mensch immer noch mit 76 Prozent die beliebteste Methode bei der Wahl. Sieben Prozent der Patienten könnten sich bereits vorstellen, ihren Zahnarzt auch im Internet weiterzuempfehlen.

Ideale Zahnärzte mit guter Fachkompetenz und mit Streicheln der
Patientenseele
Am meisten achten Patienten laut der aktuellen Studie bei ihrer idealen Zahnarztpraxis auf mehr menschliche Geborgenheit und Vertrauen als anderswo (46 Prozent), aber ebenfalls 46 Prozent registrieren auch ausgestellte Zertifikate des Zahnarztes und 38 Prozent achten auf moderne Apparate um sich ein Bild über den perfekten Behandler und sein Team zu machen. Mit „Excellence im Menschlichkeit“, auf der Basis von bester zahnmedizinischer Versorgung, könnten zahnärztliche Praxen im Wettbewerb Patienten wirkungsvoll glücklich machen. Dies habe immer noch mehr mit perfekter Patientenorientierung nach sozialen Normen als mit moderner Kundenorientierung nach Marktnormen zu tun.

Noch nie hatten Bürger so viele Informationsmöglichkeiten über Zahnmedizin wie heute, z. B. auch über Internet-Bewertungsportale. Aber diese Informationsfülle führt laut Prof. Riegl inzwischen zu immer schwierigeren und unsichereren Entscheidungen, nicht zu leichteren. Gute vertrauenswürdige Zahnärzte seien deshalb treuhänderische Lotsen, die Patienten auch vor unvernünftigem Verhalten bewahren. Zahnärzte als Vermarktungsprofis mit unangemessenen übertriebenen Außenauftritten riskierten inzwischen auch Irritationen bei Patienten und sogar gegenteilige Wirkungen, denn die Menschen stellen fest: Wenn etwas zu viel Werbung braucht, ist es womöglich gar nicht so gut.

Literaturhinweis:
Riegl, G. F.: Erfolgsfaktoren für die zahnärztliche Praxis, Zahnarzt-Imagestudie & Qualitätsmanagement, Institut für Management im Gesundheitsdienst, Augsburg 2010, 539 Seiten, ISBN: 978-3-926047-17-5.
Weitere Informationen und Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard F. Riegl
Hochschule Augsburg
Fakultät Wirtschaft
Schillstraße 100
86169 Augsburg
Tel.: 0821 / 567 144 0
Fax: 0821 / 567 144 15
E-Mail: Prof.Riegl@hs-augsburg.de

Dr. Tobias Weismantel | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-augsburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics