Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Worte können Schmerzgedächtnis aktivieren

29.03.2010
Nicht nur Erfahrungen und Assoziationen alarmieren Hirnareale

Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben erstmals in einer Studie zeigen können, dass nicht nur schmerzhafte Erfahrungen und Assoziationen das Schmerzgedächtnis alarmieren, sondern auch Worte.

Das Team um den Psychologen Thomas Weiß hat mit der funktionellen Magnetresonanztomografie nachgewiesen, dass verbale Reize in den entsprechenden Hirnarealen zu einer Aktivierung führen. Über ihre Erkenntnisse berichten sie im Fachmagazin "Pain".

Die Ankündigung des Arztes bei der Impfung, dass es pieksen werde, reicht aus, dass bei einer weiteren Spritze zu einem späteren Zeitpunkt schon die Erinnerung an das Bild der Nadel das Schmerzgedächtnis eingeschaltet wird. "Es kommt zu einer Voraktivierung in den betreffenden Hirnregionen", so Weiß im pressetext-Interview. Das gelte auch für Worte wie "quälend", "zermürbend" oder "plagend" - vor allem dann, wenn danach eine schmerzhafte Situation eintreten könnte. "Die Befunde zeigen, dass allein schon Worte unser Schmerzgedächtnis aktivieren können", erklärt der Psychologe.

Wie Worte verarbeitet werden

Zwei Aufgaben haben die Forscher ihren Probanden gestellt. In der ersten ging es darum, sich eine den Worten entsprechende, schmerzhafte Situation vorzustellen. Dann hörten Probanden die Worte, während sie durch eine Denkaufgabe abgelenkt wurden. "In beiden Fällen haben wir eine deutliche Aktivierung der Schmerzmatrix im Gehirn durch die schmerz-assoziierten Worte festgestellt", so Studien-Autorin Maria Richter.

Um auszuschließen, dass die beobachteten Reaktionen allein auf einem negativen Affekt beruhen, haben die Studienteilnehmer neben den Schmerz-Worten auch andere negativ besetzte Worte wie "angsteinflößend", "widerlich" oder "eklig" - zu hören bekommen. Bei neutralen und positiv besetzen Worten konnten die Forscher keine vergleichbaren Aktivitätsmuster feststellen.

Schmerz im Gedächtnis gespeichert

Dass man schmerzhafte Erfahrungen im Schmerzgedächtnis speichert, sei biologisch sinnvoll, da man schmerzenden Erlebnissen, die potenziell eine Bedrohung für Leib und Leben sind, künftig aus dem Weg gehen könne, so Weiß. Er betont, dass verbalen Reizen bisher eine unterschätzte Bedeutung zukommt. "Schmerzerfahrung ist damit ein Lernprozess", erklärt der Forscher. Schmerz zu verlernen sei hingegen nahezu unmöglich.

"Wir stellen uns in unserer aktuellen Arbeit die Frage, welche Rolle die verbale Auseinandersetzung mit Schmerzen für Patienten mit chronischen Schmerzen spielt", meint Weiß. "Es ist zu befürchten, dass Gespräche über Leiden die Aktivität der Schmerzmatrix im Gehirn stimulieren und es so zu einer Verstärkung der empfundenen Schmerzen kommt."

"Bis die Endergebnisse vorliegen, kann es jedenfalls nicht schaden, nicht allzu oft über Schmerzen zu sprechen", meint Weiß, der auch Medizinern dazu rät, statt auf einen bevorstehenden Impfstich hinzuweisen, besser den Patienten über den vergangenen Urlaub zu sprechen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Staub in Westasien gibt Hinweis auf Eisschmelze
21.07.2020 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht So verändert sich das Supply Chain Management bis 2040
15.07.2020 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics