Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verheiratete Frauen haben weniger Rente

29.01.2013
Deutsche Frauen besonders betroffen, wie ein Vergleich mit Großbritannien zeigt

Für viele ältere Frauen gilt die Ehe noch immer als Versorgungsmodell. Denn auf ihre eigene Rente können sich diese Frauen kaum verlassen.

Das betrifft vor allem Frauen, die lange verheiratet sind, wie eine Studie von WZB-Forscherin Anette Fasang zeigt. Gemeinsam mit Silke Aisenbrey (New York) und Klaus Schömann (Bremen) hat sie das Renteneinkommen von (west)deutschen und britischen Frauen, die zwischen 1930 und 1940 geboren sind, untersucht.

Dabei haben die Forscher errechnet, dass in Deutschland jedes Ehejahr mit durchschnittlich 15,40 Euro weniger Rente im Monat einhergeht – verglichen mit gleichaltrigen Frauen, die niemals verheiratet waren. In Großbritannien liegt dieser Unterschied zwischen verheirateten und ledigen Frauen nur bei fünf Euro.

Eine Ursache für die geringere Rente verheirateter Frauen in Deutschland sehen die Forscher darin, dass diese ihre Erwerbstätigkeit länger unterbrochen oder öfter ganz aufgegeben haben und in schlechter bezahlten Jobs gearbeitet haben. „In Großbritannien waren Frauen dieser Jahrgänge häufiger erwerbstätig, unter anderem weil es hier das Ehegattensplitting nicht gibt“, erklärt Anette Fasang den Länderunterschied. Betrachtet wurde das gesamte Renteneinkommen der Frauen, also eigene Einkünfte aus staatlicher, betrieblicher und privater Vorsorge.

Vergleicht man hingegen das Renteneinkommen lediger Frauen dieser Gruppe, sind die Deutschen klar im Vorteil. Westdeutsche Frauen, die nie verheiratet waren, verfügen im Alter von 60 Jahren mit 1.062 Euro im Schnitt über 532 Euro mehr Rente pro Monat als britische Frauen. Das liegt an den unterschiedlichen Rentensystemen: In Großbritannien zielt die staatliche Rente nur darauf ab, den Mindestbedarf zu decken, und oftmals haben Frauen, vor allem wenn sie Teilzeit arbeiten, keine privaten und betrieblichen Zusatzrenten. Entsprechend gering ist ihr Niveau. In Deutschland fällt das staatliche Altersgeld für diese Jahrgänge großzügiger aus. Eine private Altersvorsorge haben diese Frauen ebenso wie in Großbritannien nur selten.

Auch das Arbeiten in Vollzeit hat sich für die heute 70 bis 80 Jahre alten Frauen in Deutschland eher gelohnt als in Großbritannien. Für jedes Jahr, das eine deutsche Frau Vollzeit gearbeitet hat, bekommt sie eine um 18,50 Euro höhere monatliche Rente – im Gegensatz zu 4,60 Euro, die britische Frauen mehr erhalten. Selbst ein Teilzeitjob – mit einem monatlichen Rentenplus von 11,10 Euro – ist damit in Deutschland attraktiver als ein Vollzeitjob in Großbritannien. Der Grund: Hierzulande haben viele Frauen Teilzeitjobs im gut abgesicherten öffentlichen Sektor, in Großbritannien dagegen hauptsächlich im schlecht abgesicherten Dienstleistungssektor.

Lebensrisiken wie Scheidung oder Tod des Ehepartners werden in Deutschland ebenfalls besser abgesichert. So stehen Witwen in Deutschland finanziell deutlich besser da als auf der Insel: Sie haben pro Monat 360 Euro mehr als britische Witwen.

Für die Studie hat das Autorenteam die Lebensverläufe von etwa 1.000 Frauen untersucht, die zwischen 1990 und 2005 das Rentenalter erreicht haben. Für (West-)Deutschland stammen die Daten vom Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), für Großbritannien von der British Household Panel Study.

Die Studie Women’s Retirement Income in Germany and Britain ist in der Zeitschrift „European Sociological Review“ erschienen und zunächst online verfügbar:

Pressekontakt

Prof. Dr. Anette Fasang
fon: 030 25491 434
mail: anette.fasang@wzb.eu
Claudia Roth
Referat Information und Kommunikation
fon: 030 254 91 510
mail: claudia.roth@wzb.eu
Kerstin Schneider
Referat Information und Kommunikation
fon: 030 254 91 506
mail: kerstin.schneider@wzb.eu

Dr. Paul Stoop | idw
Weitere Informationen:
http://www.wzb.eu
http://esr.oxfordjournals.org/content/early/2012/10/31/esr.jcs075.short?rss=1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation
12.07.2018 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics