Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urahn des Menschen war vom Aussterben bedroht

25.01.2010
Bloß 20.000 Exemplare des Homo erectus vor 1,2 Mio. Jahren

Könnte man mit einer Zeitmaschine 1,2 Mio. Jahre in die Vergangenheit reisen, stünden die Chancen äußerst gering, dabei einen Vertreter des damals lebenden Homo erectus zu finden. Humangenetiker der University of Utah berichten im Fachmedium "Proceedings of the National Academy of Science", dass es in dieser Zeit nur rund 20.000 Frühmenschen gegeben haben dürfte, wenngleich sie sich damals bereits über Afrika, Asien und Europa verbreitet hatten. "Nicht nur unsere Spezies Homo sapiens, sondern auch unsere Vorfahren waren über lange Zeit kurz vor dem Aussterben", erklärt Studienautor Lynn Jorde.

Alternative zum nuklearen Winter

Grundlage für diese Aussage ist die extrem geringe genetische Vielfalt des Menschen, vergleicht man ihn mit anderen lebenden Primaten. Ein bisheriges Erklärungsmuster dafür sind Engpässe im Laufe der Geschichte, bei denen ein Großteil unserer Urahnen getötet oder fortpflanzungsunfähig wurde. Solche Ereignisse könnten etwa die Auswanderung aus Afrika oder der Ausbruch des Super-Vulkans Toba in Indonesien darstellen, der vor 70.000 Jahren einen weltweiten nuklearen Winter ausgelöst haben dürfte.

Die aktuelle Forschung spricht allerdings dafür, dass es über hunderttausende Jahre hinweg eine dauerhaft niedrige Population von vielleicht nur 10.000 fortpflanzungsfähigen Menschen gab. Die Genetiker nutzten dabei sogenannte Alu-Sequenzen der DNA, die sich nach dem Zufallsprinzip selbst in das Genom einpflanzen können. Das geschieht zwar äußerst selten, doch bleiben stabile Mutationen zurück. Durch deren Vergleich in zwei komplett sequenzierten Menschengenomen konnte die Diversität und Populationsgröße der Vorfahren bis zum Homo erectus rückberechnet werden.

Gefährliche Umwelt verhindert Wachstum

"Das Ergebnis bestätigt die Vermutung, dass früher nur sehr wenige Menschen den Planeten besiedelten", so Johannes Krause, Humangenetiker am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie http://www.eva.mpg.de im pressetext-Interview. Erst seit 2.000 Jahren sei dank der Verbreitung der Landwirtschaft die Weltbevölkerung rasch angestiegen. "Auch zu Zeiten des Neandertalers vor 100.000 Jahren war die Gesamtpopulation ähnlich klein." Der ausbleibende Bevölkerungsanstieg sei auf harte Lebensumstände zurückzuführen. "Der Kannibalismus, der beim Neandertaler häufig dokumentiert werden konnte, deutet viel eher auf extremen Nahrungsmangel als auf rituelle Techniken", so der Experte.

Allerdings liege selbst heute bei sechs Mrd. Menschen die "effektive" Populationsgröße, die ein Maß für die Diversität der Gene ist, nicht über derjenigen vor 1,2 Mio. Jahren. "Der Mensch hatte in den vergangenen 2.000 Jahren kaum dazu Zeit, neue Mutationen entstehen zu lassen. Trotz verschiedener Hautfarben sind wir uns unglaublich ähnlich, vergleicht man etwa dieselben DNA-Sequenzen zweier Menschen." Wäre die tatsächliche Population zu Zeiten des Homo erectus oder Neandertalers größer gewesen, wäre heute die genetische Diversität wesentlich höher, so der Leipziger Anthropologe.

Auch kleine Gruppen können überleben

Dass es dem modernen Menschen samt seinen Vorfahren überhaupt gelungen ist, bis heute zu überleben, dürfte er seiner großen Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit verdanken. "Es ist erstaunlich, wie viele Sozialisierungs- und Jagdformen der Mensch in den vergangenen Jahrtausenden entwickelt hat. Eine derartige Vielfalt ist den Schimpansen und Gorillas bei weitem nicht gelungen", berichtet Krause. Rein biologisch stelle die geringe Anzahl von Individuen allein noch keine Hürde für das Überleben dar. "Auch die Population mancher Wale wächst wieder, nachdem sie der Mensch bis auf wenige hundert Exemplare ausgerottet hatte."

Abstract des Originalartikels unter http://www.pnas.org/content/early/2010/01/06/0909000107.abstract

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.utah.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der Therapie
29.05.2020 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht »Grüner« Wasserstoff oder »grüner« Strom für die Gebäudewärme?
29.05.2020 | Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Im Focus: New measurement exacerbates old problem

Two prominent X-ray emission lines of highly charged iron have puzzled astrophysicists for decades: their measured and calculated brightness ratios always disagree. This hinders good determinations of plasma temperatures and densities. New, careful high-precision measurements, together with top-level calculations now exclude all hitherto proposed explanations for this discrepancy, and thus deepen the problem.

Hot astrophysical plasmas fill the intergalactic space, and brightly shine in stellar coronae, active galactic nuclei, and supernova remnants. They contain...

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

03.06.2020 | Informationstechnologie

Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics