Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie weist deutlichen Erfolg von Verhaltenstherapie bei Depressionen nach

27.05.2010
Poliklinische Institutsambulanz für Psychotherapie untersucht Therapieeffekte bei depressiven Patienten unter naturalistischen Bedingungen

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie können in jeder Lebensphase auftreten und sowohl Kinder und Jugendliche als auch alte Menschen ereilen. Mit einer Verhaltenstherapie sind depressive Störungen jedoch recht gut zu behandeln.

Dass Psychotherapie bei Depressionen tatsächlich erfolgreich ist und in welchem Grad, haben Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nun für die Routineversorgung nachgewiesen. Aus Forschungsstudien unter kontrollierten Bedingungen war bisher schon bekannt, dass die verhaltenstherapeutische Behandlung depressiver Störungen äußerst wirksam ist. In der Fachwelt bestanden jedoch Zweifel, ob sich die Ergebnisse aus den Forschungstherapien auch auf Routinetherapien im normalen Praxisalltag übertragen lassen. „Wir können zeigen, dass die Verhaltenstherapie auch hier eindeutig hilfreich ist“, teilt Dipl.-Psych. Amrei Schindler von der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit. „Die Ergebnisse der sogenannten RCT-Studien werden jedoch nicht ganz erreicht.“

An der Studie beteiligten sich 229 Patienten, die zwischen 2001 und 2008 wegen Depressionen zur Behandlung an die Mainzer Hochschulambulanz kamen. Davon haben 174 die Therapie regulär abgeschossen, das heißt sie brachen sie nicht ab. „Im Durchschnitt absolvierten die Patienten 35 Therapiesitzungen in unserer Ambulanz. Die Therapie dauerte somit durchschnittlich etwa eineinhalb Jahre“, erklärt Schindler. Insgesamt wurden Daten zu drei Erhebungszeitpunkten erfasst. Die Auswertung für die gesamte Stichprobe von 229 Patienten zeigt, dass die depressiven Symptome und die allgemeine psychische Belastung im Verlauf der Behandlung signifikant zurückgingen. Gemessen anhand des Beck-Depressions-Inventars (BDI) – ein bekannter und weltweit verbreiteter Fragebogen zur Selbstbeurteilung depressiver Symptome – haben 61 Prozent aller Teilnehmer eine über 50prozentige Besserung ihrer Symptomatik erreicht. „Die Patienten gaben am Ende deutlich weniger Symptome an, als noch zu Beginn“, fasst Schindler die Ergebnisse im Vorher-Nachher-Vergleich zusammen. Dabei machte es offenbar keinen Unterschied, ob die Patienten gleichzeitig Psychopharmaka erhielten oder nicht.

Dem Therapiebeginn geht üblicherweise eine mehrmonatige Wartezeit voraus, die bei der vorliegenden Stichprobe knapp 5 Monate betrug. Ein Vergleich der Depressionswerte zum Zeitpunkt der Anmeldung zur Therapie mit denen zu Therapiebeginn ergab, dass sich die depressive Symptomatik in dieser Warteperiode nicht bedeutsam veränderte. „Wir kommen zu dem Schluss, dass die Verbesserungen tatsächlich auf die verhaltenstherapeutische Behandlung zurückgehen und nicht oder jedenfalls nicht allein auf Psychopharmaka oder Spontanremissionen.“ Schindler macht darauf aufmerksam, dass sich auch bei den Therapieabbrechern markante Verbesserungen eingestellt haben, wenngleich nicht in demselben Maße wie bei den abgeschlossenen Therapien.

Die Studie deutet allerdings auch darauf hin, dass die Therapien unter sogenannten naturalistischen Bedingungen wie in der Hochschulambulanz im Vergleich zu den randomisierten kontrollierten Studien, die zu Forschungszwecken angelegt werden, nicht ganz so effektiv sind. In einer weiteren Studie soll überprüft werden, inwieweit dies etwa mit den Unterschieden bei den Patientengruppen zusammenhängt.

Veröffentlichung:
Amrei Schindler und Wolfgang Hiller, Therapieeffekte und Responseraten bei unipolar depressiven Patienten einer verhaltenstherapeutischen Hochschulambulanz, Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 39 (2), 107-115, 2010.
Weitere Informationen:
Dipl.-Psych. Amrei Schindler
Poliklinische Institutsambulanz für Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
Wallstraße 3
55122 Mainz
Tel. +49 6131 39-39118
Fax +49 6131 39-39102
E-Mail: schindam@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinische-psychologie-mainz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff
10.12.2018 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

nachricht Diabetes Typ 1 - Studien zeigen: Insulinpumpen wirken sich positiv auf Blutzuckerwerte
10.12.2018 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

Von „Frequenzkämmen“ spricht man bei speziellem Laserlicht, das sich optimal für chemische Sensoren eignet. Eine revolutionäre Technik der TU Wien erzeugt dieses Licht nun viel einfacher und robuster als bisher.

Ein gewöhnlicher Laser hat genau eine Farbe. Alle Photonen, die er abstrahlt, haben genau dieselbe Wellenlänge. Es gibt allerdings auch Laser, deren Licht...

Im Focus: Topological material switched off and on for the first time

Key advance for future topological transistors

Over the last decade, there has been much excitement about the discovery, recognised by the Nobel Prize in Physics only two years ago, that there are two types...

Im Focus: Neue Methode verpasst Mikroskop einen Auflösungsschub

Verspiegelte Objektträger ermöglichen jetzt deutlich schärfere Bilder / 20fach bessere Auflösung als ein gewöhnliches Lichtmikroskop - Zwei Forschungsteams der Universität Würzburg haben dem Hochleistungs-Lichtmikroskop einen Auflösungsschub verpasst. Dazu bedampften sie den Glasträger, auf dem das beobachtete Objekt liegt, mit maßgeschneiderten biokompatiblen Nanoschichten, die einen „Spiegeleffekt“ bewirken. Mit dieser einfachen Methode konnten sie die Bildauflösung signifikant erhöhen und einzelne Molekülkomplexe auflösen, die sich mit einem normalen Lichtmikroskop nicht abbilden lassen. Die Studie wurde in der NATURE Zeitschrift „Light: Science and Applications“ veröffentlicht.

Die Schärfe von Lichtmikroskopen ist aus physikalischen Gründen begrenzt: Strukturen, die näher beieinander liegen als 0,2 tausendstel Millimeter, verschwimmen...

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Im Focus: Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. Drei große Nervenzellen in jeder Hälfte des Fliegenhirns reichen jedoch aus, um die Fliege mit Hilfe visueller Signale wieder auf Kurs zu bringen.

Bewegen wir uns vorwärts, zieht die Umwelt in die entgegengesetzte Richtung an unseren Augen vorbei. Drehen wir uns, verschiebt sich das Bild der Umwelt im...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

Fachforum über intelligente Datenanalyse

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

11.12.2018 | Physik Astronomie

Besser Bohren – Neues Nanokomposit stabilisiert Bohrflüssigkeiten

11.12.2018 | Geowissenschaften

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics