Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Siemens-Studie: Europa könnte beim Ausbau erneuerbarer Energien 45 Mrd. Euro sparen

15.05.2013
• Ausbau der erneuerbaren Energien an mittelmäßigen Standorten verursacht in Europa 45 Mrd. Euro an unnötigen Investitionen

• Einsparpotenzial entspricht dem Vier- bis Fünffachen des jährlichen Investitionsvolumens von Deutschland für Solar und Windkraft

Siemens hat die elektrischen Energiesysteme in Europa analysiert und dabei erhebliche Optimierungsmöglichkeiten identifiziert, insbesondere beim vorgesehenen Ausbau der erneuerbaren Energien. Entscheidend ist die Standortwahl: Würde der Ausbau an den ertragreichsten Standorten Europas erfolgen, könnten bis 2030 rund 45 Mrd. Euro an Investitionen bei den Erneuerbaren gespart werden. Der dadurch bedingte zusätzliche Netzausbau ist in dieser Rechnung bereits berücksichtigt.

Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2012 insgesamt rund 10 Mrd. Euro in neue Anlagen zur Stromerzeugung mittels Wind- und Solarkraft investiert. „In Europa werden bis 2030 allein rund 138 Gigawatt an Photovoltaikanlagen neu gebaut. Würde der Zubau an den sonnenreichsten Standorten erfolgen, könnten wir 39 Gigawatt an Solaranlagen einsparen – bei gleichem Stromertrag. Auch bei der Windkraft ist die Standortwahl entscheidend für Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Anlagen“, sagte Michael Süß, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO des Sektors Energy im Rahmen des 1. europäischen Energiekongresses in Brüssel.

In einer derzeit laufenden Studie untersucht Siemens in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München die globalen Energiesysteme im Hinblick auf Nutzungsgrad der Ressourcen, Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz. Ausgehend von der Erkenntnis, dass jährlich Milliardenbeträge durch Ineffizienzen in den weltweiten Energiesystemen sowie -märkten verschwendet werden, soll die Studie insbesondere diese Verluste aufzeigen und quantifizieren sowie Lösungsansätze herausstellen. Die Ergebnisse wird Siemens im Rahmen der weltweit wichtigsten Energiekonferenz World Energy Congress (WEC) im Oktober 2013 im südkoreanischen Daegu vorstellen.

Siemens hat vier Haupthebel bei der weltweiten Optimierung der Energiesysteme ausgemacht, die je nach regionaler Ausprägung der Stromnetze und des Kraftwerksparks unterschiedlich stark zum Tragen kommen können:

1. Lokale Optimierung der Standorte erneuerbarer Energien. Das bedeutet, die regionalen Potenziale zur Stromerzeugung optimal auszunutzen. Dabei sollten unter anderem die besten Standorte für Solaranlagen, Wasserkraftspeicher und Windenergieanlagen gehoben und die Netze ausgebaut werden.

2. Effizienzsteigerung im gesamten Energiesystem. So liegt der durchschnittliche Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken in Europa im Schnitt bei 38 Prozent, während moderne Anlagen auf bis zu 46 Prozent kommen können. Durch effizientere elektrische Verbraucher in Industrie und Haushalt ließen sich weitere CO2-Emissionen und Kosten sparen.

3. Verbesserungen im Kraftwerksmix. Durch den Wechsel vom Energieträger Kohle hin zu Gaskraftwerken ließen sich erhebliche Mengen an Kohlendioxid bei der konventionellen Stromerzeugung sparen. In Europa ergäbe sich alleine dadurch ein jährliches CO2-Einsparungspotenzial von 365 Millionen Tonnen. Das entspricht dem halben Emissionsvolumen von Deutschland.

4. Mehr Einsatz von Strom als Energieträger. Statt mit geringen Wirkungsgraden dezentral Strom zu erzeugen und Erdöl und Erdgas zum Heizen in Gebäuden zu verbrennen, ließe sich Strom effizienter in Großkraftwerken erzeugen und in wärmegedämmten Häusern für hocheffiziente elektrische Heizsysteme verwenden – zumindest in Regionen mit flächendeckendem Stromnetz.

Die Energiesysteme unterscheiden sich weltweit aufgrund ihrer regionalen Bedingungen sehr deutlich und befinden sich in ständigem Wandel. So setzt Norwegen für die Stromerzeugung aufgrund der vorteilhaften Topologie fast ausschließlich auf Wasserkraft. Gleichzeitig ist es ein wichtiges Förderland für Erdgas, welches zum größten Teil ausgeführt wird. Der Export der in hohem Maße verfügbaren Wasserkraft mittels elektrischer Fernleitungen spielt hingegen bislang nur eine untergeordnete Rolle, obwohl es in vielen Ländern Europas einen großen Bedarf an Ausgleichsenergie gibt.

Großbritannien und Deutschland haben für ihre Energiesysteme einen Wandel hin zum Großeinsatz erneuerbarer Energien beschlossen. Das britische Königreich will die Offshore-Windkraft so weit ausbauen, dass sie ab 2020 ein Viertel zur Stromerzeugung beiträgt, in Deutschland soll der Anteil 2030 bei 15 Prozent liegen. Bis 2050 will die Bundesrepublik insgesamt 80 Prozent des Strombedarfs mit Erneuerbaren Energien decken. Witterungsbedingte starke Schwankungen in der Stromerzeugung setzen dann große Energiespeicher oder leistungsstarke Austauschmöglichkeiten mit anderen Ländern voraus.

Die USA erleben gerade einen Erdgas-Boom, der seinesgleichen sucht. Aufgrund der starken Ausbeute unkonventioneller Vorkommen ist der lokale Erdgaspreis um bis zu zwei Drittel günstiger als in Europa. Gaskraftwerke werden bei der Stromerzeugung daher künftig eine größere Rolle spielen. Die Vereinigten Staaten wandeln sich womöglich sogar von einem der größten Importeure zu einem der größten Exporteure fossiler Energieträger. Geprägt durch die hohe und steigende Nachfrage nach Energie und aufgrund der starken Importabhängigkeit ist Erdgas in Asien hingegen derzeit etwa fünfmal so teuer wie in den USA.

Siemens untersucht in seiner Studie die regionalen Gegebenheiten unter Berücksichtigung der prognostizierten künftigen Entwicklung und leitet die Implikationen für benachbarte Energiemärkte ab. So soll ermittelt werden, welche Ansätze aus volks- und globalwirtschaftlicher Sicht am besten geeignet sind, sichere und nachhaltige Energiesysteme hoher Effizienz bei bezahlbaren Strompreisen zu schaffen.

Die Präsentation und Diskussion von weiteren Zwischenergebnissen ist am 4. Juni in Moskau, am 9. Juli in Juno Beach, Florida, am 1. August in Peking und am 4. September in Abu Dhabi vorgesehen. Im südkoreanischen Daegu soll am 15. Oktober eine vorläufige Gesamtauswertung vorgestellt werden.

Ab 13. Oktober 2013 findet im südkoreanischen Daegu mit dem „World Energy Congress“ die weltweit wichtigste Konferenz im Energiesektor statt. Der Siemens Energy Sektor plant eine Reihe von Veranstaltungen, um bereits im Vorfeld dieses Großereignisses ein umfassendes Bild von der jeweiligen Energiesituation und den spezifischen Herausforderungen in verschiedenen Regionen der Welt zu vermitteln. Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft treten dabei in einen Dialog über die globalen und regionalen Herausforderungen.

Zudem bereisen derzeit zwei Blogger im Auftrag von Siemens die Welt und veröffentlichen ihre Eindrücke von den jeweils besichtigten Energiesystemen unter blogs.siemens.com/theenergyblog

Ansprechpartner für Journalisten:
Siemens AG, Media Relations
Torsten Wolf, Tel.: +49 9131 18-82532
E-Mail: torsten.tw.wolf@siemens.com
Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/siemens_press
Der Siemens-Sektor Energy ist der weltweit führende Anbieter eines breit gefächerten Spektrums an Produkten, Dienstleistungen und Lösungen für die Stromerzeugung mit thermischen Kraftwerken und aus erneuerbaren Energiequellen sowie für die Stromübertragung in Netzen und für die Gewinnung, die Verarbeitung und den Transport von Öl und Gas. Im Geschäftsjahr 2012 (30. September) erwirtschaftete der Sektor Energy einen Umsatz von 27,5 Mrd. EUR und erhielt Aufträge in einem Umfang von rund 26,9 Mrd. EUR. Das Ergebnis betrug 2,2 Mrd. EUR. Im Sektor Energy arbeiteten zum 30. September 2012 knapp 86.000 Mitarbeiter. Weitere Informationen unter: www.siemens.de/energy.

Siemens AG
Wittelsbacher Platz 2, 80333 München, Deutschland
Corporate Communications and Government Affairs
Leitung: Stephan Heimbach
Energy Sector
Freyeslebenstrasse 1, 91058 Erlangen

Informationsnummer: E201305.035

Torsten Wolf | Siemens Energy
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com/wec
http://www.siemens.com/presse/energy/round-table-bruessel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht „Moonwalk“ für die Wissenschaft zeigt Verzerrungen im räumlichen Gedächtnis
18.11.2019 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Mobilität im Zeichen von Umbruch und Klimawandel
13.11.2019 | Duale Hochschule Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Im Focus: Der direkte Weg zur Phosphorverbindung: Regensburger Chemiker entwickeln Katalysemethode

Wissenschaftler finden effizientere und umweltfreundlichere Methode, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel – Phosphorverbindungen sind aus vielen Mitteln für den Alltag und die Industrie nicht...

Im Focus: Atoms don't like jumping rope

Nanooptical traps are a promising building block for quantum technologies. Austrian and German scientists have now removed an important obstacle to their practical use. They were able to show that a special form of mechanical vibration heats trapped particles in a very short time and knocks them out of the trap.

By controlling individual atoms, quantum properties can be investigated and made usable for technological applications. For about ten years, physicists have...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

3D-gedruckte Optik

20.11.2019 | Physik Astronomie

Sprit sparen auf dem Acker

20.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Erste Großschmetterlings-Raupe im Baltischen Bernstein entdeckt

20.11.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics