Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbst Diabetiker wissen wenig über ihr Infarktrisiko

01.04.2010
LIGA/ DHD-Studie offenbart: Die Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen hat große Lücken beim Thema Herzinfarkt. Von Diabetikern werden Symptome und Risikofaktoren noch mehr unterschätzt.

Ernüchternd sind die Daten einer repräsentativen Befragung zum Risikobewusstsein in der Bevölkerung und bei Diabetikern, die das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit Nordrhein-Westfalen (LIGA.NRW) mit der Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker) am HDZ NRW vor kurzem vorgestellt hat. Zwar wusste demnach etwa jeder Zweite in Nordrhein-Westfalen, dass Rauchen (51,2%), Übergewicht (49,9%) und Stress (40,3%) das Infarktrisiko erhöht, aber gerade einmal 26,1% nannten Bluthochdruck und 11,5% Fettstoffwechselstörung als Risikofaktoren. Der Diabetes rangierte mit 5,2% sogar an letzter Stelle - und das, obwohl vor allem vaskuläre Folgen wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall die Gesundheit des Diabetikers bedrohen. Im NRW-Survey wurden 2000 Personen erfasst und ergänzend dazu 505 Patienten mit Diabetes mellitus befragt. Fast Dreiviertel der Diabetiker erklärten, sie hätten schon eine oder mehrere Diabetesschulungen besucht.

Von den Ergebnissen gleichermaßen überrascht sind Wolfgang Werse (Projektkoordinator LIGA.NRW) und Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe (Vorsitzender Stiftung DHD). "Erwartungsgemäß variierte das Wissen in der Subanalyse (Sozialstatus, Herkunft). Der Kenntnisstand war in den höheren Schichten besser als bei sozial benachteiligten Gruppen und Menschen mit Migrationshintergrund wussten deutlich weniger", erklärt Werse. Unabhängig von Sozialstatus, Herkunft oder Krankheitsspezifik (Diabetes) sei das Wissensniveau im Gesamtkollektiv sehr niedrig gewesen. "So dramatisch haben wir die Defizite nicht erwartet", sagt Professor Diethelm Tschöpe, der auch Ärztlicher Direktor am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen ist.

Weniger als ein Fünftel der Befragten wusste, dass bei Diabetes das Infarktrisiko genauso hoch ist wie beim Nichtdiabetiker nach einem durchlebten Herzinfarkt. Nur die Hälfte aller Studienteilnehmer konnte überhaupt typische Infarktsymptome (Angina pectoris, Luftnot, Enge in Brust, Schmerzen im Oberarm usw.) benennen. Der Gruppe von Diabetikern waren diese Anzeichen noch weniger bekannt. Das fehlende Bewusstsein selbst bei den wichtigsten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und hohe Fettwerte sei erschreckend. "Wenngleich das Krankheitsbewusstsein bei Menschen mit Diabetes höher als in der Allgemeinbevölkerung ist, von den Betroffenen wurden entscheidende Parameter bei Faktoren, die man beeinflussen kann, zuletzt genannt", so Tschöpe. Zumindest wusste wenigstens die Mehrheit aller Probanden (60 bis 70%), dass gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung nützliche Effekte auf die Herzgesundheit haben kann. Die Blutzuckereinstellung schätzten aber nur ca. 16% der Befragten als bedeutend ein. Und dass mit Blutdruck- wie Blutfettwerten im Zielbereich einem Herzinfarkt vorgebeugt werden kann, war erst jedem Zwanzigsten bewusst.

Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient muss deutlich verbessert werden, betonen die Verantwortlichen von LIGA.NRW und Stiftung DHD. Dabei muss es neben der Sprache, die der medizinische Laie versteht, auch um die richtige Akzentsetzung in der Patientenaufklärung gehen. Risiken, die letztlich für den Anstieg der Multimorbidität bei Diabetikern verantwortlich sind, sollten ihrer Priorität entsprechend gewichtet werden. Die Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Ereignisse ist bei Diabetes zwei- bis vierfach (bei Frauen bis zu sechsfach) erhöht. Immerhin sterben 75% aller Patienten an den Folgen der Erkrankung für das Herz-, Kreislauf- und Gefäßsystem. Vor dem Hintergrund der Häufigkeit kardialer Erkrankungen (koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt) und medizinisch längst gesicherter Erkenntnisse (auch Leitlinien von Fachgesellschaften) sei kaum nachvollziehbar, dass Patienten mit Diabetes, die regelmäßig pro Quartal einen Arzt konsultieren und über Jahre ausführlich (oft sogar mehrfach) zur Erkrankung geschult werden, beim Infarktrisiko nicht besser informiert sind.

Katrin Hertrampf | idw
Weitere Informationen:
http://www.stiftung-dhd.de
http://www.hdz-nrw.de

Weitere Berichte zu: Bluthochdruck Diabetes Diabetiker Herzinfarkt Infarktrisiko Myokardinfarkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics