Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wird’s gesagt? Formulierungen von Sprachdialogsystemen beeinflussen die Fahrsicherheit

21.11.2013
Sprachdialogsysteme sollen dem Autofahrer das Leben erleichtern.

Saarbrücker Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass neben Touchscreens und Co auch diese Technologie im Auto die Konzentration stören kann – vor allem, wenn der Fahrer aufgrund der Verkehrslage gestresst ist. Die Forscher entwickeln derzeit ein Sprachsystem, das die Fahrsicherheit gewährleisten soll.

Ähnlich wie ein Beifahrer soll es erkennen, wie angespannt der Fahrer ist und Informationen weitergeben, ohne den Fahrer abzulenken oder zu überfordern. Die Forscher präsentieren ihr Projekt neben über 50 anderen am 25. November ab 14 Uhr auf dem Saarbrücker Campus. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Verkehrsstatistiken belegen es immer wieder: Wird ein Autofahrer abgelenkt, steigt das Unfallrisiko. Moderne Sprachdialogsysteme im Auto sollen dem Fahrer helfen, sich besser auf die Straße und den Verkehr zu konzentrieren – sie kommunizieren mit dem Fahrer, suchen auf Wunsch beispielsweise eine Telefonnummer oder ein nahegelegenes Restaurant heraus.

Doch inwieweit beeinflussen diese Systeme die Konzentration des Fahrers, wenn dieser gerade besonders unter Druck steht? Dieser Frage sind Wissenschaftler der Universität des Saarlandes um Vera Demberg und um Christian Müller vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in einer Studie nachgegangen.

„Das Steuern über Sprachbefehle ist zwar grundsätzlich besser als die Bedienung über Touchscreens, aber auch für Sprachsysteme müssen wir untersuchen, wie sie einen Autofahrer in stressigen Situationen zusätzlich belasten können“, erklärt Vera Demberg, die im Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“ an der Saar-Uni eine Nachwuchsgruppe leitet.

In einem Fahrsimulator mussten Probanden daher einen kurvigen Parcours absolvieren: Damit alle Teilnehmer vergleichbare Ergebnisse erzielen, mussten sie das Auto so steuern, dass sich zwei farbige Balken, die auf dem Bildschirm des Simulators zu sehen waren, überlagern.

In einem weiteren Schritt haben die Forscher den Testpersonen verschiedene Sätze vorgespielt. Dabei haben sich einige nur an einer Stelle unterschieden, dadurch aber einen anderen Sinn ergeben, wie zum Beispiel: „Die Nachbarin, die einige der Mieter auf Schadensersatz verklagt hat, kannte ich gut. / Die Nachbarin, die einige der Mieter auf Schadensersatz verklagt haben, kannte ich gut.“ Anschließend mussten die Probanden zu den Aussagen einfache Fragen mit „ja“ oder „nein“ beantworten.

Um bei dieser Doppelbelastung die Anspannung der Teilnehmer zu messen, haben sich die Forscher das Zucken der Pupillen mit einer speziellen Kamera genauer angeschaut. „Es kann als Maß für die kognitive Belastung herangezogen werden“, so Demberg. „Zucken die Pupillen besonders häufig, ist die Person angespannt.“ Insgesamt konnten die Wissenschaftler bei allen Teilnehmern eine starke Belastung nachweisen. „Das Fahren auf dem kurvigen Parcours war schon eine Herausforderung“, kommentiert Demberg die Ergebnisse. „Sobald aber die Sprache ins Spiel kam, lenkten die Teilnehmer deutlich schlechter.“

Die Forscher arbeiten nun an einem neuartigen Dialogsystem, das sich an die jeweilige Fahrsituation anpassen soll. „Ähnlich wie ein Beifahrer soll es erkennen, ob der Fahrer im Stress ist“, erklärt Demberg weiter. Die Informationen werden dann in einer für ihn hektischen Verkehrssituation in einfacheren und kürzeren, ansonsten in längeren Sätzen wiedergegeben. „Längere Sätze ermöglichen es, mit weniger Sätzen mehr Information auszudrücken“, erklärt Demberg. „Die Kommunikation ist so effizienter.“ Die Forscher entwickeln nun eine Software, die Informationen automatisch in unterschiedlicher Länge wiedergeben soll.

Computerlinguistik und Informatik an der Universität des Saarlandes
Vera Demberg studierte Computerlinguistik in Stuttgart und leitet an der Universität des Saarlandes in der Fachrichtung „Computational Linguistics and Phonetics“ die unabhängige Forschergruppe „Cognitive Models of Human Language Processing and their Application to Dialogue Systems“. Saarbrücken ist eines der weltweit führenden Zentren der Sprachverarbeitungsforschung.

Die Saarbrücker Computerlinguistik ist auch eine wichtige Säule des Exzellenzclusters „Multimodal Computing and Interaction“. Der Exzellenzcluster ist eines von sieben namhaften Informatik-Instituten auf dem Campus. Dazu gehören unter anderem die beiden Max-Planck-Institute für Informatik und Softwaresysteme, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie das Intel Visual Computing Institute. Zudem ist die Saarbrücker Informatik seit 1995 für mehr als 77 Unternehmensgründungen verantwortlich.

Weitere Informationen:

Die komplette Studie finden Sie unter:
http://dx.doi.org/10.1145/2516540.2516546
DOI: 10.1145/2516540.2516546
Anmeldung zur Industriemesse des Exzellenzclusters:
https://events.mmci.uni-saarland.de/kickoff.php
Ein Pressefoto finden Sie unter:
http://www.uni-saarland.de/pressefotos
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001).
Fragen beantwortet:
Dr. Vera Demberg
Nachwuchsgruppenleiterin im Exzellenzcluster
Tel.: 0681 302 70024
E-Mail: vera(at)mmci.uni-saarland.de
Redaktion
Melanie Löw
Science Communication / Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction”
E-Mail: mloew(at)mmci.saarland.de
Tel: +49 681 302 4022 / +49 681 302 70164
Gordon Bolduan
Science Communication / Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction”
E-Mail: bolduan(at)mmci.uni-saarland.de
Tel: +49 681 302 70741
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1145/2516540.2516546
https://events.mmci.uni-saarland.de/kickoff.php
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar
15.01.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Verloren im Schilderwald: Sind ältere Autofahrer unaufmerksamer?
09.01.2019 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Im Focus: Nanocellulose for novel implants: Ears from the 3D-printer

Cellulose obtained from wood has amazing material properties. Empa researchers are now equipping the biodegradable material with additional functionalities to produce implants for cartilage diseases using 3D printing.

It all starts with an ear. Empa researcher Michael Hausmann removes the object shaped like a human ear from the 3D printer and explains:

Im Focus: Roter Riesenvollmond in den Morgenstunden des 21. Januar

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Frühaufsteher sind diesmal im Vorteil: Wer am Morgen des 21. Januar 2019 vor 6:45 Uhr einen Blick an den Himmel wirft, kann eine totale Mondfinsternis bestaunen. Dann leuchtet der sonst so strahlende Vollmond zwischen den Sternbildern Zwillingen und Krebs glutrot.

Um das Finsternis-Spektakel in seiner gesamten Länge zu verfolgen, muss man allerdings sehr früh aus dem Bett: Kurz nach 4:30 Uhr beginnt der Mond sich langsam...

Im Focus: Atomarer Mechanismus der Supraschmierung aufgeklärt

Das Phänomen der sogenannten Supraschmierung ist bekannt, es war jedoch auf atomarer Ebene bislang nicht zu erklären: Wie entsteht die extrem niedrige Reibung beispielsweise in Lagern? Forscherinnen und Forscher der Fraunhofer-Institute IWM und IWS entschlüsselten gemeinsam einen universellen Mechanismus der Supraschmierung bei bestimmten diamantähnlichen Kohlenstoffschichten in Verbindung mit organischen Schmierstoffen. Auf dieser Wissensbasis ist es nun möglich, Designregeln für supraschmierende Schicht-Schmierstoff-Kombinationen zu formulieren. Die Ergebnisse präsentiert ein Artikel der Zeitschrift Nature Communications, Ausgabe 10.

Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität ist, Reibung zu minimieren. Diesem wichtigen Vorhaben widmen sich...

Im Focus: Elucidating the Atomic Mechanism of Superlubricity

The phenomenon of so-called superlubricity is known, but so far the explanation at the atomic level has been missing: for example, how does extremely low friction occur in bearings? Researchers from the Fraunhofer Institutes IWM and IWS jointly deciphered a universal mechanism of superlubricity for certain diamond-like carbon layers in combination with organic lubricants. Based on this knowledge, it is now possible to formulate design rules for supra lubricating layer-lubricant combinations. The results are presented in an article in Nature Communications, volume 10.

One of the most important prerequisites for sustainable and environmentally friendly mobility is minimizing friction. Research and industry have been dedicated...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung zu Antibiotikaresistenzen

15.01.2019 | Veranstaltungen

Lasersymposium Elektromobilität in Aachen

11.01.2019 | Veranstaltungen

Die Rolle des Menschen in der digitalisierten Arbeitswelt

10.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Multiple Sklerose: Hilfe zur zellulären Selbsthilfe

15.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Tagung zu Antibiotikaresistenzen

15.01.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

15.01.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics