Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilotstudie testet kognitive Methoden bei Gipsarm

06.07.2012
Training durch Gedankenkraft

Menschen, die sich das Handgelenk oder einen Arm brechen, müssen oft wochenlang eine Schiene oder Gips tragen. In dieser Zeit bildet sich die Muskulatur des unbewegten Arms zurück und Feinmotorik sowie Koordination verschlechtern sich.


Eine Patientin bewegt ihren gesunden Arm. Der Spiegel gaukelt dem Gehirn vor, dass sich der gebrochene Arm hinter dem Spiegel bewegt.
Universität Stuttgart

Um die Beweglichkeit des Arms zu erhalten, testen Wissenschaftler am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus nun ein frühzeitiges Training im Kopf.

In der Zeit, in der das Handgelenk im Gips geschont wird, bildet sich die Muskelmasse um bis zu 40 Prozent zurück. Folglich nimmt auch die Muskelkraft ab. Auch im motorischen Areal des Gehirns passiert etwas: Durch die Ruhigstellung kommen keine Impulse aus dem ge-brochenen Handgelenk mehr im Gehirn an. Das motorische und sensorische Pendant des Handgelenks im Gehirn spricht nicht mehr im gleichen Maße an und das Gehirn kann die Bewegungen in dem betreffenden Körperteil nicht mehr so gut koordinieren.

Doch was wäre, wenn der Patient dem Gehirn nur vorgaukelt, den Arm im Gips zu bewegen? Studien haben gezeigt, dass Menschen diejenigen Gehirnregionen, die Nervenimpulse von bestimmten Körperregionen empfangen, bewusst aktivieren können – selbst wenn sie die betreffenden Muskeln nicht bewegen. Dazu müssen sie sich intensiv vorstellen, den betroffenen Arm zu bewegen. In der Spiegel-therapie bewegen die Patienten den gesunden Arm und betrachten ihn dabei in einem Spiegel, der senkrecht zur Körpermitte steht. Bei dieser Alternative wird das Gehirn getäuscht, indem es den gespiegelten Arm als den Gipsarm wahrnimmt. Durch diese Methoden kann die Abnahme in der Effektivität von Bewegungsmustern verhindert werden.
In der Stuttgarter Pilotstudie untersuchen die Forscher, ob frühzeitiges mentales oder Spiegeltraining den Patienten hilft, die Funktionsverluste durch die Ruhigstellung des gebrochenen Armes oder Handgelenks zu verringern. Dazu vergleichen die Wissenschaftler drei Gruppen miteinander. Teilnehmer der beiden Experimentalgruppen trainieren bereits wenige Tage nach der Operation jeweils entweder nur mental oder mit dem Spiegel, zusätzlich zur später einsetzenden, herkömmlichen Physiotherapie. Die Kontrollgruppe erhält nur die Physiotherapie. Anschließend werten die Forscher aus, wie sich das sechswöchige, täglich bis zu einer Stunde dauernde mentale oder Spiegeltraining auf die Beweglichkeit und Kraft von Arm und Handgelenk ausgewirkt hat. Zusätzlich ermitteln die Sportwissenschaftler wie sich das Training auf die subjektive Funktionalität, die Teilhabe am sozialen Leben und die Lebensqualität auswirkt. Die Ergebnisse wer-den Ende des Jahres vorliegen. Sie dienen als Vorbereitung für eine größere Studie, in der zusätzlich Magnetresonanztomografie-Aufnahmen des Gehirns zeigen sollen, wie das Training die motori-schen Areale aktiviert.

Das Forschungsvorhaben ist eines von fünf Teilprojekten des Pro-jekts „Prevention and Rehabilitation of Osteoporotic Fractures in dis-advantaged Populations“ (PROFindD). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt zunächst bis 2013 mit dem Ziel, osteoporotische Frakturen zu verhindern und die Rehabilitation zu beschleunigen.

Ansprechpartner: Prof. Nadja Schott, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Tel. 0711/685-63042,

e-mail: nadja.schott@inspo.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics