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Ökologisch, fair, bezahlbar und gelabelt?

20.04.2010
Bisher gibt es kein allgemeines Nachhaltigkeitslabel für Produkte /
Öko-Institut und Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) schlagen vor, allgemeine Gütekriterien für die Weiterentwicklung bestehender Siegel zu erarbeiten

Verbraucher wollen sich heutzutage vor dem Kauf immer öfter darüber informieren, ob der Teppich ohne Kinderarbeit gefertigt wurde oder das Spielzeug keine giftigen Stoffe enthält. Unterschiedliche Label und Siegel helfen dabei, hier eine gute Wahl zu treffen.

Doch bisher gibt es kein Label, das ökologische und ökonomische Kriterien sowie soziale Aspekte gleichermaßen abdeckt. Eine neue Studie vom Öko-Institut und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kommt zu dem Schluss, dass ein einheitliches "Nachhaltigkeitslabel" über alle Produktgruppen hinweg nicht sinnvoll ist. Stattdessen schlagen die WissenschaftlerInnen vor, die bestehenden Umwelt- und Sozialsiegel in Richtung Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.

"Wenn Verbraucher rundherum nachhaltig konsumieren wollen, fehlt ihnen bisher eine einfache orientierende Signalanlage", sagt Projektleiterin Dr. Jennifer Teufel vom Öko-Institut. Die zahlreichen Produktlabel bilden in der Regel nur Teilaspekte der Nachhaltigkeit ab, zumeist ökologische, selten soziale. Viele existierende Label sind auf bestimmte Produktgruppen beschränkt. "Es wäre sehr aufwändig und teuer, ein einheitliches Nachhaltigkeitslabel auf dem Markt einzuführen. Zudem besteht die Gefahr, dass die renommierten und bekannten Siegel durch ein neues Nachhaltigkeitslabel relativiert würden. Deshalb raten wir von diesem Weg ab", so die Öko-Instituts-Expertin.

Die Studie schlägt stattdessen vor, die bestehenden Siegel in mehreren Stufen weiterzuentwickeln. "Aus unserer Sicht ist es zunächst wichtig, gemeinsam mit den Beteiligten aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik informelle Gütekriterien für Produktkennzeichen zu erarbeiten, die aufzeigen, was Nachhaltigkeit in Kennzeichen erfordert", sagt Dr. Frieder Rubik vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. "Daraus könnten sich gemeinsame Nachhaltigkeitsstandards ergeben. Am Ende des Diskussionsprozesses sollen dann die bestehenden Zeichen diese Standards für sich selbst umsetzen." Aus Sicht der Experten könnte dieser Prozess in rund drei Jahren umgesetzt werden.

Wie sind die WissenschaftlerInnen vorgegangen?
Im Rahmen des Forschungsvorhabens haben sich die WissenschaftlerInnen rund 70 Label genauer angeschaut und die Vor- beziehungsweise Nachteile der Kennzeichen aufgelistet. Darunter waren so bekannte Siegel wie der "Blaue Engel" und das FSC-Zeichen, aber auch verschiedene Textilsiegel und Siegel für Bauprodukte. Häufigstes Defizit: Es gibt beim ökologischen und sozialen Nachweis über den gesamten Lebensweg vor allem Lücken bei den Rohstoffen und bei den Vorprodukten, die oft unter sozial schwierigen Bedingungen in Entwicklungs-ländern produziert werden. Hier müssen die neu zu entwickelnden Gütekriterien ansetzen. Aufbauend auf einer Literaturanalyse und Experteninterviews wurden mögliche konzeptionelle Ansatzpunkte für ein allgemeines produktübergreifendes Nachhaltigkeitslabel skizziert und im Rahmen einer Stärken-Schwächen-Analyse die Vor- und Nachteile dieser konzeptionellen Varianten gegeneinander abgewogen.
Vorteil für den Verbraucher - einfache Info, gute Orientierung
Welchen Vorteil hätte der Verbraucher von der Anwendung neuer Nachhaltigkeitsstandards durch einzelne Zeichensysteme? Er wäre beim Kauf eines Teppichs künftig sicher, dass dieser ohne Kinderarbeit produziert worden ist, die verwendete Baumwolle zudem ökologisch und fair angebaut wurde und der Teppich auch keine schädlichen Gifte enthält. Und diese Information würde ihm ein bereits renommiertes Label, wie beispielsweise der Blaue Engel geben, das die entwickelten Standards in sein Zertifizierungssystem aufgenommen hat.

Die vollständige Studie können Sie hier kostenlos herunterladen: http://download.ble.de/08HS031.pdf

AnsprechpartnerInnen:
Dr. Jennifer Teufel
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: 0761/452 95-52
E-Mail: j.teufel(at)oeko.de
Dr. Frieder Rubik
Leiter des Forschungsfeldes Ökologische Produktpolitik
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gGmbH, Büro Heidelberg
Telefon: 06221/64916-6
E-Mail: frieder.rubik(at)ioew.de
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) ist ein führendes wissenschaftliches Institut auf dem Gebiet der praxisorientierten Nachhaltigkeitsforschung. Seit seiner Gründung 1985 forscht das IÖW zu Strategien und Handlungsansätzen für ein zukunftsfähiges Wirtschaften - für eine Ökonomie, die ein gutes Leben ermöglicht und die natürlichen Grundlagen erhält. Hauptsitz des IÖW ist Berlin, daneben besteht ein Büro in Heidelberg.

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://download.ble.de/08HS031.pdf
http://www.ioew.de

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