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Nur noch 430.000 neue Auszubildende im Jahr 2025 – schulische Ausbildung bleibt attraktiv

03.09.2014

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im dualen System geht bis zum Jahr 2025 um knapp ein Viertel auf 430.000 zurück, die Zahl der jungen Menschen, die eine schulische Berufsausbildung aufnehmen, bleibt hingegen mit rund 300.000 stabil. So lauten die zentralen Ergebnisse der ersten Prognose des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie zum Berufsbildungssystem, die heute veröffentlicht werden.

Die erste Prognose des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) zur Ausbildungssituation in Deutschland zeigt, dass in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Rückgang an dualen Ausbildungsplätzen zu rechnen ist.

Wurden 2013 noch 531.000 neue Ausbildungsverträge unterschrieben, wird die Zahl nach den aktuellen Berechnungen des FiBS in rund zehn Jahren um 100.000 sinken, während die Zahl der Plätze im Schulberufssystem konstant bei etwa 300.000 bleibt. Zwar gewinnt die schulische Berufsausbildung damit an Bedeutung, doch ist die duale Ausbildung weiterhin der größte Bereich des Ausbildungssystems. Auch in den kommenden Jahren werden mehr junge Menschen eine duale Ausbildung als ein Studium aufnehmen.

„Die duale Ausbildung wird noch stärker unter Druck kommen, wenn die erheblichen Herausforderungen nicht zeitnah von Politik und Wirtschaft angegangen werden. Die Diskussion über die Attraktivität des dualen Systems sollte vom Kopf auf die Füße gestellt und die zugrunde liegenden Analysen müssen differenzierter werden“, meint Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des Forschungsinstituts.

So zeigt der Blick in die Statistik, dass es nicht die steigenden Abiturientenzahlen sind, die dem dualen System Probleme bereiten, sondern immer weniger Realschüler und Realschülerinnen eine duale Ausbildung beginnen. Sie ergreifen stattdessen eine schulische Berufsausbildung oder streben über das Gymnasium oder andere Wege das (Fach-)Abitur an. Dies gilt insbesondere für junge Frauen mit Realschulabschluss. „Dem dualen System gelingt es einfach nicht, die jungen Frauen besser anzusprechen“, sagt Dohmen. „Hierzu ist nicht nur ein Mentalitätswechsel erforderlich, sondern es müssen unter Umständen auch bestehende Vorschriften, die ihre Einstellung erschweren, geändert werden.“

Auf der anderen Seite wird zwar sichtbar, dass der Anteil der Hauptschüler und Hauptschülerinnen unter den Auszubildenden zurückgeht. Da aber die Zahl der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss noch stärker gesunken ist, heißt das, dass sich die Übergangschancen dieser Absolventen zuletzt deutlich verbessert haben. Dohmen meint: „Die Unternehmen erkennen zunehmend, dass sie hier mehr tun müssen.

Allerdings sind gerade kleine Ausbildungsbetriebe dabei überfordert. Sie können sich nicht permanent darum kümmern, grundlegende Schwächen in Lesen, Schreiben oder Rechnen oder im sozialen Verhalten zu beheben. Hier muss eine leistungsstarke und flexible Unterstützungsinfrastruktur geschaffen werden, die den Unternehmen vor und während der Ausbildung bedarfsgerecht hilft“, so Dohmen.

Der Bildungsökonom sieht die Unternehmen aber auch in der Pflicht: „Sie müssen sich noch stärker um neue Auszubildende bemühen und um sie werben. Dazu sind wiederum die kleinen Unternehmen kaum in der Lage. Sie sind mit dem Tagesgeschäft meist völlig ausgelastet, und dann bleibt keine Luft mehr, um hier auch noch tätig zu werden. Und ein paar tausend Euro für ein Ausbildungsmarketing, dessen Erfolg unklar ist, ist oft mehr, als die knappen Kassen dieser Firmen verkraften. Also ziehen sie sich notgedrungen zurück.“

In Ostdeutschland lässt sich beobachten, dass sich gerade die kleinen und mittleren Unternehmen zunehmend aus dem Ausbildungsgeschehen verabschiedet haben. „Die kleinen Firmen haben bei der dualen Ausbildung einen strukturellen Nachteil, den sie nur schwer überwinden können. Der Aufwand wird von ihnen als so groß empfunden, dass es besser erscheint, auf Auszubildende zu verzichten und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Damit gehen Ausbildungsplätze verloren. Dieser Trend wird sich über kurz oder lang auch in Westdeutschland verschärfen.“

Die Prognosen zu den Studienanfängern und zum Berufsbildungssystem des FiBS werden mit dem vom Forschungsinstitut entwickelten Simulationsmodell EduSim© vorgenommen, das neben den Vorausberechnungen auf Bundes- und Länderebene auch solche nach Fachrichtung oder Kammerbereich zulässt.

 Die ausführliche Prognose zum Berufsbildungssystem kann als FiBS-Forum Nr. 52 von der Homepage des FiBS (www.fibs.eu)  heruntergeladen werden.

Birgitt A. Cleuvers | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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