Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nierentransplantate funktionieren in Europa länger als in den USA

12.10.2012
Heidelberger Wissenschaftler stellen große Unterschiede nach fünf und zehn Jahren fest / Fehlende Kostenerstattung für Medikamente gegen Organabstoßung in den USA als möglicher Faktor/ Veröffentlichung in „Transplantation“

Nierentransplantationen sind in Europa langfristig deutlich erfolgreicher als in den USA: Während die Funktionsraten nach einem Jahr mit rund 90 Prozent übereinstimmen, funktionieren nach fünf Jahren in Europa noch 77 Prozent der Spendernieren, in den USA sind es bei weißen Amerikanern dagegen nur 71 Prozent. Nach zehn Jahren sind es 56 Prozent gegenüber 46 Prozent.

Die niedrigeren Langzeitüberlebensraten im Vergleich zu Europa betreffen auch spanischstämmige US-Amerikaner, bei denen nach 10 Jahren 48 Prozent der transplantierten Nieren noch funktionieren, und insbesondere Afroamerikaner mit 33 Prozent.

Heidelberger Wissenschaftler haben erstmals die große Diskrepanz durch einen systematischen Vergleich von Daten aus der weltweit größten Studie zu Transplantations-Ergebnissen, der „Collaborative Transplant Study CTS“ in Heidelberg, mit Transplantationsdaten aus den USA aufgezeigt. Ihre wissenschaftliche Arbeit ist online in „Transplantation“ veröffentlicht.

Die Studienergebnisse zeigen besonders große Unterschiede bei dem Funktionsverlust des Nierentransplantats bei Kindern und jungen Erwachsenen. Ein Grund für die schlechteren Ergebnisse in den USA könnte sein, dass Medikamente gegen die Transplantat-Abstoßung in der Regel nur für drei Jahre von der staatlichen Krankenversicherung Medicare erstattet werden, während in Europa die lebenslange Kostenübernahme durch die Krankenkassen gesichert ist. In den USA müssen die transplantierten Patienten nach drei Jahren oft selbst dafür aufkommen. Jährlich fallen durchschnittlich rund 20.000 Dollar an.

Heidelberger CTS-Studie wertet weltweite Daten zu Transplantation aus

Die CTS-Studie in der Abteilung Transplantationsimmunologie am Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Gerhard Opelz sammelt seit 30 Jahren Daten von Transplantationen weltweit und wertet sie wissenschaftlich aus. Nierentransplantationen sind heute in der Regel sehr erfolgreich; daran haben Medikamente gegen die Abstoßung des Organs, sogenannte Immunsuppressiva, einen großen Anteil. Diese müssen von den transplantierten Patienten zeitlebens eingenommen werden.

„Für den Vergleich der Langzeitüberlebensraten in den USA und Europa konnten wir Daten der US-amerikanischen Organisationszentrale für Organaustausch UNOS nutzen“, erklärt Dr. Adam Gondos, der als Epidemiologe in der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) arbeitet. In den USA werden sämtliche Daten von Transplantationen systematisch gesammelt und sind öffentlich verfügbar, im Gegensatz zu Deutschland und den meisten Europäischen Länder, in denen in der Regel kein vergleichbares nationales Register vorhanden ist. Die Teilnahme an der CTS-Studie ist freiwillig. „Da aber ein hoher Prozentsatz der europäischen Zentren teilnehmen, sind die Daten für Europa repräsentativ“, so Professor Opelz. Insgesamt wurden rund 23.500 Nierentransplantationen in Europa für die aktuelle Auswertung herangezogen, in den USA waren es rund 32.000.

„Die Ursachen für die Diskrepanz zwischen USA und Europa sind durch die hier durchgeführten statistischen Analysen nicht endgültig ermittelbar“, sagt Dr. Gondos. Doch weise die Tatsache, dass die Ergebnisse im ersten Jahr gleich gut sind, danach aber in der USA sukzessive schlechter würden darauf hin, dass die die Betreuung nach einer Transplantation im Allgemeinen und die Versorgungssituation mit Immunsuppressiva im Besonderen hier eine gewisse Rolle spielen könnte.

Dialyse-Behandlung ist teurer als Immunsuppressiva

Im Februar 2012 hatten bereits kanadische Nierenexperten eindringlich diese aktuelle US-Praxis im „New England Journal of Medicine“ kritisiert (NEJM 366;7). Die Rückkehr an die Dialyse schränkt die Lebenserwartung der Patienten ein, selbst wenn ein neues Organ zur Verfügung steht. Diese Rationierung sei weder ethisch verantwortbar noch ökonomisch sinnvoll, da die Dialyse mit rund 75.000 Dollar pro Jahr zu Buche schlage – mehr als dreimal so viel wie die Kosten der immunsuppressiven Behandlung. Bislang sind jedoch alle politischen Bemühungen in den USA um die Fortführung der Behandlung mit Immunsuppressiva nach Nierentransplantation über drei Jahre hinaus gescheitert.

Weitere Information im Internet:

Collaborative Transplant Study CTS: http://www.ctstransplant.org

Pressemitteilung: 30 Jahre CTS-Studie in Heidelberg
http://idw-online.de/pages/de/news487604
Abteilung Transplantations-Inmmunologie, Universitätsklinikum Heidelberg: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Transplantations-Immunologie.1250.0.html

Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): http://www.dkfz.de/de/klinepi/index.php

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de
Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
Besuchen Sie das Universitätsklinikum Heidelberg auch bei:
Facebook: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/facebook
Twitter: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/twitter
Youtube: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/youtube

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http:///www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Internationale Studie: Wie lässt sich Gletscherschmelze genauer vorhersagen?
09.07.2020 | Universität Bremen

nachricht Erste Ergebnisse der Aerosol-Studie mit dem Chor des BR zu Corona-Ansteckungsrisiken beim Singen liegen vor
03.07.2020 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Im Focus: Robuste Materialien in Schwingung versetzt

Kieler Physikteam beobachtet in Echtzeit extrem schnelle elektronische Änderungen in besonderer Materialklasse

In der Physik werden sie zurzeit intensiv erforscht, in der Elektronik könnten sie ganz neue Funktionen ermöglichen: Sogenannte topologische Materialien...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

09.07.2020 | Physik Astronomie

Forscher der Universität Bayreuth entdecken außergewöhnliche Regeneration von Nervenzellen

09.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Selbstadaptive Systeme: KI übernimmt Arbeit von Software-Ingenieuren

09.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics