Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse im Kampf gegen chronisch-entzündliche Darmkrankheiten

02.11.2012
In einer der größten jemals durchgeführten wissenschaftlichen Studien konnte ein internationales Team ein neues Licht auf die genetischen Ursachen von chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten (CED) werfen. Über 2,5 Millionen Menschen weltweit sind von diesen Krankheiten betroffen.

Um diesen Menschen zu helfen, suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach den krankheitsauslösenden Genen. Ihren Durchbruch veröffentlichten sie in der aktuellen Ausgabe (31.10.2012) der Fachzeitschrift Nature.

Mitautor Professor Andre Franke von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist selbst überrascht über den großen Erfolg der Studie: “Wir konnten zum einen die Anzahl der nun bekannten Krankheitsgene nahezu verdoppeln, zum anderen müssen wir in Zukunft unseren Fokus noch mehr auf die Bakterien und Viren im Darm legen. Hierfür planen wir, Stuhlproben von Tausenden Patientinnen und Patienten sowie von gesunden Personen zu untersuchen und mit den genetischen Daten zu kombinieren. Die Studie zeigt auch, wie wichtig es mittlerweile geworden ist, sich mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der Welt zu vernetzen", so Professor Andre Franke.

Die neue Studie konnte genetische Variationen in 163 Regionen des menschlichen Genoms, von denen 71 neu entdeckt wurden, mit einem erhöhten Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in Verbindung bringen. Diese Regionen zeigten eine überraschend große Übereinstimmung mit den Regionen des Genoms, die mit anderen Autoimmunkrankheiten in Verbindung gebracht werden. Dies lässt vermuten, dass CED durch ein überaktives Immunsystem, das ursprünglich zur Bekämpfung von ernsten Infektionen entstanden ist, ausgelöst wird.

Bei dieser Art von Krankheiten löst das Immunsystem normalerweise eine anhaltende Entzündungsreaktion im Darm aus, die die Darmwand beschädigt und zu Durchfall und Bauchschmerzen führt. Die Betroffenen benötigen dann eine lebenslange medikamentöse Behandlung und oft chirurgische Eingriffe, um Gewebeschädigungen, die durch die Krankheit verursacht werden, zu beheben.

„Bisher haben wir Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa getrennt voneinander untersucht“, sagt Stefan Schreiber, Gastroenterologe und Sprecher des Exzellenzclusters „Entzündungen an Grenzflächen“ sowie Dekan der Medizinischen Fakultät der CAU. “Wir haben die Studie auf Basis der Annahme durchgeführt, dass es vermutlich große genetische Übereinstimmung zwischen den beiden Krankheiten gibt.“

In einem ersten Schritt haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine „Metaanalyse“ von 15 vorherigen Studien an entweder Morbus Crohn (CD) oder Colitis Ulcerosa (UC), den zwei häufigsten Formen von CED, durchgeführt. Damit erzeugten sie einen Datensatz von ungefähr 34.000 Personen, die an diesen Studien teilgenommen haben. Die Ergebnisse sind Teil einer zweiten Metaanalyse, die die Daten von neuen genomweiten Untersuchungen von mehr als 41.000 DNA-Proben von Morbus Crohn- und Colitis Ulcerosa-Betroffenen und gesunden Vergleichsgruppen umfasst, die in 11 Forschungszentren auf der ganzen Welt durch das Internationale IBD Genetik Konsortium gesammelt wurden.

„Wir sehen einen genetischen Balanceakt zwischen Verteidigung gegen bakterielle Infektionen und dem Angriff auf eigene Körperzellen“, ergänzt Schreiber. „Viele der Regionen, die wir gefunden haben, sind daran beteiligt, Signale oder Immunantworten zur Bekämpfung von schädlichen Bakterien auszusenden. Wir haben herausgefunden, dass, wenn diese Mechanismen überreagieren, dies Entzündungen auslösen kann, die zu CED führen.“

Fast 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern haben zu dieser Studie beigetragen. Dies zeigt „die unglaubliche Kraft, die die Zusammenarbeit in einen großen Team haben kann“, sagt Franke. „Diese Studie wäre nicht ohne die tausenden von DNA-Proben von Patientinnen und Patienten mit UC und CD, die durch das Internationale IBD Genetik Konsortium zusammengetragen wurden, möglich gewesen. Insgesamt haben unsere Ergebnisse das Ziel, die biologischen Mechanismen hinter diesen Krankheiten aufzudecken.“

Original Artikel:
“Host-microbe interactions have shaped the genetic architecture of inflammatory bowel disease”; DOI: 10.1038/nature11582
Das folgende Bild steht zum Herunterladen bereit:
http://www.presseportal.de/pm/62940/1598232/kunstprojekt-entzuendet-verleiht-auch-morbus-crohn-ein-gesicht-mit-bild-ausstellung-zeigt-ab-20
Bildunterschrift: Das Kunstprojekt „Entzündet” stellt die Morbus Crohn-Krankheit dar.

Copyright: Muthesius Kunsthochschule Kiel, Picture: obs/Abbott

Dr. Boris Pawlowski | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2012/2012-319-gene.shtml

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie wir 2030 unterwegs sind: acatech Studie skizziert Zukunftsbild der vernetzten Mobilität
11.09.2019 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht STICA-Studie belegt: Spezielle Verhaltenstherapie bei Computerspiel- und Internetsucht erfolgreich
11.09.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Im Focus: Happy hour for time-resolved crystallography

Researchers from the Department of Atomically Resolved Dynamics of the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter (MPSD) at the Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg, the University of Hamburg and the European Molecular Biology Laboratory (EMBL) outstation in the city have developed a new method to watch biomolecules at work. This method dramatically simplifies starting enzymatic reactions by mixing a cocktail of small amounts of liquids with protein crystals. Determination of the protein structures at different times after mixing can be assembled into a time-lapse sequence that shows the molecular foundations of biology.

The functions of biomolecules are determined by their motions and structural changes. Yet it is a formidable challenge to understand these dynamic motions.

Im Focus: Modulare OLED-Leuchtstreifen

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP, ein Anbieter von Forschung und Entwicklungsdienstleistungen auf dem Gebiet der organischen Elektronik, stellt auf dem International Symposium on Automotive Lighting 2019 (ISAL), vom 23. bis 25. September 2019, in Darmstadt, am Stand Nr. 37 erstmals OLED-Leuchtstreifen beliebiger Länge mit Zusatzfunktionalitäten vor.

Leuchtstreifen für das Innenraumdesign kennt inzwischen nahezu jeder. LED-Streifen sind als Meterware im Baumarkt um die Ecke erhältlich und ebenso oft als...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungen

Thermodynamik – Energien der Zukunft

19.09.2019 | Veranstaltungen

Diabetes: wenn eine Diagnose das Leben der Betroffenen auf den Kopf stellt

19.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Strukturdaten zu Talin erklären Selbsthemmungs-Mechanismus

20.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie Algen pinke Pigmente herstellen

20.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics