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Krebs: Körpereigene Zellen schützen Tumore

05.11.2010
Behandlungen mit Impfstoffen versagen häufig

Eine Art von normalen Zellen, die sich oft in kanzerösem Gewebe findet, könnte die Ursache für das häufige Versagen von Impfstoffen gegen Krebs sein.

Stromazellen dürften die Tumore gegen das Immunsystem des Körpers schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Cambridge. Das Team um Douglas Fearon entfernte einige dieser Zellen bei Mäusen und konnte so die Lungentumore schrumpfen lassen. Details der Studie wurden in Science veröffentlicht.

Tumore bestehen nicht nur aus Krebszellen. Vielfach sind diese Zellen auch mit normalen Zellen vermischt, die ihre Funktionen weiter ausführen. Stromazellen gehören zum Bindegewebe des Körpers. Die aktuelle Studie legt nahe, dass zumindest bei manchen Tumoren ihre Aktivität das Immunsystem daran hindert anzugreifen und damit die Tumore zu verkleinern oder zu zerstören. Das ist vor allem bei Impfstoffen von Bedeutung, die zur Behandlung eingesetzt werden. Ziel dieses Behandlungsansatzes ist es, nach der Diagnose Krebs die Immunreaktion zu stärken.

Immunsystem unterdrückt

Dass diese Impfstoffe es nicht schaffen, die Tumore ernsthaft zu schädigen, obwohl sie eine Immunreaktion hervorrufen, war den Wissenschaftlern bisher laut BBC ein Rätsel. Die fraglichen Stromazellen verfügen auf ihrer Oberfläche über ein Protein, das sogenannte Fibroblast-Aktivierungsprotein alpha (FAP), das normalerweise bei der Wundheilung eine Rolle spielt. Und genau in diesem Bereich vermuteten die Wissenschaftler, dass es das Immunsystem in und um den Tumor unterdrückte.

Um diese Annahme zu überprüfen, wurden Mäuse geschaffen, deren FAP-produzierende Zellen eliminiert werden konnten. Danach schrumpften die Tumore bei Tieren mit gut ausgebildetem Lungenkrebs sehr rasch. Nur zwei Prozent der Zellen in diesen Tumoren produzierten FAP. Daher sind die Wissenschaftler überzeugt, dass sie eine viel größere Rolle beim Schutz des Tumors vor dem Immunsystem spielen. Fearon erklärte, dass die Identifizierung dieser Zellen, die in vielen Krebsarten wie Brust- und Darmkrebs vorkommen, ein wichtiger Schritt war.

Barrieren überwinden

Weitere Studien zur Wirkung dieser Zellen könnten zu verbesserten Immuntherapien führen und so helfen, die vom Krebs aufgerichtete Barriere zu überwinden. Die aktuelle Studie sei jedoch an Mäusen durchgeführt worden und trotz der großen Überschneidungen bei den Immunsystemen von Mäusen und Menschen werde die Bedeutung dieser Forschungsergebnisse erst wirklich feststehen, wenn es gelungen ist, die Funktion von Stromazellen bei Krebspatienten auszuschalten.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.cam.ac.uk
http://www.sciencemag.org

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