Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Panik im Stadion! Bonner Geographen erforschen bei der Fußball-WM das Verhalten der Zuschauer

27.05.2010
Wenn am 11. Juni die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika beginnt, dann sitzen auch die Geographen der Universität Bonn vorm Fernseher und verfolgen die Spiele.

Ihr Interesse gilt aber nicht nur dem runden Leder, sondern den Zuschauern im und um das Stadion. Seit zwei Jahren arbeiten sie in einem Projekt unter Federführung des Forschungszentrums Jülich an der Entwicklung eines Evakuierungsassistenten für Großveranstaltungsarenen mit.Er soll bei Gefahrenlagen helfen, die Veranstaltungsorte geordnet und schnell zu räumen.

Die Bonner Geographen interessiert folglich weniger die Frage "Wer ersetzt Ballack?", sondern "Wie reagieren Einsatzkräfte in heiklen Situationen? Wie verhalten sich Fans und Besucher? Wie ist man auf einen Notfall wie Feuer- oder Bombenalarm vorbereitet?"

Der Evakuierungsassistent ist ein komplexes System. Hier laufen sämtliche Informationen zu Besuchern, Gebäudestruktur und Gefahrstoffen sowie zu Besonderheiten der konkreten Veranstaltung zusammen. So soll das Gerät Polizei und Ordnungskräfte bei Gefahrenlagen in Stadien oder Veranstaltungshallen, die eine Räumung erfordern, unterstützen. Die Geographen der Universität Bonn unter Leitung von Professor Dr. Jürgen Pohl haben im Vorfeld dazu ein Anforderungsprofil erstellt. "Wir haben ermittelt, welche Informationen braucht welche Abteilung oder Organisation. Dazu haben wir mit den einzelnen Behörden wie Polizei und Feuerwehr gesprochen und so eine Bedarfsanalyse vorgenommen. Das ist extrem wichtig, damit im Ernstfall alles glatt läuft und der Evakuierungsassistent jedem Verantwortlichen die Informationen liefert, die er benötigt.", erklärt Professor Jürgen Pohl.

Fußball-Großveranstaltungen stellen immer ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar. Die WM 2006 in Deutschland gab den Anschub für eine verstärkte Beschäftigung mit der Sicherheit in Stadien. Angesichts aktueller Probleme und Ausschreitungen in deutschen Fußballstadien stellt sich die Frage, wie die Sicherheit für Besucher von Großveranstaltungen optimiert werden kann.

Im Verbundprojekt "HERMES" (Leitung: Prof. Armin Seyfried, FZ Jülich/Universität Wuppertal) passiert genau das, mit dem Herzstück Evakuierungsassistent. Die Tragödien im Brüsseler Heysel-Stadion 1985 und im Hillsborough-Stadion in Sheffield 1989 hätten wohl mit Hilfe der neuen Entwicklung abgemildert werden können. Denn der Assistent soll den Einsatzkräften helfen, Panik zu vermeiden. Durch die Modellierung des Besucherverhaltens (in Form von Fußgängerströmen) verbessert er die Möglichkeit für eine geordnete Evakuierung ohne Gefahr. Anhand von Basisdaten über die Gebäudestruktur und das Zuschaueraufkommen kann mit Hilfe leistungsfähiger Rechner eine Evakuierung oder "Entfluchtung" simuliert werden. Durch frühzeitige Stauprognosen haben die Verantwortlichen die Möglichkeit, "vor die Lage zu kommen" und somit besser abgesicherte Entscheidungen zu treffen sowie Sicherheitspersonal und Rettungskräfte optimal einzusetzen. Mittels Personenzählung und automatisierter Bildverarbeitu ng wird die jeweils aktuelle Gefahrenlage analysiert. Schneller als in Echtzeit können so die Personenverteilung und die Verfügbarkeit von Rettungswegen für die Führung der Menschenmengen (crowd management) zur Verfügung stehen.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Neben dem Forschungszentrum Jülich kooperieren die Universitäten Bonn, Köln und Wuppertal sowie kompetente Forschungsunternehmen aus ganz Deutschland.

Das Projekt läuft auch nach der Weltmeisterschaft weiter. Im Jahr 2011 wird es eine Zwischenbilanz geben. Gerade überprüfen die Bonner Geographen den Informationsfluss. "Es ist wichtig, dass die Kommunikation funktioniert. Dazu spielen wir derzeit verschiedene Szenarien durch, damit das Kommunikationsmodul für die Anwender die bestmöglichen Informationen liefert", erläutert Pohl die aktuelle Arbeit.

Außerdem planen die Bonner Geographen für den Herbst, eine breit angelegte Befragung der Besucher von Großveranstaltungen wie zum Beispiel der Fußball-Bundesliga oder Rockkonzerten. Dabei soll das Sicherheitsempfinden der Befragten erforscht werden. Schließlich sollte auch die Sicherheit der Besucher weltmeisterlich behandelt werden, damit Fußball die schönste Nebensache der Welt bleiben kann.

Weitere Informationen und Video des Fußgängerexperiments unter:
http://www.fz-juelich.de/jsc/appliedmath/ped/projects/hermes-de/
Bilder zu dieser Pressemitteilung gibt es unter:
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/142-2010
Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Pohl
Sozioökonomie des Raumes
Geographisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-7382 oder -3527
E-Mail: pohl@geographie.uni-bonn.de
Dipl. Geograph Simon Runkel
Telefon: 0228/73-1653
E-Mail: runkels@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/jsc/appliedmath/ped/projects/hermes-de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff
10.12.2018 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

nachricht Diabetes Typ 1 - Studien zeigen: Insulinpumpen wirken sich positiv auf Blutzuckerwerte
10.12.2018 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Im Focus: New Foldable Drone Flies through Narrow Holes in Rescue Missions

A research team from the University of Zurich has developed a new drone that can retract its propeller arms in flight and make itself small to fit through narrow gaps and holes. This is particularly useful when searching for victims of natural disasters.

Inspecting a damaged building after an earthquake or during a fire is exactly the kind of job that human rescuers would like drones to do for them. A flying...

Im Focus: Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

Von „Frequenzkämmen“ spricht man bei speziellem Laserlicht, das sich optimal für chemische Sensoren eignet. Eine revolutionäre Technik der TU Wien erzeugt dieses Licht nun viel einfacher und robuster als bisher.

Ein gewöhnlicher Laser hat genau eine Farbe. Alle Photonen, die er abstrahlt, haben genau dieselbe Wellenlänge. Es gibt allerdings auch Laser, deren Licht...

Im Focus: Topological material switched off and on for the first time

Key advance for future topological transistors

Over the last decade, there has been much excitement about the discovery, recognised by the Nobel Prize in Physics only two years ago, that there are two types...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

ICTM Conference 2019 in Aachen: Digitalisierung als Zukunftstrend für den Turbomaschinenbau

12.12.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Biofilme generieren ihre Nährstoffversorgung selbst

12.12.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Tanz mit dem Feind

12.12.2018 | Physik Astronomie

Künstliches Perlmutt nach Mass

12.12.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics