Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Risiko für Florfliegen durch Bt-Maispollen

18.08.2008
An der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) haben Wissenschaftler nun erstmals an ausgewachsenen (adulten) Florfliegen untersucht, ob sie durch Aufnahme von Bt-Maispollen geschädigt werden.

Während der Maisblüte nehmen Florfliegen Maispollen auf, sie nutzen ihn als Protein quelle. Wenn gentechnisch veränderter Bt -Mais angebaut wird, kommen diese wichtigen "Räuber" also direkt mit dem Bt‑Toxin in Berührung, das auch im Pollen der Maispflanze gebildet wird.

Florfliegenlarven hingegen ernähren sich vorwiegend von Blattläusen. Diese wiederum saugen Flüssigkeit aus den Nährstoffleitbahnen der Pflanze, die kein Bt-Toxin enthält. Florfliegen-Larven kommen also in der Natur kaum mit Bt-Toxin in Berührung. Dennoch wurden bisher nur die Larven untersucht.

In dieser ersten Studie mit ausgewachsenen Florfliegen wurde 28 Tage lang Bt-Maispollen in Kombination mit einer Zuckerlösung an die Tiere verfüttert. Mais blüht in der Regel fünf bis acht Tage lang, in Ausnahmefällen kann sich die Blüte über 14 Tage erstrecken. Diese Zeit wurde auf 28 Tage verdoppelt.

Für die Versuche wurden Maissorten mit zwei verschiedenen Bt-Toxinen ausgewählt: Cry1Ab, auf das der Maiszünsler , ein Schmetterling, empfindlich reagiert und Cry3Bb1, das gegen den Maiswurzelbohrer , einen Käfer, wirkt.

Als Maissorte, die Cry1Ab bildet, wurde Bt176 verwendet. Bt176 wird heute nicht mehr angebaut, hat aber einen besonders hohen Gehalt an Bt-Toxin im Pollen. Andere gegen den Maiszünsler resistente Bt-Maissorten wie z.B. Bt11 oder Mon810, der auch in Europa angebaut werden darf, weisen deutlich geringere Bt-Toxingehalte auf. Als zweite Sorte wurde Mon88017 eingesetzt, der Cry3Bb1 bildet.

Zur Kontrolle wurde Pollen derisogenen Maissorten, das sind die konventionellen Ausgangssorten ohne gentechnische Veränderung, verfüttert.

In einer zweiten Versuchsreihe wurde den Florfliegen reines Bt-Toxin in einer künstlichen Diät angeboten. Die Toxin-Konzentrationen waren hier acht- bis zehnfach höher, als sie in Maispollen zu finden sind. Als "Positivkontrolle" wurde eine Substanz aus Schneeglöckchen (GNA, Galanthus nivalis agglutinin) verfüttert, von der man weiß, dass Florfliegen empfindlich darauf reagieren.

In beiden Fütterungsversuchen wurden die Sterblichkeit, die Dauer bis zur Eiablage, die Anzahl der abgelegten Eier, die Fruchtbarkeit sowie das Trockengewicht der Florfliegen nach Beendigung der Tests untersucht.

Während der Tests wurden sowohl Stabilität und Bioaktivität der Cry-Proteine als auch die Aufnahme des Toxins durch die Florfliegen überprüft und bestätigt. Interessanterweise nahmen bei Fütterung mit Maispollen die männlichen Tiere 25mal weniger Toxin auf als die Weibchen. Als mögliche Erklärung führen die Autoren der Studie an, dass die Männchen nur Kohlenhydrate zum Überleben brauchen und sich deshalb vor allem an das Zuckerwasser gehalten haben, die Weibchen hingegen für die Fortpflanzung Proteine benötigen, die der Pollen liefert.

Für keinen der untersuchten Parameter in beiden Tests zeigten sich Unterschiede zwischen Bt-haltiger und konventioneller Diät. Dagegen wurde mit GNA sowohl die Dauer bis zur Eiablage, die Anzahl der abgelegten Eier, die Fruchtbarkeit als auch das Trockengewicht deutlich negativ beeinflusst.

Die Autoren ziehen als Ergebnis ihrer Untersuchungen die folgenden Schlussfolgerungen:

Florfliegen werden nicht durch Bt-Maispollen beeinträchtigt. Sie sind auch nicht empfindlich gegenüber deutlich höheren Toxinmengen als sie im Pollen zu finden sind.

Daher wird die Aufnahme von Bt-Maispollen als unerhebliches Risiko für Florfliegen angesehen.

Gabriele Völcker | Team bioSicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.genius.de
http://www.biosicherheit.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Schraubverbindungen mit standardisiertem Ultraschallverfahren

23.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren

23.07.2018 | Studien Analysen

Sauerstoffstabile Hydrogenasen für die Anwendung

23.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics