Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Nachweis unerwünschter Auswirkungen von gentechnisch verändertem Weizen

11.03.2010
Biosicherheitsforschung des NFP 59

Zwei Studien im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" (NFP 59) untersuchten, wie sich gentechnisch veränderter Weizen auf Insektenlarven und Blattläuse auswirkt. Sie konnten keine Beeinträchtigungen ausmachen.

Zu einer sorgfältigen Abklärung der Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen gehört die Erforschung von deren Auswirkungen auf die Umwelt. Eine der Befürchtungen ist, dass Pflanzen, die dank gentechnischen Veränderungen Krankheitserreger abwehren, auch andere Lebewesen - so genannte Nicht-Zielorganismen - beeinträchtigen.

Stellvertretend für viele andere sind hier insbesondere zwei Gruppen von Nicht-Zielorganismen von Interesse. Erstens sind das Lebewesen, die wichtige ökologische Funktionen ausüben, also beispielsweise im Boden Pflanzenreste abbauen und dadurch längerfristig die Bodenfruchtbarkeit sichern. Zweitens sind das möglicherweise direkt betroffene Nicht-Zielorganismen wie etwa Blattläuse, die bekanntermassen sehr empfindlich auf die Qualität ihrer Wirtspflanzen reagieren, weil sie sich ausschliesslich von den in den Pflanzen zirkulierenden Säften ernähren.

Bodenorganismen nicht beeinträchtigt
Die Reaktion der Bodenorganismen auf gentechnisch veränderten Weizen, welcher der Pilzerkrankung Mehltau widersteht, untersuchten Wissenschaftler um Wolfgang Nentwig am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. Sie verfütterten Blätter von sechs verschiedenen gentechnisch veränderten Weizensorten an Larven zweier in der Schweiz heimischer Fliegenarten. Dasselbe taten sie mit Blattmaterial von sechs Weizensorten, die nicht gentechnisch verändert sind. Daraufhin beobachteten sie die Entwicklung der Larven und die Fruchtbarkeit der daraus entstehenden Fliegen über vier Generationen hinweg.

Das kürzlich im Fachblatt "Pedobiologia" veröffentlichte Resultat (*): Bei keiner der beiden Fliegenarten führten die verschiedenen Nahrungsquellen zu Unterschieden der gemessenen Fitness-Parameter. Das bedeutet, dass die Fliegen keinen Schaden am gentechnisch veränderten Weizen nahmen. Da die Versuche über vier Fliegengenerationen durchgeführt wurden, hätten - falls vorhanden - auch Langzeiteffekte entdeckt werden können.

Keine negativen Auswirkungen auf Blattläuse
Einen ähnlichen Ansatz wählten Forschende am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART. Sie untersuchten, inwieweit der Mehltauresistente gentechnisch veränderte Weizen die Entwicklung von Blattläusen beeinträchtigt. Dabei hielten sie die Blattläuse in Klimakammern auf acht verschiedenen Weizensorten - vier gentechnisch veränderte sowie vier entsprechende unveränderte Sorten. Um die Eignung der Wirtspflanzen als Nahrungsquelle zu erfassen, erhoben sie bei den Blattläusen eine Reihe wichtiger Parameter wie Sterblichkeit, Gewicht und Fruchtbarkeit.

Die Resultate veröffentlichten sie soeben online in der Fachzeitschrift "Basic and Applied Ecology" (**): Alle gemessenen Parameter der unterschiedlich ernährten Blattläuse waren vergleichbar. Auch hier hat die gentechnische Veränderung der untersuchten Weizensorten zu keinen Auswirkungen auf diese pflanzenfressenden Insekten geführt.

(*) Peter, M., Lindfeld, A. and Nentwig, W. (2010): Does GM wheat affect saprophagous Diptera species (Drosophilidae, Phoridae)? Pedobiologia, doi: 10.1016/j.pedo.2009.12.006 (als PDF beim SNF erhältlich; E-Mail: pri@snf.ch)

(**) von Burg, S., Müller, C. B. and Romeis, J. (2010): Transgenic disease-resistant wheat does not affect the clonal performance of the aphid Metolophium dirhodum Walker. Basic and Applied Ecology, doi: 10.1016/j.baae.2010.02.003 (als PDF beim SNF erhältlich; E-Mail: pri@snf.ch)

Kontakt:
Prof. Wolfgang Nentwig
Institut für Ökologie und Evolution
Universität Bern
Baltzerstrasse 6
3012 Bern
Tel.: ++41 31 631 45 11
E-Mail: wolfgang.nentwig@iee.unibe.ch
Dr. Jörg Romeis
Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
Reckenholzstrasse 191
8046 Zürich
Tel.: ++41 44 377 72 99
E-Mail: joerg.romeis@art.admin.ch
Nationales Forschungsprogramm "Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" (NFP 59)
Im Rahmen des NFP 59 untersuchen Forschende in insgesamt 29 Forschungsprojekten die Nutzen und Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen in Bezug auf die ökologischen, sozialen, ökonomischen, rechtlichen und politischen Verhältnisse in der Schweiz. Die Projekte starteten in der zweiten Jahreshälfte 2007 und schliessen Ende 2011 ab. Die Gesamtsynthese des Forschungsprogramms wird in der zweiten Jahreshälfte 2012 vorliegen.

http://www.nfp59.ch

| idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.nfp59.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wasserelektrolyse hat Potenzial zur Gigawatt-Industrie
18.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Was ist Asthma – und wenn ja wie viele?
12.09.2018 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Im Focus: Schaltung des Stromflusses auf atomarer Skala

Forscher aus Augsburg, Trondheim und Zürich weisen gleichrichtende Eigenschaften von Grenzflächenkontakten im ferroelektrischen Halbleiter nach.

Die Grenzflächen zwischen zwei elektrisch unterschiedlich polarisierten Bereichen im Festkörper werden als ferroelektrische Domänenwände bezeichnet. In der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

Studierende organisieren internationalen Wettbewerb für zukünftige Flugzeuge

17.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Auf der InnoTrans 2018 mit innovativen Lösungen für den Güter- und Personenverkehr

18.09.2018 | Messenachrichten

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

18.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics