Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IZA-Studie analysiert potenzielle Risiken einer Fiskalunion

05.07.2012
Die im Zuge der Schuldenkrise immer häufiger geforderte Weiterentwicklung der Europäischen Währungsunion zu einer Fiskalunion wäre mit massiven Problemen verbunden, die es im Vorfeld zu lösen gilt. Darauf weist eine aktuelle Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) hin.
Demnach würde die Schaffung eines Finanzausgleichssystems in der Eurozone in erheblichem Umfang Steuereinnahmen umverteilen, ohne die Stabilität der Währungsunion wirksam zu erhöhen. Ein gemeinsames europäisches Steuer- und Transfersystem würde das europäische Wirtschaftsystem zwar wirksamer stabilisieren, jedoch zu erheblichen Umverteilungseffekten auch innerhalb der Staaten führen.

In ihrer Studie simulierten die IZA-Wissenschaftler eine Wirtschaftskrise, die – ähnlich wie die aktuelle Krise – einzelne Länder besonders hart trifft. Die Analyse zeigt: Für Irland, Italien und Spanien würde sich ein positiver Stabilisierungseffekt einstellen. Diese Länder würden entweder weniger in den europäischen Topf einzahlen müssen oder mehr aus ihm erhalten. Allerdings würde das simulierte Finanzausgleichssystem im Fall Griechenlands die Krise sogar noch verschärfen. Der Grund: Griechenland würde ohne Krise stark von einem Finanzausgleichssystem profitieren. Träfe die Krise jedoch auch große Volkswirtschaften wie Italien oder Spanien und solche mit hohem Pro-Kopf-Einkommen wie Irland, würde der Topf für Ausgleichszahlungen deutlich schrumpfen – für Griechenland wäre dann weniger Geld da.

Ein gemeinsames Steuer- und Transfersystem würde das europäische Wirtschaftsystem laut Studie wirksamer stabilisieren als ein Finanzausgleich, allerdings ebenfalls mit erheblicher Umverteilungswirkung. Zwar würden insgesamt mehr EU-Bürger durch eine solche Steuer besser gestellt, doch in einer Mehrzahl der Länder gäbe es mehr Verlierer als Gewinner. Vor allem die Mittelschicht würde durch ein europäisches Steuer- und Transfersystem stärker belastet.

"Wenn die Verteilungswirkungen innerhalb und zwischen den Ländern zu extrem sind, ist eine politische Durchsetzung der Reform von vornherein unrealistisch", sagt IZA-Forscher Andreas Peichl. Die konkrete Ausgestaltung der einzelnen Elemente einer europäischen Fiskalunion sei daher entscheidend für den Erfolg. Insbesondere müsse geprüft werden, wie ein Finanzausgleichssystem auch dann stabilisierend wirken kann, wenn große Länder von der Krise erfasst werden.

Die Studie ist in englischer Sprache online abrufbar:
Olivier Bargain, Mathias Dolls, Clemens Fuest, Dirk Neumann, Andreas Peichl, Nico Pestel, Sebastian Siegloch:
"Fiscal Union in Europe? Redistributive and Stabilising Effects of an EU Tax-Benefit System"
IZA Discussion Paper No. 6585
http://ftp.iza.org/dp6585.pdf

Pressekontakt:
Dr. Andreas Peichl
IZA Bonn
Tel. (0228) 3894-511
peichl@iza.org

Mark Fallak | idw
Weitere Informationen:
http://ftp.iza.org/dp6585.pdf
http://www.iza.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie „Digital Gender Gap“
06.01.2020 | Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

nachricht Studie zeigt, wie Immunzellen Krankheitserreger einfangen
03.01.2020 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics