Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Investoren haben Vorurteile gegen Frauen

16.08.2012
Fondsmanagerinnen erzielen für ihre Kunden genauso hohe Renditen wie ihre männlichen Kollegen. Trotzdem investieren Anleger viel seltener in ihre Fonds. Den Grund dafür haben zwei Wirtschaftswissenschaftler der Universität Mannheim herausgefunden.

Frauen in Führungspositionen verdienen fast durch die Bank weg weniger als ihre männlichen Kollegen. Wenn sie es überhaupt in die Chefetage schaffen. Wollen Frauen vielleicht nicht die große Karriere? Sind sie vielleicht schlechter qualifiziert? Oder wird ihnen in männerdominierten Berufen einfach keine Führungsqualität zugetraut?

Das Wissenschaftler-Ehepaar Professor Dr. Alexandra Niessen-Ruenzi und Professor Dr. Stefan Ruenzi von der Mannheimer Fakultät für Betriebswirtschaftslehre konnte nun in einer Studie zur amerikanischen Finanzbranche zeigen: Vorurteile gegen Frauen spielen eine entscheidende Rolle.

Die beiden Wirtschaftswissenschaftler der Uni Mannheim haben dazu in den vergangenen sieben Jahren die Daten der gesamten US-amerikanischen Fondsindustrie ausgewertet. „Wir haben bei der Auswertung festgestellt, dass in Fonds, die von Frauen verwaltet werden, rund 15 Prozent weniger investiert wird als in die von männlichen Fondsmanagern“, erklärt Alexandra Niessen-Ruenzi. „Und das obwohl die Renditen, die sie für die Anleger erzielen, im Mittel gleich sind.“ Das erkläre auch, warum Frauen in der Finanzmarktbranche eher eine Seltenheit sind. Denn Frauen einzustellen erweist sich somit auch als weniger attraktiv für die Fondsgesellschaften.

Die Forscher haben daraufhin sämtliche Faktoren untersucht, die außer dem Geschlecht die niedrigen Zuflüsse in weiblich verwaltete Fonds erklären könnten. „Es könnte zum Beispiel sein, dass für die Fonds der Frauen weniger Werbung gemacht wird, sie vom Kunden höhere Gebühren verlangen oder dass Frauen schlicht den Wettbewerb scheuen, der in der Finanzmarktbranche herrscht“, erklärt Alexandra Niessen-Ruenzi. „Aber selbst nachdem wir für einige dieser empirischen Größen kontrolliert haben, waren die Geldzuflüsse in Fonds von Frauen immer noch deutlich niedriger.“

Um weitere Hinweise dafür zu sammeln, dass Vorurteile von Anlegern ein Grund für die niedrigen Zuflüsse der „weiblichen“ Fonds sind, führten die Wissenschaftler ein Experiment durch. Das Ergebnis: Wie in den Daten legten auch die Testpersonen im Experiment 15 Prozent weniger in Fonds von Frauen an. Mithilfe eines psychologischen Tests wurden die Personen dann noch auf ihre Vorurteile gegenüber Frauen in der Finanzmarktbranche getestet. Dabei kam heraus, dass viele Teilnehmer Vorurteile haben und dass die Personen mit den stärksten Vorurteilen auch am wenigsten in die „weiblichen“ Fonds investierten.
Die Studie der beiden Wissenschaftler der Uni Mannheim ist die erste Studie, die zeigt, dass Vorurteile gegenüber Frauen einen großen Einfluss auf Investitionsentscheidungen haben können. Bei der diesjährigen „Rothschild Cesarea Conference” Ende Mai in Israel haben sie dafür den „Best Paper Award“ von der Jury erhalten. Die Konferenz war mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem aus Harvard und Stanford hochrangig besetzt.

Kontakt:

Prof. Dr. Alexandra Niessen-Ruenzi
Juniorprofessur für Banken und Finanzierung
Universität Mannheim
Schloss
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181 - 1595
E-Mail: niessen@bwl.uni-mannheim.de

Prof. Dr. Stefan Ruenzi
Lehrstuhl für Internationale Finanzierung
Universität Mannheim
Schloss
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181 - 1646
E-Mail: lsruenzi@bwl.uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht SGLT2-Hemmer verlangsamen das Fortschreiten der chronischen Nierenkrankheit
15.04.2019 | Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

nachricht Greifswalder Wissenschaftler wollen neues Verfahren bei Sprachverlust nach Schlaganfall etablieren
01.04.2019 | Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics