Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internetsüchtige häufiger depressiv

03.02.2010
Kritiker: Onlinesucht nicht zuverlässig diagnostizierbar

Zwischen starker Internetnutzung und Depressionen besteht offenbar ein Zusammenhang. Einer Untersuchung der University of Leeds zufolge waren rund 1,2 Prozent der Befragten internetsüchtig. Viele von den Menschen waren depressiv. Laut den Wissenschaftlern um Catriona Morrison verursache das eine aber nicht zwangsläufig das andere. Die meisten Internetnutzer litten unter keinen psychischen Problemen.

Die Ergebnisse basierten auf 1.319 Rückmeldungen auf einen Online-Fragebogen. Links fanden sich auf den Webseiten von sozialen Netzwerken. Gefragt wurde, wie häufig und für welche Zwecke das Internet genutzt wird. Zusätzlich stellten die Wissenschaftler eine Reihe von Fragen zur Feststellung von Depressionen. Die Teilnehmer waren zwischen 16 und 51 Jahren alt. Das Durchschnittsalter lag bei 21 Jahren.

Internet beeinträchtigt den Alltag

Es zeigte sich, dass eine kleine Zahl der Nutzer das Internet sehr stark gebrauchte. Soziale Interaktionen im realen Leben wurden durch Chat Rooms und die Seiten von sozialen Netzwerken ersetzt. 18 Teilnehmer, also 1,2 Prozent, wurden als internetsüchtig eingestuft. Diese Gruppe verbrachte proportional mehr Zeit auf Sites mit Sex, Spielen und in der Online-Community. Das Internet spiele heute eine große Rolle, erklärte Morrison. Es bringe zwar Vorteile, habe aber auch eine dunkle Seite. Ein kleiner Teil der Bevölkerung finde es schwer zu kontrollieren, wie viel Zeit online verbracht wird. Das gehe sogar soweit, dass das Internet beginne den Alltag zu beeinträchtigen.

Die internetsüchtigen Teilnehmer waren deutlich häufiger depressiv als die nichtsüchtigen. Sie erreichten bei der Auswertung fünf Mal höhere Werte. Im Durchschnitt befanden sie sich im Bereich von moderaten bis schweren Depressionen. Morrison betonte jedoch, dass nicht klar sei, was zuerst komme. Fühlen sich depressive Menschen mehr vom Internet angezogen oder führt das Internet zu Depressionen? Daher sei es jetzt notwendig, diesen Zusammenhang genau zu erforschen und auch die Frage nach den Ursachen zu klären.

Diagnose schwierig

Kritiker der Untersuchung betonten, dass eine Internetsucht nicht zuverlässig diagnostiziert werden kann. Auch könnte die Art der Anwerbung der Teilnehmer zu einem unausgewogenen Sample geführt haben. Vaughan Bell vom King's College London argumentierte laut BBC, dass jene, die als internetsüchtig identifiziert wurden, emotionale Probleme hatten. Daher seien die Ergebnisse der Studie keine große Überraschung. Frühere Studien hätten darauf hingewiesen, dass depressive oder ängstliche Menschen eher dazu neigten das Internet zu nutzen. Es gebe keine klaren Beweise dafür, dass das Internet selbst das Problem sei.

Details der Ergebnisse wurden im Fachmagazin Psychopathology http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?Aktion=ShowAbstract&ArtikelNr=277001&Ausgabe=253793&ProduktNr=224276 veröffentlicht.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.leeds.ac.uk

Weitere Berichte zu: Depression Internetsüchtige Online-Community Onlinesucht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie „Digital Gender Gap“
06.01.2020 | Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

nachricht Studie zeigt, wie Immunzellen Krankheitserreger einfangen
03.01.2020 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics