Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationalen Seeverkehr in den europäischen Emissionshandel einbinden

19.05.2010
Neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Einbindung ohne nennenswerte ökonomische Nachteile technisch und rechtlich kurzfristig umsetzbar ist.

Die internationale Seeschifffahrt ist ein stark wachsender Sektor - das hat Folgen für das Klima. Derzeit trägt der internationale Seeverkehr mit 2,7 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Tendenz: zunehmend.

Doch die klimaschädlichen Emissionen müssen auch in diesem Sektor abnehmen und so hat der Rat der Europäischen Union kürzlich das Ziel ausgegeben, die Emissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Um dies zu erreichen, stellt der europäische Emissionshandel ein gutes Politik-Instrument dar, insbesondere angesichts schleppender Fortschritte auf internationaler Ebene.

In einer jetzt veröffentlichten Studie haben Wissenschaftler aus dem Öko-Institut in Kooperation mit weiteren Experten herausgefunden: Die Einbindung des Seeverkehrs in das europäische Emissionshandelssystem ist rechtlich zulässig, technisch möglich und hat keine nennenswerten negativen Auswirkungen auf die deutsche und europäische Volkswirtschaft, sondern kann sich sogar positiv auf die maritime Wirtschaft auswirken.

„Eine Einbindung des internationalen Seeverkehrs in das europäische Emissionshandelssystem kann relativ einfach auf Basis vorhandener Daten der in Europa anlaufenden Schiffe erfolgen. Jeder Hafenstaat hat ein Recht, Berichtspflichten und Umweltanforderungen für anlaufende Schiffe zu stellen.

Positiv ist, dass das administrativ einfachste System auch das umwelt-effizienteste und juristisch stabilste System darstellt“, stellt Projektleiter Stefan Seum vom Öko-Institut e.V. fest. Voraussetzung für einen weitreichenden Umweltnutzen: Das europäische Emissionshandelssystem müsste auch für den Schiffsverkehr in internationalen Gewässern gelten. Dies ist aus Sicht der Wissenschaftler jedoch bei entsprechender Gestaltung juristisch möglich, unter Nutzung vorhandener Daten zu überwachen und gut umzusetzen. Die rechtliche Einbindung könnte im Einklang mit internationalen Abkommen und Regelungen geschehen.

Zwei weitere Gründe sprechen aus Sicht der Wissenschaftler für die Einbindung des internationalen Seeverkehrs in den europäischen Emissionshandel: Zum einen sind die Emissionsvermeidungskosten bei Seeschiffen zunächst gering. Zum anderen zeichnet sich ab, dass Schritte zur Reduktion der Emissionen auch bis Ende 2011 international noch nicht verbindlich umgesetzt sind.

„Wir können nicht gänzlich ausschließen, dass einige import- oder exportabhängige Staaten von höheren Seefracht-Raten betroffen wären“, ist die Meinung von Margareta Kulessa von der Fachhochschule Mainz. „Für Deutschland erwarten wir dies jedoch nicht. Der deutsche Schiffsbausektor würde davon voraussichtlich sogar profitieren. Denn es würden verstärkt Umwelttechnologien und effizientere Schiffe nachgefragt“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Die Studie ist in einem Forschungsverbund entstanden, an dem das Öko-Institut (Projektleitung) sowie die Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Margareta Kulessa, Dr. Matthias Oschinski und der Rechtsanwalt Tim Bäuerle beteiligt waren. Auftraggeber ist das Umweltbundesamt.

Die vollständige Studie „Integration of Marine Transport into the European Emissions Trading System: Environmental, economic and legal analysis of different options“ kann beim Umweltbundesamt kostenlos heruntergeladen werden: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien-e/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3942

Ansprechpartner:

Stefan Seum (Projektleitung)
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: 030/40 50 85-376
E-Mail: s.seum(at)oeko.de
Jakob Graichen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: 030/40 50 85-366
E-Mail: j.graichen(at)oeko.de
Martin Cames
Leiter des Institutsbereichs Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: 030/40 50 85-383
E-Mail: m.cames(at)oeko.de
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Interesse, Mitglied zu werden? Mehr unter http://www.oeko.de/mitmachen

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht STICA-Studie belegt: Spezielle Verhaltenstherapie bei Computerspiel- und Internetsucht erfolgreich
11.09.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Wie wir 2030 unterwegs sind: acatech Studie skizziert Zukunftsbild der vernetzten Mobilität
11.09.2019 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitales-Krankenhaus – wo bleibt der Mensch?

21.10.2019 | Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Digitales-Krankenhaus – wo bleibt der Mensch?

21.10.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Das Stromnetz fit für E-Mobilität machen

21.10.2019 | Förderungen Preise

Kompakt, effizient, robust und zuverlässig: FBH-Entwicklungen für den Weltraum

21.10.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics