Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Studie macht Stammzelltransplantationen sicherer

23.04.2020

Lebensgefährliche Komplikationen nach einer Stammzelltransplantation lassen sich mit einer neuen Therapie wesentlich wirksamer vermeiden als bisher / Zulassung bereits in den USA erfolgt und für Europa erwartet / Studie im New England Journal of Medicine

Bei Blutkrebs und schweren Immundefekten ist eine Transplantation von Blutstammzellen gesunder Spender*innen oft die letzte Behandlungschance. Doch bei etwa jede*r vierten Patient*in kommt es zu einer bislang nicht kontrollierbaren lebensgefährlichen Immunreaktion, bei der Spender-Immunzellen das Gewebe der Empfänger*innen angreifen. Fachleute sprechen von einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion oder Graft-versus-Host-Disease (GVHD).


Nach rund zwei Monaten sprachen rund 40 Prozent der Patient*innen auf die neue Therapie an. Bei der bisherigen Therapie waren es nur etwa 20 Prozent.

Grafik: UKF, Zeiser, Bubnoff


Bild: Prof. Dr. Robert Zeiser, Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff

DKFZ/Uwe Anspach

Nun zeigen Forscher des Universitätsklinikums Freiburg und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein gemeinsam in einer internationalen Studie, dass eine neue medikamentöse Therapie mit dem Wirkstoff Ruxolitinib diese Immunreaktion häufig verhindern kann. Die klinische Phase-III-Studie mit 309 Patient*innen wurde am 22. April 2020 im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

„Diese Therapie kann Stammzelltransplantationen deutlich sicherer machen. Wir hoffen deshalb sehr, dass sie schon bald in der Europäischen Union zugelassen wird“, sagt Prof. Dr. Robert Zeiser, Leiter der Abteilung für Tumorimmunologie und Immunregulation der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg.

Er hat gemeinsam mit Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Lübeck, die Studie mit 105 Studienzentren in 22 Ländern koordiniert und geleitet. GVHD führt unkontrolliert zu Gewebeschäden von Darm, Haut und Leber. In einem Fünftel der Fälle führt die Entzündungsreaktion zum Tod der Patient*innen durch Infektion oder gravierende Organschäden.

„Die Zulassung von Ruxolitinib in den USA ist die erste Zulassung eines Medikaments zur Behandlung der Kortison refraktären Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion weltweit“, sagt von Bubnoff.

Therapieerfolg deutlich höher als bisher

Die in der REACH2-Studie behandelten Patient*innen hatten alle nach einer Stammzelltransplantation eine Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion entwickelt, die sich mit Kortisonpräparaten nicht stoppen ließ und akut lebensbedrohlich wurde. Die Hälfte der Betroffenen erhielt Ruxolitinib, die andere Hälfte die bisherige Standardtherapie.

Nach 28 Tagen Therapie zeigten 62 Prozent der Patient*innen unter der neuen Therapie einen vollständigen oder teilweisen Rückgang der GVHD. Unter der Standardtherapie waren es 39 Prozent. Nach rund zwei Monaten war die Kontrolle der Immunreaktion unter Ruxolitinib mit fast 40 Prozent sogar fast doppelt so hoch wie unter der Standardtherapie mit 22 Prozent.

„Die Behandlung mit Ruxolitinib führt damit zu einem dauerhaften Behandlungserfolg“, freut sich Zeiser.

Forschung von der Petrischale bis zu den Patient*innen

In vorangegangen Arbeiten konnten die Forschungsgruppen um Zeiser und von Bubnoff zunächst in Zell- und Tierstudien zeigen, dass Ruxolitinib die Aktivierung und gegenseitige Verstärkung der transplantierten Immunzellen bremst. Diese Vorarbeiten waren die Basis für die spätere Anwendung beim Menschen. Die jetzige Phase-III-Studie REACH2 dürfte eine wesentliche Rolle bei der Zulassung auch in Europa spielen.

„Die Studienergebnisse bestätigen unsere jahrelange Arbeit zur GVHD und liefern eine wichtige Grundlage für die Zulassung“, sagt von Bubnoff. Die REACH2-Studie wurde finanziell durch Novartis Pharma unterstützt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Robert Zeiser
Leiter der Abteilung für Tumorimmunologie und Immunregulation
Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkte: Hämatologie, Onkologie, Stammzelltransplantationen)
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-34010
robert.zeiser@uniklinik-freiburg.de

Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff
Direktor
Klinik für Hämatologie und Onkologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel: 0451 – 500 44151
Fax: 0451 – 500 44154
Nikolas.vonBubnoff@uksh.de

Originalpublikation:

Original-Titel der Studie: Ruxolitinib for Glucocorticoid-Refractory Acute Graft-versus-Host Disease.
DOI: 10.1056/NEJMoa1917635

Ergänzung vom 22.04.2020

Präzisierung zur obigen Information: Die REACH2-Studie wurde von Novartis Pharma durchgeführt.

Benjamin Waschow | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
https://www.uniklinik-freiburg.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/2023-internationale-studie-macht-stammzelltransplantationen-sicherer.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der Therapie
29.05.2020 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht »Grüner« Wasserstoff oder »grüner« Strom für die Gebäudewärme?
29.05.2020 | Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Im Focus: New measurement exacerbates old problem

Two prominent X-ray emission lines of highly charged iron have puzzled astrophysicists for decades: their measured and calculated brightness ratios always disagree. This hinders good determinations of plasma temperatures and densities. New, careful high-precision measurements, together with top-level calculations now exclude all hitherto proposed explanations for this discrepancy, and thus deepen the problem.

Hot astrophysical plasmas fill the intergalactic space, and brightly shine in stellar coronae, active galactic nuclei, and supernova remnants. They contain...

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

03.06.2020 | Informationstechnologie

Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics